Im goldenen Käfig

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Der nächste Morgen kam viel zu früh. Ich hatte nur mit Hilfe eines großzügigen Schluckes des purpurfarbenen Tranks für einen traumlosen Schlaf aus meinem Nachttischschränkchen einschlafen können, doch jetzt sickerten all die schrecklichen Ereignisse der gestrigen Nacht wieder durch das watteartige Gefühl des Schlafes zu mir hindurch und bohrten sich in mein Gedächtnis. Und obwohl mein Innerstes nach Antworten und Rechtfertigung schrie, zwang ich mich, an etwas anderes zu denken.

Unter der Dusche erwachten meines Lebensgeister allmählich wieder zum Leben und das heiße Wasser, das auf mich einprasselte, meine Haut benetzte und meine Haare an meinen Körper klebte beruhigte mein gehetztes Wesen zumindest ein bisschen. Als ich aus der Dusche stieg und mir meine Haare getrocknet hatte schlüpfte ich in einen dunkelblauen Rock und einen cremefarbenen Pullover und machte mich mit klopfendem Herzen auf den Weg nach unten in den Speisesaal. Die dunkle Standuhr im Treppenhaus schlug gerade neun Uhr, als ich die Tür zum Esszimmer aufstieß und nur meine Mutter und Draco am Tisch sitzen sah. Draco war in den Tagespropheten vertieft und meine Mutter viertelte gerade eine Grapefruit, doch von meinem Vater fehlte jede Spur.

Erleichtert ließ ich die angestaute Luft aus meinen Lungen entweichen und fischte ein Brötchen aus dem Brotkorb. Meine Mutter suchte meinen Blick. „Tee, Liebes?"

„Ja, gern", murmelte ich und merkte erst jetzt, wie hungrig ich eigentlich war. Hastig nahm ich einen Schluck von dem frischen Ingwertee und war gerade dabei, eine Brötchenhälfte mit Orangenmarmelade zu bestreichen, als ich einen Luftzug verspürte und aus dem Augenwinkel sah, wie die gewaltige, tiefbraune Flügeltür aufgerissen wurde und mein Vater den Saal betrat. Klirrend fiel mein Messer, das ich gerade noch fest in der Hand gehalten hatte, auf den Teller zurück. Draco zog belustigt eine Augenbraue in die Höhe, aber meine Hände zitterten so stark, dass ich sie schnell im Schloss zusammenlegte, um es zu unterdrücken.

„Auf ein Wort, Isabella", sagte mein Vater knapp und hielt mir abwartend die Tür auf.

Mit wackeligen Beinen erhob ich mich langsam auf meinen Stuhl und lief mit gesenktem Kopf an meinem Vater vorbei und hinaus auf den stillen, dunklen Flur. „Folge mir", wies er mich knapp an und ich wusste schon jetzt, wohin sein Weg führen würde. Und tatsächlich hielten wir keine zwei Minuten vor seinem Studierzimmer inne und wieder hielt er mir nur allzu bereitschaftlich die Türe auf. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen, atmete tief durch und betrat das riesige Zimmer mit den unzähligen Bücherregalen, von denen einige fast bis zur Decke reichten.

„Nimm Platz." Die knappen Anweisungen meines Vaters und die Kälte in seiner Stimme ließen mich zusammenzucken. „Darf ich dir etwas zu trinken anbieten?", fragte er forsch. Tss, wie ungemein freundlich von ihm. Ich räusperte mich. „Nein, danke", erwiderte ich mich ungewöhnlich fester Stimme und schlug die Beine übereinander.

„Was gibt es, Vater?", fragte ich in der höchst unwahrscheinlichen Hoffnung, dass er mich doch aus einem anderen Grund zu sich gerufen hatte.

Mein Vater lehnte sich wohlwollend in seinem Stuhl zurück und schenkte sich einen großzügigen Schluss Odgen's Old Firewhiskey in ein Glas ein. „Du wirst in nahezu drei Monaten volljährig", begann er einleitend und ich meinte an seinem Ton herauszuhören, dass er sich diese Worte mehrmals zurecht gelegt hatte und im Kopf durchgegangen war, denn das Ganze wirkte doch recht aufgesetzt, „und somit ist auch die Zeit gekommen, an der du tiefgreifend an deine Zukunft denken solltest. Es wird dich freuen, zu hören, dass ich für dich eine sehr vorteilhafte Partie in die Wege geleitet habe, denn vor einigen Wochen hat Mr Yaxley – deren Familie im Übrigen nahe Verwandte der Blacks sind und deiner in vollem Maße würdig- eulenwendend für seinen Sohn bei mir um deine Hand angehalten. Wie ich ist er der Auffassung, dass es die Pflicht der altehrwürdigen Reinblutfamilien ist, vorteilhafte Bündnisse einzugehen, geeignete Nachkommen zu zeugen und die Reinheit des Blutes somit zu bewahren. Hierbei ist es die Aufgabe der Frauen ihrerseits ihre Pflicht zu erfüllen. Mr Yaxley hat eine enge Auswahl getroffen und sich schließlich gegen die anderen Mädchen und somit für dich entschieden, was das Ansehen unserer Familie schmücken wird und dir eine sichere Zukunft bereithält. Ich zweifle keineswegs an, dass dein Charme und dein Reiz zu seiner Entscheidung beigetragen haben." Er musterte kurz mein Gesicht. „Er teilte mir mit, dass auch ihm deine aufreizenden Blicke seinem Sohn gegenüber nicht entgangen sind." Hier wurde sein Blick tadelnd. Ich schnappte nach Luft. Aufreizende Blicke? „Zudem sagte er, dass sein Sohn schon länger ein Auge auf dich geworfen hatte und somit nichts gegen diese Heirat einzuwenden hatte."

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!