Sackgasse Hoffnung

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Die ganze Schule schien sich in der Großen Halle zum Mittagessen versammelt zu haben, denn als ich meinen Weg in die Kerker fortsetzte, waren die Gänge wie ausgestorben - sehr zu meiner Erleichterung. Benommen starrte ich die dunkle, massive Holztüre des Zaubertrankklassenzimmers an. Eine Hand hatte ich schon auf der Messingklinke platziert, doch ich zögerte, die Tür zu öffnen. Ich schloss für einen Moment die Augen und zwang mich tief durchzuatmen.

Zuerst dachte ich daran, mich einfach wieder umzudrehen, den Weg zurück in die Große Halle einzuschlagen und mich zu den anderen zum Mittagessen zu gesellen. Doch allein bei dem Gedanken an Essen stülpte sich mein Magen um und bei der Erinnerung an die kommende Nacht zogen sich meine Eingeweide schmerzhaft zusammen. Ich durfte jetzt nicht kneifen. Es musste sein. Ich brauchte diesen Trank. Und wann bot sich mir eine bessere Gelegenheit als jetzt, wenn Snape beim Mittagessen saß?

Severus hasste mich wahrscheinlich sowieso schon genug. Bei dem Gedanken daran, was er nach der Beerdigung meines Großvaters im Haselgebüsch zu mir gesagt hatte, spürte ich sofort, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. Jedoch ohne zu zögern stieß ich mit einem energischen Fußtritt die Klassenzimmertür auf, die leise klickend zurück ins Schloss fiel. Verstohlen sah ich mich in dem leeren Raum um. Ich kam mir so furchtbar verboten an diesem Platz vor, dass ich schnell zur Stirnseite des Zimmers herüberhechtete und ein wenig außer Atmen vor der schwarzen Tür zum Stillstand kam, von der ich wusste, dass sie zu der privaten Vorratskammer meines Zaubertrankprofessors führte.

Die Tür war verschlossen. Doch mit einem kurzen Tippen meines Zauberstabes auf die Türklinke öffnete sie sich mit einem leisen, quietschenden Geräusch und ich schlüpfte schnell hindurch. Mit fahrigen Fingern tastete ich mich an den Regalen entlang. Zum Glück hatte Snape alles nur zu penibel und deutlich mit seiner Bonsaischrift beschriftet, anscheinend nur leider in einer Art und Weise, in der nur er Ordnung zu finden schien. Zusammenhangslos, chaotisch und absolut analphabetisch angeordnet drängten sich Flaschen, Tiegel und Behälter mit allen möglichen Zutaten und Tränken aneinander. Einige der Gefäße waren bereits mit einer dicken Staubschicht bedeckt, während andere so aussahen, als wären sie im täglichen Gebrauch.

Mit gerunzelter Stirn befreite ich mit einem Schlenker meines Zauberstabes etwas Staub von dem Etikett eines rubinfarbenen Trankes. Gripsschärfungstrank. Keine Spur vom Schlaftrank. Verdammt. Wie, bei Merlins Bart, fand sich Snape in diesem Vorratsschrank nur zurecht? Wahllos griff ich nach einem Tiegel und stieß einen kurzen, spitzen Schrei aus.

„Uääähhh", entfuhr es mir, denn ich hatte mit der Hand direkt in etwas Warmes und Matschiges gepackt. Mit einem dumpfen Geräusch landete der Tiegel auf dem Kerkerboden. An meiner linken Hand klebte etwas, das aussah, wie eine zähe und dicke, blassrote Salbe. Die Stelle begann bereits unangenehm zu prickeln und zu ziepen und schnell wischte ich meine Hand an der Innenseite meines Umhangs ab und beförderte die Cremedose mit einem Fußtritt in eine mit Spinnenweben durchzogene Ecke.

Wütend schüttelte ich den Kopf über meine eigene Dummheit und hob endlich den Zauberstab. Wieso ich da nicht schon früher drauf gekommen war!? „Accio Schlaftrank", murmelte ich und sofort landete eine kleine Auswahl von Fläschchen in meinen Armen. Na, bitte, ging doch. Zufrieden ließ ich den Zauberstab wieder unter meinem Umhang verschwinden.

Mit zusammengezogenen Augenbrauen studierte ich die Etiketten der Zaubertränke und wählte schließlich ein bauchiges Fläschchen mit dunkelblauer Flüssigkeit aus. Das war der Trank für einen traumlosen Schlaf, den ich von Zuhause kannte. Mit klopfendem Herzen stopfte ich den Trank in meine Tasche und floh pfeilschnell aus Snapes Labor und in die sichere Nähe der Eingangshalle. Meine Brust hob und senkte sich in raschen Abständen und ich ließ mich zum Verschnaufen kurz auf den marmornen Treppenstufen nieder, die in die oberen Stockwerke führten. Es war mir tatsächlich geglückt. Mit einem euphorischen Gefühl im Magen machte ich mich zehn Minuten später erneut auf den Weg zum Klassenzimmer für Zaubertränke, gefolgt von dem Elefantengetrampel hunderter Schüler, die zum Unterricht eilten.

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!