Wiltshires Wiesen

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Danke für eure Kommentare *-*


Das grelle Licht der Krankenhauslampen im St. Mungos blendete mich und ich vergrub meine Hände noch tiefer in den Taschen meines dunkelblauen Mantels. Die Einrichtung des privaten Krankenzimmers war schlicht und zeitlos, aber wies um einiges mehr Komfort auf, als die üblichen Krankenräume. Auf dem hohen, weißen Bett in der Mitte des Zimmers lag die leblose Gestalt meines Großvaters. Mit zitternden Lippen wandte ich den Blick ab, denn ich ertrug den Anblick meiner in Tränen aufgelösten Großmutter und meines streng kontrolliert dreinschauenden Vaters nicht. Seine Lippen waren ein einziger, schmaler Strich, er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und starrte unbewegt auf seinen toten Vater hinab.

Drachenpocken waren die Prognose gewesen. Wir waren alle davon ausgegangen, dass er sich an dem starken Tee verschluck hatte, aber der Ober-Heiler hatte uns Bilder seiner Speiseröhre gezeigt, die durch die schrecklichen Pocken nahezu fast komplett zugeschwollen war. Sein ganzer Körper hatte unter der Krankheit gelitten und während der Jahre starken Schaden genommen. Ich hatte nie gewusst, dass Drachenpocken auch die inneren Organe eines Menschen angriffen und war immer nur davon aufgegangen, dass sie sich auf die äußerlichen Aspekte beschränkten. Schließlich wandte sich auch mein Vater irgendwann ab. Draco und ich saßen stumm in einer Ecke des Krankensaals und warteten. Mein Bruder war sehr blass, aber seine Wangen waren stark gerötet.

Nach einigen Minuten stand Draco auf und ging zum Krankenbett herüber. Er war mittlerweile fast so groß wie unser Vater, von eleganter und schlanker Statur. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und tauschte einen kurzen Blick mit seiner Mutter. Diese nickte ihm kaum merklich zu. „ Mein aufrichtiges Beileid, Vater", sagte Draco mit ernster Stimme, aber Lucius Malfoy schenkte seinem jüngsten Spross nur einen vernichtenden Blick.

„Geh mir aus den Augen", zischte er und drängte sich an seinem Sohn nach draußen auf den Krankenhausflur. „Lass ihn nur, Draco. Es geht nicht gegen dich", sagte meine Mutter sanft und in ihren Augen glitzerten Tränen.

***

Ich stand vor dem riesigen, schwarzgerahmten Spiegel in meinem Zimmer und musterte mich unschlüssig. Das Schwarz meiner Kleider machte mich noch blasser, als ich ohnehin schon war und stach kontrastierend unter meinem hellblonden Haar hervor. Nervös nestelte ich an dem Kleid herum, zupfte die Strumpfhose zurecht und schlüpfte schließlich in meine schwarzen Stiefel. In dem Kleid und dem langen, dunklen Mantel kam ich mir eher wie eine dieser schlanken, stinkreichen Damen mittleren Alters vor, die sich öfters auf den Banketten meines Vaters sehen ließen. Abwesend drehte ich eine Haarsträhne um meinen Finger, als ich hörte wie meine Mutter meinen Namen rief. Ich fühlte weder Trauer noch Schmerz, anlässlich der Umstände und der Tatsache, dass heute die Beerdigung meines Großvaters war, sondern nur Leere. Mit einem letzten Blick in den Spiegel trat ich auf den Flur hinaus und verschloss meine Zimmertür fest hinter mir.

Langsam schritt ich die Stufen zur Eingangshalle hinab in der meine Eltern bereits warteten. Mein Vater hatte eine undurchdringliche Maske aufgesetzt und wirkte streng und ehrfürchtig in seinem langen, dunklen Umhang, den schwarzen Schnallenstiefeln und dem teuren Gehstock in der Hand. Meine Mutter wurde von all dem Schwarz beinahe erdrückt und ich musste mir eingestehen, dass ihr der elegante, schwarze Hut nur mäßig stand. Fahrig nestelte sie am Verschluss ihrer Handtasche herum und blickte erleichtert auf, als sie mich die Treppe herunterkommen sah. Heute war der letzte Tag des Jahres, doch hier in diesem stillen, großen Haus hörte man nichts von den Jubelrufen und den Feuerwerken der Muggel, die ihre billigen Raketen oft unerlaubterweise schon bereits gegen Mittag in den grauen Dezemberhimmel schossen, um ihrer Vorfreude auf den Abend, der das neue Jahr einleitete, Luft zu machen. Die Stimmung war drückend und schweigsam. Meine Großmutter war nach dem einschneidenden Vorfall alleine zurück nach Hause gekehrt -obwohl meine Mutter darauf bestanden hatte, dass sie bei uns blieb-, und somit fehlte nur noch-

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!