K a p i t e l 0 2

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Kapitel 02


Ich lenkte den Geländewagen rechts ein und fuhr die enge Zufahrt zu den Weishaupts hinunter. Zu meiner Rechten machten sich weitläufige Koppeln auf, während sich auf meiner Linken Seite die Stallungen und die große Reithalle auftürmten.

Ich fuhr mit dem schwarzen Wagen bis zu gepflasterten Hofeinfahrt und hielt vor der Garage. Seufzend zog ich den Schlüssel ab und wuchtete mich aus dem Wagen. Ich schlug die Tür hinter mir zu und streckte mich. Anschließend ging ich auf die Haustür zu.

Einige Vögel zwitscherten munter ihre Lieder während ich darauf wartete, dass mir jemand die Tür öffnete. Ich hörte Fußgetrampel und wenig später wurde die Tür aufgesperrt. Eine Blondhaarige Frau blickte mir überrascht entgegen.

„Hat dich Maximilian doch gefunden. Freut mich, dass du vorbeigekommen bist", begrüßte mich die Mutter von Max freundlich und mit einer einladenden Bewegung ließ sie mich in den Hausflur eintreten.

Ich streifte mir die dreckigen Stallschuhe ab und folgte Max Mutter in den Wohnbereich. „Max, die Doro ist da", sagte sie und ich ging hinter ihr in das Wohnzimmer.

Allerdings blieb ich sofort stehen, als ich erkannte wer da alles am Wohnzimmertisch saß und mir freundlich entgegen blickte. Maximilian war aufgestanden und grinste mich gewinnend an. „Oh ich hasse dich", brachte ich nach wenigen Schrecksekunden heraus und drückte voller Freude Max gegen mich. Denn auf der Couch saß niemand geringerer als Philipp Weishaupt zusammen mit seinem Chef Ludger Beerbaum, dem Springreiter schlecht hin.

Ludger war ebenso wie Philipp aufgestanden und reichte mir seine sehnige Hand. „Freut mich dich kennen zu lernen. Man hört nur gutes über dich", sagte Ludger und grinste mich dabei höflich an. Ich bedankte mich bei ihm und konnte nur schwer meine Freude verstecken. Anschließend wurde ich von Philipp in eine Umarmung gedrückt. Mit einem bescheidenen Grinsen ließ ich mich neben Max auf der Couch nieder.

„Magst du etwas zum Trinken oder zum Essen Doro?", fragte mich Josef Weishaupt, der Vater von Max und Philipp. „Wenn du schon so fragst, eine Tasse Kaffee wäre glaube ich nicht schlecht", antwortete ich und Josef rappelte sich auf um mir eine Tasse zu holen.

„So Doro, wie läuft's mit Cooper?", fragte Philipp mich und schob sich sein Stück des Sahnekuchens in den Mund. Ich zuckte mit den Schultern: „Vor ein paar Monaten war er kurz Lahm, er hat sich aber nur ein wenig vertreten gehabt. Der Idiot hat sich angewöhnt beim Aufsteigen loszulaufen, aber wir trainieren es ihm gerade wieder ab", antwortete ich und nahm dankend die dampfende Tasse von Josef entgegen.

„Und das Springen?", fragte er mich mit vollem Mund und wischte sich, nachdem er den strafenden Blick seiner Mutter aufgefangen hatte, mit einer Serviette über die Lippen. Augenblicklich versteifte ich mich etwas und nahm einen kleinen Schluck aus der Kaffeetasse um nicht sofort antworten zu müssen.

„Hat Max das noch nicht erzählt?", sagte ich stattdessen und hielt die warme Tasse weiterhin in meinen Händen. „Ich glaube Philipp will es aus deinem Mund hören", murmelte Max kleinlaut und blickte auf den weißen Teppichboden. Ich presste meine Lippen aufeinander und blickte die Leute im Raum an.

Ludger hatte sich bis jetzt mit seinen Worten eher zurück gehalten, jedoch musterte er mich nun gespannt. Ich holte tief Luft und räusperte mich leicht. „Nein, das einzige was man in Richtung Springen verstehen könnte ist Cavalettie- und Stangenarbeit. Ich Springe nicht mehr", nur schwer brachte ich diese Worte über meine Lippen. Vor dem Springreiter schlechthin zuzugeben, dass ich nicht mehr Sprang, war eine Demütigung der Extraklasse.

„Und im Gelände? Baumstämme oder kleine Bäche?", hackte Philipp weiter nach und stellte sein leeres Kuchenteller auf den Tisch. „Was soll das werden? Wollt ihr mich vorführen oder was? Wenn ihr das nämlich haben wollt, kann ich gerne wieder heimfahren. Dasselbe Gespräch habe ich mit meinem Reitlehrer jeden verdammten Tag", meinte ich etwas perplex und lehnte mich angespannt zurück.

„Nein Doro, so meinten wir das nicht. Der Unfall war überhaupt nicht deine Schuld. Der Boden war rutschig und das Hindernis war auf keinen Fall Ordnungsgemäß. Du hast es mit Cooper bis fast nach ganz oben geschafft und du könntest es immer noch, wenn du nur über deinen Schatten springen würdest", erwiderte Max und bekam ein zustimmendes Nicken von Philipp und seinen Eltern.

Ludger räusperte sich und fragend sah ich ihn an. „Ich konnte mir einige Ritte von dir ansehen und dein Ritt bei den Munich Indoors letztes Jahr hat mich am allermeisten begeistert. Dein Pferd könnte Häuser springen und würde noch gut zwanzig Zentimeter Platz haben. Mit dem richtigen Training könntest du es weit bringen. Mindestens so weit wie Philipp hier", sagte er mit seiner rauen Stimme und deutete auf den Reiter neben sich.

Ein kleines Lächeln bildete sich auf meinem Gesicht. Ein so großes Kompliment von einem so erfolgreichen Reiter zu bekommen war alles andere als Alltäglich. „Ich bin gerade auf der Suche nach einer Praktikantin, beziehungsweise Auszubildenden, in meinem Stall. Und bei den ganzen Bewerbungen, die ich bis jetzt gesehen habe war niemand dabei der mich hat begeistern können. Deswegen würde ich dir nun anbieten in meinem Stall zu trainieren. Wir würden ganz klein Anfangen und uns langsam steigern. Und wenn es nicht geht, mein Gott, dann geht es nun halt nicht. Es wäre deine Entscheidung, aber du wärst Blöd wenn du es nicht annehmen würdest", erzählte er weiter.

Ohne auch nur meine Miene zu verziehen blickte ich Ludger an. Meine Augen suchten irgendein Anzeichen dafür, dass er mich gerade eiskalt anlog, doch da war nichts das ich erkennen konnte.

„Wow, also ich weiß nicht was ich antworten soll", sagte ich und fuhr mir mit meiner kalten Hand über die Stirn. Jeder im Raum musterte mich gespannt. „Das ist ein sehr großzügiges Angebot, das ich sehr zu schätzen weiß. Und ja, ich wäre Blöd wenn ich hier nein sagen würde", ich zögerte, ,,Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich den Mut dazu habe wieder Turniere zu reiten"

Ludger nickte wissend. ,,Ich kann dich verstehen. Aber wie gesagt, ich würde dich persönlich trainieren beziehungsweise Philipp, Christian oder Henrik. Wenn du allerdings wieder zurück auf Turniere möchtest, sollten wir uns ein Ziel setzen"

Sofort regte Max sich neben mir: ,,Die Bayerischen. Die Bayerischen nächstes Jahr" Ludger wandte sich fragend zu mir. Ich nickte langsam.

,,Dann bringen sie mich mal wieder zurück in den Springsattel"

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