Schwarze Tinte

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„Du musst jetzt stillhalten... Shh." Dumpf drang die samtige, tiefe Stimme des Tränkemeister durch die Wellen von Schmerz zu mir hindurch. Ich keuchte auf. „Halt still, du kleine Närrin." Die Stimme bekam einen warnenden, besorgten Unterton. „Es ist gleich vorbei." Die langen, schlanken Finger fuhren prüfend ein letztes Mal vorsichtig über meine Rippen.

„Severus", wimmerte ich und kämpfte mit den Tränen. „Bitte tu mir nicht weh."

„Ich könnte dir niemals wehtun, Isabella, aber du musst stillhalten, Mädchen... Sonst machst du alles nur noch schlimmer..." Ich klammerte mich an ihn. "Ja, so ist es gut..." Sanft fuhr er mit der Spitze seines Zauberstabes über meinen Körper und ich spürte qualvoll und unter Schmerzen, wie sich zwei –vielleicht drei- der Rippen einen Hauch verschoben und somit endlich wieder an den Platz zurückglitten, an den sie hingehörten. Ich holte zischend Luft. „Du hast es gleich geschafft." Die samtige Stimme entfernte sich ein wenig. Ich wagte es, ein Auge zu öffnen. Keine Sekunde später sah ich Severus aus seinem Vorratsschrank treten, in der Hand einen Tiegel mit Salbe und eine kleine Phiole mit purpurner Flüssigkeit.

„Die Prellungen und blauen Flecken kann ich leider nicht durch Zauberei verschwinden lassen, das kann nur die Zeit", murmelte er, „Aber diese Salbe wird den Heilungsprozess beschleunigen." Vorsichtig strich er mit dem Zeigefinger etwas von der pistazienfarbenen Creme auf eine der dunklen Stellen nahe meinem Brustkorb. Ich seufzte erleichtert auf, da ich augenblicklich eine Linderung im Vergleich zu vorher verspürte. Er drückte mir die Phiole in die Hand. „Hier, damit du heute Nacht ruhig schlafen kannst. Aber nimm nicht zu viel davon und nicht zu oft hintereinander, sonst verwirrt das den Körper und es können Suchterscheinungen auftreten und andere Nebenwirkungen. Zu viel davon kann den Geist verwirren, die Wahrnehmung dämpfen..."

Schuldbewusst betrachtete ich das kleine Fläschchen mit dem Schlaftrank in meiner Hand und ich fühlte mich mit einem Mal sehr unwohl. Ich räusperte mich leise. „Danke", murmelte ich, jedoch ohne ihn anzusehen.

Unschlüssig ließ ich die Beine von seinem Schreibtisch baumeln, strich mir verlegen eine lose, silberblonde Haarsträhne hinters Ohr und betrachtete nachdenklich Severus' Rücken. Er wühlte schon eine ganze Weile mit gerunzelter Stirn in seinen Zutaten und zog hie und da ein Fläschchen oder ein Glas mit zerhackten Kräutern oder einem eingelegten Etwas hervor, studierte mit flüchtigem Blick das Etikett und schob besagtes Gefäß wieder zurück an seinen Platz, nur um eine Sekunde später nach einem neuen Behälter zu greifen, während ich auf seiner Schreibtischplatte saß, hin und wieder seinen Rücken anstarrte und abwesend an meinem schwarzen Faltenrock herumzupfte. Irgendwann hob ich den Kopf.

„Severus?"

„Hmm?", machte er ohne den Blick von seinem Zaubertrankregal abzuwenden.

Die Frage, die mir schon seit Wochen im Kopf herumschwirrte war mit einem Mal unmöglich auszusprechen. Mein Mund war sehr trocken und ich musste mehrmals schlucken. Aber ich musste es einfach wissen. Mit deutlich zunehmendem Pulsschlag starrte ich seinen pechschwarzen Hinterkopf an. „Severus?" Ich musste erneut schlucken. „Wa- Warum hast du das damals zu mir gesagt?"

Sein Kopf zuckte in meine Richtung und seine dunklen Augen blitzen kurz zu mir herüber. „Was gesagt?", fragte er argwöhnisch.

„Bei der Beerdigung... Du weißt schon..." Aufmerksam betrachtete ich sein Gesicht, um auch ja keine Reaktion zu verpassen. Seine Pupillen weiteten sich kaum merklich und er stellte das Glas mit den Löwenfischgräten langsam zurück an seinen Platz im Zutatenregal, ehe er den Abstand zwischen uns mit raschen Schritten verkleinerte.

Mit unergründlichem Gesichtsausdruck stütze er sich auf dem klobigen, schwarzen Schreibtischstuhl ab. Dann seufzte er und fuhr sich erneut mit der Hand durch das rabenschwarze Haar.

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!