Solange du willst

833 53 2

Der Flur der Wohnung war dunkel. Der Raum hinter einer der vielen Türen wurde von Mondlicht geflutet. Es drang durch die Ritze und brachte Felix Haut zum leuchten. Still stand er da, schon seit einer ganzen Weile. Er war ein stummer Wächter, der Nacht. Er hielt die Dunkelheit fern, die drohte in den Raum einzudringen. Nacht für Nacht stand er dort. Keiner von ihnen wusste davon. Es war besser so.
Ein durchdringendes Wimmern erfüllte den Raum. Felix richtete sich auf und lauschte. Da war es wieder. Leise zunächst. Er konnte die Verzweiflung spüren. Der Drang einfach die Tür aufzustoßen ergriff von ihm Besitz. Nein, das konnte er nicht einfach tun. Jako würde das nicht wollen, er würde von selbst kommen. Stille, dann leises Schluchzen. Felix Herz fühlte sich an als würde es von tausenden Scherben durchbohrt werden. Trotzdem harrte er aus. Er hörte Holz knarren, Schritte. Jako war aufgestanden. Etwas wurde von der Wand genommen. Felix warf einen Blick durchs Schlüsselloch. Jakob saß mit seiner Lieblingsgitarre auf dem Boden, die langen Haare fielen ihm ins Gesicht, so dass er es nicht sehen konnte. Die ersten Töne erfüllten den Raum. Die Melodie war melancholisch, einige Passagen kamen ihm sehr bekannt vor. Sie waren aus den Liedern, die er Jako zum Einschlafen vor sang.
Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht als ihm auffiel, wie wichtig Jako das wohl war. Felix begann mit zusummen, leise nur, kaum hörbar. Die Klänge verloren sich, bis sie ganz verstummten. Sein Blick glitt durch den dunklen Flur, dann zurück zu Jako. Jako hatte das Fenster geöffnet. Eine kühle Brise strich um seine Beine und ließ ihn erschauern. Es war kalt. Die Gitarre lag nun auf dem Boden, achtlos fallengelassen. Jako saß auf dem Bett, den Kopf in beide Hände gestützt. Felix wollte zu ihm. Kein Laut drang mehr bis zu ihm und dennoch wusste er, dass er weinte. Er musste nicht mehr fragen weshalb, er wusste es schon. Schon lange. Felix drückte sanft die Klinke hinab, schob die Tür auf und betrat das Zimmer. "Ich bin doch da." Seine Worte ließen Jako aufblicken. Er sah ihn unverwandt an, Tränenspuren zeichneten sein sonst so wunderschönes Gesicht. Felix setzte sich neben ihn und zog ihn wortlos in seine Arme. "Ich bin hier Jako", wiederholte er. "Für immer?" "Solange du willst."

Fewjar One ShotsLies diese Geschichte KOSTENLOS!