41. gemähter Grashalm

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Ich wachte auf, weil mich irgendetwas an der Nase kitzelte. Noch bevor ich die Augen aufmachen konnte, um auszumachen, was es war entfuhr mir ein lauter Nieser. Es schüttelte mich mehrere Sekunden lang und ich hatte das Gefühl, sämtliche Kontrolle für einen Moment verloren zu haben. Als ich jedoch endlich wieder meine Augen einfach öffnen konnte, konnte ich endlich die Ursache für das Kitzeln entdecken. Es waren braune, leicht lockige Haare, die nur Alia gehören konnten.

Ich gab mir ein paar Sekunden, um richtig wach zu werden und die Situation ganz zu überblicken. Alia und ich lagen im Gras, sie hatte sich an mich gekuschelt und ihre Haare waren überall verbreitet. Trotz des Lärms, den ich gerade eben gemacht hatte, schlief sie weiter. Ihr Gesicht sah so friedlich und entspannt aus, wie ich es bei ihr noch nie gesehen hatte und ich wollte diesen Augenblick auf keinen Fall zerstören. Vorsichtig rutschte ich wieder nach unten und legte mich hin.

Die Zeit bis Alia ebenfalls aufwachte, verging erstaunlich schnell. Ich lag die ganze Zeit über nur da und lauschte ihrem friedlichen Atem. Doch anstatt dass mir langweilig wurde, war ich einfach nur froh, dass sie auch mal runter kam. Außerdem beschäftigte es mich, dass ich soeben a) das erste Mal eine Nacht mit Alia verbracht hatte und dass wir b) draußen im Gras geschlafen hatten. Und zwar im Oktober, wo es manchmal noch halb Winter war.

Wenig später begann Alia aufzuwachen. Sie drehte sich verschlafen ein paar Mal hin und her und murmelte unverständliche Dinge. Ihr Körper war außerdem sofort wieder viel angespannter. Obwohl sie noch nicht einmal richtig wach war, hatte die Entspannung, die selbst sie während dem Schlafen erlebte, sich größtenteils schon wieder verzogen.

"Morgen Ali", flüsterte ich ihr ins Ohr und strich ein paar ihrer Locken aus ihrem Gesicht.

Meine Worte sowie meine Gegenwart schienen sie zu erschrecken. Sie zuckte zusammen, kaum hatte ich gesprochen und dass ich sie berührte machte es auch nicht besser. Ich konnte ihr direkt in die Augen sehen und sah die Erschrockenheit darin. Nach ein paar Sekunden schien sie die Situation jedoch etwas klarer zu sehen - vielleicht erinnerte sie sich auch einfach - und lächelte mich an.

"Morgen Ben." Sie grinste mich müde an und schien überraschter darüber, neben mir aufgewacht zu sein, als in einem Haufen Gras zu liegen, dessen Halme sie sofort wieder umklammerte.

In mir keimte der Verdacht auf, dass sie vielleicht nicht das erste Mal draußen im Gras übernachtet hatte. Sie schien so überhaupt nicht erstaunt von dieser Tatsache, während ich davon ziemlich aus der Bahn geworfen wurde.

"Sag mal, machst du das öfter?", stammelte ich schließlich. "Also im Gras liegen."

Sie wurde rot und sah verlegen zur Seite. Allein das war schon Antwort genug, doch nach ein paar Sekunden räusperte sie sich und sprach doch.

"Ziemlich oft um ehrlich zu sein. Wenn ich herkomme weils mir in der Wohnung zu viel wird, schlaf ich oft ein. Hier kann ich wenigstens gut schlafen." Sie schluckte und sah mich vorsichtig an. "Oh gott ich fass es nicht, dass ich dir das gesagt hab. Ich hoff du hältst mich jetzt nicht für völlig verrückt."

"Nicht mehr, als sowieso schon", versicherte ich ihr augenzwinkernd und legte mich wieder neben sie, quetschte meinen Arm unter ihrem Kopf hindurch und zog sie an mich. So lagen wir da, stumm nebeneinander und beobachteten, wie die Sonne immer höher am Himmel wanderte. Es war noch ziemlich früh und die Sonnenstrahlen verdrängten gerade erst die letzten Reste der Dunkelheit.

"Wir sollten gehen", flüsterte ich ihr irgendwann ins Ohr, nachdem die Sonne den Aufstieg vollständig bewältigt hatte und es allmählich immer wärmer wurde.

"Gleich. Nur noch ein paar Minuten." Alia sah mich bettelnd von der Seite an und natürlich konnte ich ihr diesen Wunsch nicht ab schlagen, auch wenn es bedeutete, dass wir vermutlich zu spät zu einer der wenigen Stunden Schule kommen würden, die wir im Moment hatten.

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!