Teil I - Kapitel 2a *

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»Was ich dir schenke ist ein Spiel«, hauchte er verschwörerisch. Er zwinkerte mir zu und setzte sich neben mich. Seine starken Arme zogen mich in eine feste Umarmung.
»Ich bekomme keine Luft mehr!«, japste ich lachend. Ich mochte Umarmungen, auch wenn sie fest waren. Doch heute war etwas anders, das sagte mir mein Verstand. Dennoch ahnte ich nicht, dass sich in den nächsten Minuten meine gesamte Welt verändern würde. In seinen Augen lag ein Ausdruck, den ich nicht deuten konnte. Erst später würde mir bewusst werden, dass es pure Lust war.
»Zieh dich aus«, befahl er mir knurrend, die Atmosphäre im Raum hatte sich verändert. Meine Angst war deutlich greifbar. Einem Impuls folgend tat ich, was er verlangte. Ich zitterte vor Angst. Er stand auf und zog sich ebenfalls aus. Mir wurde bewusst, dass nun etwas schreckliches passieren würde.

Ich hinterließ einen blutigen Fleck auf dem Laken. Er schimpfte leicht verärgert und drohte damit, meinen Eltern zu erzählen, wie schmutzig ich war und, dass ich ihn verführt hätte.
Zuletzt drückte er mir eine Tüte meiner Lieblingsbonbons ein. »Happy Birthday«, wisperte er mir zu, als ich an der Tür war. Mir wurde schlecht. Ich fühlte mich ekelhaft. Er warnte mich davor, dass ich niemandem etwas erzählen durfte. Ich nickte eingeschüchtert und floh aus seiner Wohnung.
Bei uns angekommen, stürmte ich in das Badezimmer. Dort ließ ich die Badewanne voll laufen, zog mich aus und legte mich in das Wasser. Ich begann damit, mich abzuschrubben, bis ich wieder blutete. Der Anblick meines eigenen Blutes gab mir ein merkwürdiges Gefühl der Befriedigung, doch es hielt nur kurz an, bis die Schuldgefühle wieder die Oberhand gewannen. Ich hörte seine Stimme in meinen Ohren. »Du bist eine dreckige, kleine Hure«, hatte er mich beschimpft. Ich fühlte mich wertlos und beschämend. Das Gefühl eine Schande für meine Familie zu sein überkam mich. »Warum bist du auch so unglaublich hübsch?«, hatte er mir vorgeworfen, »du alleine bist schuld an dem, was passiert ist, schließlich warst du diejenige, die mich verführt hat!«

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»Und denk dran, es ist ein Geheimnis«, er zwinkerte mir zu und drückte mir, wie jedes Mal, die Tüte mit meinen Lieblingsbonbons in die Hand. Ich drückte sie an mich, als könnten sie mir Halt geben. Als wären sie mein Rettungsanker, der mich vor dem Untergang bewahrte.
»Mein Mädchen«, er grinste dreckig und zog mich noch einmal an sich. Dabei roch ich seinen unverwechselbaren Geruch. Er war herb und frisch. Unter anderen Umständen hätte ich diesen Geruch gemocht. Doch so bedeutete er für mich Leid und Qualen. Ich hasste diesen Geruch. Es war, als würde er meine Nase nie verlassen.
Teds Umarmung war fest, zu fest. Ich versuchte mich ihm zu entziehen, doch es entlockte Ted nur ein raues Lachen.

»Bis demnächst«, er hatte mich endlich losgelassen und zur Tür begleitet. Ich schwieg, sah ihn nicht an. Eilig rannte ich die Treppen zu unserer Wohnung hinauf.
Meine Eltern würden bald kommen, bis dahin wollte ich versuchen, wieder sauber zu sein.
Ich würde nie wieder richtig sauber sein, aber ich konnte versuchen, nicht mehr ganz so schmutzig zu sein.
Mein Puls raste. Wie in Trance ging ich zu erst in mein Zimmer, legte die Bonbons in die hinterste Ecke meines Kleiderschranks und ging dann ins Bad.
Ich zog mich schnell aus, wagte keinen Blick in den Spiegel und stellte mich dann unter die Dusche.
Erst drehte ich die Temperatur so warm auf, dass ich das Gefühl hatte, dass meine Haut in Flammen stehen würde. Ich brauchte den Schmerz. Er ließ mich lebendig werden.
Nach einer Weile drehte ich das Wasser auf eiskalt. Mein Haut leuchtete rot, was einerseits am Schrubben lag, andererseits an der Hitze.
Wie immer wurde mir von dem krassen Temperaturunterschied leicht schwindlig. Doch dieser Schwindel legte sich schnell.
Immer wieder schrubbte ich über jede Stelle meines Körpers.
Erst als meine Finger steif wurden und bereits blau angelaufen waren, drehte ich das Wasser ab. Ich zitterte vor Kälte. Meine Haut brannte, doch ich fühlte mich noch immer, als würde eine Schmutzschicht meinen gesamten Körper überziehen. Eine einzelne Träne lief meine Wange hinunter, während ich mich abtrocknete und mir langsam meine Kleidung wieder anzog.
Die Kleidung, die ich vorhin ausziehen sollte. Die er achtlos vom Bett gefegt hatte und die daraufhin auf den Boden gefallen war.
Nun sah ich mich im Spiegel an. Sah die leeren Augen, die verquollen wirkten und rot waren. Die blasse, aschfahle Haut.
Schnell wandte ich den Blick wieder ab. Meine Beine fühlten sich taub und verkrampft an. Ich hatte Schwierigkeiten, das Badezimmer zu verlassen und in mein Zimmer zu gelangen.

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