Party auf Umwegen

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„Malfoy-Skala?" Nun war ich noch verwirrter. „Und im Übrigen habe ich meinen Bruder nicht fertig gemacht, sondern ihn nur angewiesen, sich nicht so aufzuführen. Und was heißt bitte ‚verhasst'? Ich weiß ja, dass meine Familie nicht gerade hoch im Kurs bei euch Gryffindors steht, aber mein Bruder ist wirklich in Ordnung", unterbrach ich sie hitzig.

„Beruhig dich, Isabella", sagte Katie rasch. „Das hat doch nichts mit deiner Familie zu tun, also schon irgendwie, aber nicht mit dir oder so. Du weißt doch, dass sich Slytherins und Gryffindors seit jeher nicht besonders leiden können und dein Vater ist auch nicht gerade beliebt bei den Weasleys, weshalb sie so eine dämliche Skala erstellt haben. Aber das ist doch nicht der Punkt, Bella, der Punkt ist, dass du zu einer wirklich netten Party eingeladen wurdest und du die Einladung gefälligst annehmen wirst, denn ich habe allen schon gesagt, dass ich ihnen beweisen werde, dass du nicht wie der Rest deiner Familie bist. Denn du bist wirklich in Ordnung. Hat selbst Angelina zugegeben und die ist nicht so leicht zu überzeugen."

„Wer?", fragte ich völlig überrumpelt, wegen Katies nicht enden wollenden Vortages.

„Angelina Johnson, die Mannschaftskapitänin von Gryffindor. Meine Freundin. Dunkle Haare, groß... Du weißt schon. Aber das tut ja jetzt auch nichts zur Sache. Ich wollte dir lediglich mitteilen, dass das keine Beleidigung oder so ist, sondern eine Einladung. Eine ernstgemeinte...", sprudelte es weiter aus Katie hervor.

„Jaah, schon gut, Katie", unterbrach ich sie lachend, als sie wieder zum Sprechen ansetzten wollte. „Hol erstmal Luft... Ich hab schon verstanden. Und ja, ich komme", fügte ich auf ihren erwartungsvollen Blick hin hinzu.

„Astrein." Katie knuffte mich in die Seite. „Du weißt doch, wo McGonagalls Büro ist, oder? Erster Stock neben dem Wandbehang mit dem Löwen drauf. Wir treffen uns um neun." Katie warf einen Blick auf ihre Uhr. „Ich muss los, Alicia und Angelina warten schon auf mich. Ich hab Alicia versprochen, ihr mein rotes Top leihen, aber jetzt will ich es selber anziehen. Die wird sich aufregen..." Mit einem letzten Grinsen schwang sich Katie ihre Schultasche über die Schulter und eilte Richtung Gryffindorturm davon.

Ich lächelte ihr matt zu und schlug dann selber den Weg in die Kerker ein. Während ich die Marmortreppe in die Eingangshalle hinunterstieg grübelte ich über Katies Worte nach. Seltsam, dass wohl auch anderen aufgefallen war, dass ich mich alles andere als malfoy-mäßig verhielt. Dabei hatte ich mich doch zu Beginn des Schuljahres so sehr bemüht, es meiner Familie gleichzutun. Ich hatte den Sprechenden Hut überredet, mich nach Slytherin zu schicken, hatte meine schulischen Leistungen verbessert, mich keinem Lehrer in irgendeiner Weise widersetzt und mich von den anderen Häusern weitestgehend ferngehalten.

Und jetzt fand ich mich auf dem Weg zu einer Gryffindor-Party wieder, hatte mich mit einem Lehrer angelegt, und Freundschaft mit Katie Bell geschlossen. Einem Gryffindor-Halbblut, die mit Harry Potter, dem Erzfeind des dunklen Lords, in einer Quidditchmannschaft spielte und wohlmöglich sogar mit ihm befreundet war. Bei dem Gedanken daran, was mein Vater wohl sagen würde, wenn er davon wüsste, sträubten sich mir die Nackenhaare. Doch irgendwie war es mir auch egal. Selbst wenn er davon erfuhr, was wollte er schon groß machen?

Ich hüpfte die letzte Stufe in die Kerker hinunter, murmelte das Passwort für den Gemeinschaftsraum und stieg die wenigen Stufen zum Mädchenschlafsaal empor. Ich war irgendwie erleichtert, dass ich ihn leer vorfand und ließ mich mit einem leisen Seufzer aufs Bett fallen. Mit einem Mal fiel mir auf, dass ich noch nie auf irgendeiner Party mit Gleichaltrigen gewesen war. Da waren immer nur die Tanzbälle und Bankkette meines Vaters oder anderer reicher Reinblüter-Familien gewesen, zu denen ich mitgeschleift worden war. Was trieb man auf solchen Partys? Wie verhielt man sich dort überhaupt? Und wichtiger noch: Was zog man an?

Mit meinen perfekt einstudierten Walzerschritten, meinen glamourösen Abendkleidern und dem Talent, schwierige und anspruchsvolle Klavierstücke vortragen zu können, kam ich dort wohl nicht weit. Katie war in Jeans unterwegs, nur leider besaß ich sowas überhaupt nicht. Meine Mutter war immer mit mir einkaufen gegangen und ich hatte nie wirklich die Gelegenheit dazu gehabt, selbst zu entscheiden, was ich tragen wollte. Sie hatte mir nahezu jede Entscheidungsfreiheit genommen und ihre „Beratung" war mehr eine direkte Kaufentscheidung gewesen. Also bestand mein Kleiderschrank größtenteils aus Kleidern und Röcken oder aber einer Menge Zaubererumhänge. Denn mein Vater war der Meinung, wenn man eine Hexe oder ein Zauberer war, hatte man sich auch derartig zu kleiden und Muggelkleider an Zauberern waren ihm schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Doch es war nicht so, dass ich keine zeitgenössischen Klamotten besaß, nur die Jeans hatten Abstriche machen müssen...

Ich erhob mich von meinem Himmelbett und trottete ein wenig missmutig zum Kleiderschrank hinüber. Mein Gefühl verriet mir, dass es nicht klug wäre, etwa in einem smaragdgrünen, bodenlangen Umhang auftauchen. Stattdessen durchwühlte ich eine geschlagene Viertelstunde lang den Inhalt meines Schrankes, jedoch ohne großen Erfolg.

Missmutig warf ich einen Blick auf den Schrankkoffer unter meinem Bett. Ich zog ihn hervor und schlug den Deckel auf. Und tatsächlich. Unter einem Haufen schwarzer Kleidung fand ich das einzige Stück Jeans, das jemals den Weg in meine Besitztümer gefunden hatte, allerdings in Form einer Jacke. Immerhin etwas.

Ich zog wahllos ein weißes Kleid aus dem Schrank, von denen ich wegen meiner Mutter sowieso viel zu viele besaß, warf die Jeansjacke über und betrachtete mich in dem Spiegel neben Elizabeths Bett. Unschlüssig zwirbelte ich eine Haarsträhne zwischen meinen Fingern hin und her. Zufrieden war ich nicht.

Ich tauschte das weiße Kleid gegen ein dunkles aus. Besser, wenn auch nicht wirklich zufriedenstellend. Aber bald war ja Weihnachten. Würde ich wohl das achtzehnte oder neunzehnte weiße Kleid geschenkt bekommen? Ich hatte bereits aufgehört, zu zählen. Mit einem letzten Blick auf mein Spiegelbild verließ ich den Schlafsaal und stahl mich durch den Gemeinschaftsraum, in der Hoffnung, unentdeckt zu bleiben.

Ich hatte Glück. Glaubte ich zumindest. Als ich den Gemeinschaftsraum jedoch gerade verlassen wollte, hielt mich auf einmal jemand am Arm zurück und hinderte mich daran, durch die Wand nach draußen auf den Gang zu schlüpfen. Ich drehte mich um und blickte in die zu Schlitzen verengten, türkisfarbenen Augen von Jonathan Yaxley. Ein harter Zug lag um seinen Mund, als er mich von Kopf bis Fuß musterte. Sein Blick blieb an meinen dunkelrotgeschminkten Lippen hängen und der Griff um meinen Arm wurde kaum merklich fester.

„Wohin des Weges, meine Schöne?", fragte er mit so bedrohlich gesenkter Stimme, sodass ich den netten, hilfsbereiten Vertrauensschüler, den ich zu Beginn des Schuljahres kennengelernt hatte, gar nicht mehr in ihm wieder zu erkennen glaubte.

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!