Ein erschütterndes Ereignis

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Ich hielt einen Moment inne und dass Blut gefror mir in den Adern, als ich aus dem Augenwinkel sah, wie sich die schlanke, hochgewachsene Gestalt meines Vaters aus dem Sessel am Fenster neben dem Bücheregal erhob. Er hatte die ganze Zeit dort gesessen und mit angesehen, wie ich seine privaten Unterlagen durchwühlte und ich hatte ihn in meiner Hast gar nicht bemerkt. Seelenruhig und beinahe triumphierend erhob sich Lucius Malfoy nun aus dem bequemen Sitzmobiliar und fasste seine Tochter ins Auge. Mit gelassener Miene streckte er stumm die Hand aus. Starr vor Schreck überreichte ich ihm den ungelesenen und halb entfalteten Brief. Er strahlte pure Autorität aus. Mit dem Wehen seines kostbaren, samtenen Umhangs umrundete er den Schreibtisch, verstaute das Pergament wieder an seinem ursprünglichen Platz und verschloss die Schublade mit einem schabenden Geräusch. Dann ließ der den Schlüssel in seine Tasche gleiten und richtete sein Augenmerk wieder auf mich.

Nach einer langen Pause hob er endlich an zu sprechen. „Womit habe ich es verdient", fragte er, „dass du mich derartig hintergehst?" Trotz seiner gesenkten Stimme verstand ich jedes Wort nur zu gut.

Ich brachte kein Wort heraus. „Ich hoffe sehr für dich, dass du einen wirklich triftigen Grund hast, warum du mein Vertrauen auf solche Weise missbrauchst", zischte er, „denn andernfalls willst du nicht wissen, wie ich mit Leuten, die Vertrauensbruch begehen, umgehe."

Wieder sagte ich nichts.

„Isabella", sagte er warnend.

Stumm starrte ich auf meine Fußspitzen hinab. „Es-"

„Was?", fauchte mein Vater.

„Ich wollte nicht-", setzte ich an, aber verstummte jähe wieder.

„Beug dich vor."

„Was?"

„Du hast schon richtig gehört. Beug dich vor. Hände auf die Tischplatte", verlangte er.

Ich schluckte leer. Langsam platzierte ich meine Hände auf dem Schreibtisch und beugte mich vorsichtig nach unten, den Kopf zwischen den Armen. Inzwischen war mir kalt vor Angst. Meine Lippen zitterten.

„Vater, bitte", flehte ich.

Er ignorierte meine Worte einfach. „Sei still", befahl er. Mein Vater zog den Zauberstab. Panik flammte in meinen Augen auf.

„Um das ein für alle Mal klarzustellen... Du wirst nie wieder meine Autorität untergraben", zischte er. Etwas in seinem Blick verhärtete sich, er schien einen Moment zu zögern... Doch dann richtete er den Zauberstab auf mich und seine Stimme war erfüllt von eiskaltem Hass. „Crucio."

Mein markerschütternder Schrei gellte durch das gewaltige Manor und hallte von den dicken Wänden des Studierzimmers wider. Noch nie in meinem Leben glaubte ich solche Schmerzen empfunden zu haben. Meine Nervenenden brannten wie Feuer. Ich wusste nicht mehr, ob ich stand oder auf dem Boden lag. Ich glaubte zu ersticken. Die ununterbrochenen Schreie hinderten mich daran, richtig Luft zu hohlen. Weiß glühende Messer schienen jeden Millimeter meiner Haut zu durchbohren. Ich konnte nicht mehr denken. Realität verfloss in Bedeutungslosigkeit. Dieser unendliche Schmerz...

***

„Wo wart ihr denn so lange?", fragte meine Mutter amüsiert und schenkte meiner Großmutter Tee nach. „Wir haben schon auf euch gewartet."

Ein falsches, kaltes Lächeln breitete sich auf den Zügen meines Vaters aus. „Wir hatten nur eine Kleinigkeit zu regeln", sagte er aalglatt und seine Finger gruben sich warnend in meine Schulter.

„Kommt und setzt euch endlich", sagte meine Großmutter lächelnd und zog einen Stuhl für mich zurück. „Komm, mein Kind, setz dich neben deine alte Großmutter." Sie nahm einen Schluck Tee, während ich mich vorsichtig auf dem Stuhl neben ihr niederließ und mich zwang, ein schmerzhaftes Aufkeuchen zu unterdrücken. Niemand bemerkte es. Niemand dachte auch nur daran, einmal einen tieferen Blick an mich zu verschwenden. Sonst hätten sie sicherlich die Furcht in meinem Blick bemerken müssen. Sie hätten sehen müssen, dass ich bleich im Gesicht war, dass mir jeder Schritt Schmerzen bereitete... Aber keiner sah es. Sie waren alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Während ich umständlich auf dem unbequemen, hölzernen Stuhl platznahm verfolgte mich der eiserne Blick meines Vaters. Ich schluckte den Schmerz und die Pein herunter und nahm vorsichtig einen Schluck von dem frisch aufgegossenen Earl Grey. Das heiße Gebräu durchflutete meinen Körper mit willkommener Wärme. Ich konnte in der Ecke neben dem Flügel den prächtig geschmückten, riesigen Tannenbaum erkennen, dessen Kerzen den Saal in stimmungsvolles, festliches Licht tauchte und die Geschenke, unter den dunkelgrünen, duftenden Zweigen, aber mir war in meinem Leben noch nie weniger nach Weihnachten zu Mute gewesen.

Im Kamin prasselte das schönste Feuer, das ich seit langem gesehen hatte und der Duft von Zimt und Orangen lag in der Luft. Alles in allem hätte man das Manor gar nicht weihnachtlicher herrichten können, doch die Distanz und Kälte war auch hier zum Greifen spürbar – denn das wichtigste, das dieses Fest ausmachte fehlte: Die familiäre Wärme und das pure Gefühl von Geborgenheit. Meine Haut brannte, meine Stirn ziepte und keiner der Anwesenden strahlte auch nur den Hauch von Wohlstimmung aus. Was kümmerten mich schon das Weihnachtsfest oder die Geschenke, wenn ich doch tief in mir drinnen wusste, dass all dies nur eine gläserne Fassade der Perfektion war, die meine Familie schon seit Generationen tadellos um sich aufzurichten wusste.

Mit einem seltsam leeren Gefühl im Magen wandte ich meine Aufmerksamkeit nach einiger Zeit wieder dem Tischgeschehen zu. „Der Spaziergang vorhin war herrlich. Ihr habt wirklich etwas verpasst", sagte meine Großmutter gerade und musterte ihren Sohn tadelnd über den Rand ihrer Teetasse hinweg. „Also wirklich Lucius, dass du selbst an Feiertagen noch deinen Geschäften nachgehen musst... Das Wetter war so wunderbar und die Luft wirklich erfrischend... Von der Schneelandschaft natürlich ganz zu schweigen." Sie warf ihrem Gatten einen Blick zu. „Nicht wahr, Abraxas?"

Dieser brummte lediglich. „Habt ihr nicht auch was stärkeres als Tee", fuhr er kurzerhand einen der Hauselfen an, die gerade Gebäck auftischten. „Na los! Mach schon!" Mit eingezogenem Kopf und einem Schnippen seiner langen Finger verschwand der Hauself. Keine Sekunde später kehrte er zurück und schenkte meinem Großvater aus einer Kristallkaraffe einen großzügigen Schluck Kognak in seinen Tee ein. Mit einer Handbewegung brachte Abraxas den runzligen Elfen dazu, zu verschwinden. Er nahm einen tiefen Schluck aus seiner Tasse, sein Unterkiefer zitterte dabei und ein wenig von dem Tee-Kognak-Gemisch fand seinen Weg auf die weiße Tischdecke. Angewidert wandte ich den Blick ab. Ein röhrendes und trockenes Husten erfüllte plötzlich den Raum.

Abraxas versuchte vergebens seinen Hustenanfall in der Tischdecke zu ersticken. Meine Großmutter starrte ihn entsetzt an. „Bei Salazar, Lucius, tu doch etwas", kreischte sie mit schriller Stimme. Mein Vater sprang auf und eilte zu seinem Vater herüber.

„Lucius, er erstickt", schrie nun meine Mutter.

„Steht nicht so dumm rum", fauchte mein Vater und sein Gesicht war weiß wie Kalk. „Holt Hilfe."

Meine Mutter eilte zum Kamin herüber und suchte mit hastigen Bewegungen auf dem Kaminsims nach dem Flopulver.

„Oh Gott, Abraxas." Meine Großmutter war neben ihrem Gemahl zusammengesunken, dessen Gesicht sich mittlerweile dunkelrot gefärbt hatte. Er röchelte. „Lucius, so tu doch was." Aus ihrem Gesicht war jede Spur der weihnachtlichen Freude gewichen.

Mein Vater zog den Zauberstab – doch zu spät. Mit einem dumpfen Geräusch sackte Abraxas Malfoy leblos in seinem Stuhl zusammen, in der Hand noch immer die halbgeleerte Teetasse und mit einem Ausdruck von höchster Verwunderung im Gesicht.


Tadaa! Hier ist das neue Kapitel! Das könnte für den ein oder anderen ein überraschendes Ende gewesen sein :D
Lucius scheint ja wirklich jegliche Beherrschung verloren zu haben. Für ihn war das, was Isabella gemacht hat ein wirklich tiefer Verrat und Vertrauernsbruch, wobei wir immer noch nicht wissen, was es mit dem Brief auf sich hat (ich schon hehe :D)... Dass er den Cruciatus-Fluch bei seiner eigenen Tochter anwendet hat auf jeden Fall mit Isabellas Verhalten zu tun, allerdings auch mit der Tatsache, dass sich alles immer mehr zuspitzt - Voldemort wird immer stärker und übt Druck auf Lucius aus, sein Auftrag lastet sehr auf ihm und die Fronten geraten immer härter aneinander, weshalb ihm auch hier deutlich leichter die Hand ausgeruscht ist... Man kann also beobachten wie auch Lucius immer angespannter wird und die Reibung immer stärker wird - Die Zeiten werden dunkler... Ich fand, dass das eine kleine Erklärung verlangte und ich hoffe ihr hasst Lucius nun nicht noch mehr haha, wobei ich das auch verstehen könnte :D
Ich hoffe, dass Kapitel hat euch gefallen und ich würde mich über Rückmeldungen freuen :)

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!