Teil III - Kapitel 8

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Ich werde langsam damit beginnen, die überarbeiteten Teile (jedenfalls die, die ich bereits überarbeitet habe (; zu veröffentlichen, sie werden mit einem * markiert!)

Die Betreuer wollten sehen, dass ich zunahm bevor sie mich in den Leichtathletikverein ließen.
Und tatsächlich nahm ich zu. Ich schluckte das bittere Gefühl dabei herunter und aß weiter. Um meinen Traum leben zu können.

Die Sommerferien waren fast vorbei, als ich endlich die Erlaubnis bekam.
Nervös packte ich meine Sportsachen in eine Tasche und sah an mir herab. Ob mich die anderen verurteilen würden, weil ich so dick war? Ich runzelte meine Stirn. Konnte ich so wirklich rausgehen?
Es klingelte an der Haustür. Vermutlich war es Mike.
Seufzend schulterte ich die Tasche und ging zur Tür. Stefanie, eine Mitbewohnerin, wollte sie gerade öffnen.
»Ich gehe schon«, informierte ich sie lächelnd. Sie nickte und drehte wieder um.
Ich atmete tief durch und öffnete dann die Tür. Mike strahlte mich an und nahm mich in den Arm. Mittlerweile konnte ich seine Nähe besser ertragen.
»Hallo«, begrüßte ich ihn und konnte nicht anders als Lächeln.
»Hey«, er lachte.
Ich schloss die Tür hinter mir und gemeinsam gingen wir zu der Bushaltestelle.
»Bist du aufgeregt?«, fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue. Ich musste über seinen Gesichtsausdruck lachen. Tatsächlich war ich sehr nervös und sprang von einem Bein auf das andere. Ich freute mich darauf, dem Verein beitreten zu dürfen und hatte gleichzeitig tierische Angst.
»Ja«, gestand ich ihm und sah zu Boden. Er legte mir seine Hand beruhigend auf den Rücken.
»Das wird schon. Wir machen uns warm und trainieren etwas. Kein großes Ding«, erklärte er mir zum wiederholten Male. Ich schluckte und nickte nur.

»Hey Mike! Wen hast du uns denn da mitgebracht?«, ein braunhaariger Junge mit einem breiten Grinsen kam auf uns zugelaufen. Seine Haare waren leicht verwuschelt, seine Augen funkelten in einem strahlenden blau. Unter seiner Kleidung sah man, wie sich seine Muskeln abzeichneten. Er war definitiv sehr attraktiv.
»Jo, Manuel. Das ist Ashley. Ashley, das ist Manuel, mein bester Freund«, stellte Mike uns vor und schlug Manuel freundschaftlich auf die Schulter. Ich rang mir ein Lächeln ab, da ich es hasste, neue Leute kennenzulernen.
»Hallo Ashley, willst du bei uns trainieren?«, fragte er und warf Mike einen vielsagenden Blick zu. Hielt er mich etwa zu fett für Sport? Ekelte er sich vor der Vorstellung, wie mein Speck beim Rennen wackelte? Ich schluckte.
»Ja, ich dachte, ich schaue mir das Ganze hier mal an«, ich bemüht mich locker und unbeschwert zu klingen und lächelte erneut ein falsches Lächeln. »Cool, dann komm mal mit«, wies Manuel mich an.
Zu dritt gingen wir auf ein kleines, einstöckiges Haus zu.
»Hier sind die Umkleiden«, begann Manuel zu erklären, »links die Frauen, rechts die Männer. Zieh dich einfach um, dann gehts los.« Manuel zwinkerte mir zu und zog Mike dann zu den Umkleidekabinen. Etwas verloren stand ich vor der Tür für die Frauenumkleide und musste mit mir kämpfen um einzutreten. Was war, wenn dort nur wunderschön schlanke Mädchen waren, die sich fürs Training vorbereiteten? Sie würden alle über mich lästern.
Zu meiner Verwunderung war nur ein anderes Mädchen in dem großen Raum. Überall standen Bänke zum Umziehen. An der linken Wand säumten sich Spinde, in die man seine Taschen verstauen konnte.
»Hallo«, murmelte ich schüchtern und suchte mir einen Platz, der von dem Mädchen weit weg war. Ich wollte nicht, dass sie mich sah. Sie war tatsächlich sehr dünn aber gleichzeitig muskulös. Ich beneidete sie um ihre Figur. Ich wäre auch gerne so dünn.
Schnell entkleidete ich mich und zog mir meine Sportsachen an. Eine enge Leggins und ein schwarzes Tanktop.
Meine Haare band ich zu einem hohen Pferdeschwanz.
Ich verschränkte meine Arme vor meinem Bauch, damit man nicht sofort sah, wie weit er heraus stand.
Das Mädchen war bereits gegangen.
Meine Tasche legte ich in einen leeren Spind und dann verließ ich den Raum.
Mike und Manuel warteten bereits.
»Kommt, wir machen uns warm«, schlug Mike vor.

Während wir uns warm machten erfuhr ich, dass heute die Trainingszeiten für den Mittelstreckenlauf waren. Es freute mich, denn Mittelstrecke war das, was mich am meisten interessierte.

Keuchend kam ich zum Stehen. Ich hatte mich vollkommen verausgabt, doch der Trainer sah immer wieder auf die Stoppuhr und nickte anerkennend. »Du bist gut. Richtig gut!«, lobte er. Ich errötete und sah zu Boden. Ein warmes Gefühl durchströmte mich. Ich war gut in etwas.

Auf dem Rückweg fielen mir immer wieder die Augen zu. Ich hatte tatsächlich alles gegeben.
Auf einmal legte sich eine Hand auf meine Schulter. »Wir müssen aussteigen«, erinnerte Mike mich. Ich zuckte zusammen und stand hektisch auf. »Tut mir leid, ich bin voll müde«, mein Gähnen untermalte die Aussage. »Ist in Ordnung«, lachte Mike.
»Willst du heute Abend trotzdem noch Joggen?«, fragte er und ich glaubte, dass es ihn freuen würde. Wir standen bereits vor der Tür zu der WG
»Ne, das wird mir echt zu viel. Aber morgen wieder?«, schlug ich vor. Ich wollte mich nur noch ausruhen.
»Gerne. Bis dann!«, verabschiedete er sich und winkte mir zu. Ich winkte zurück und schloss dann die Tür auf.

»Ich bin da«, meldete ich mich bei Julia, einer Betreuerin. Sie sah mich kurz an und nickte dann nur. Ich fand es schade, dass sie sich nicht danach erkundigte, wie das Training war.
»Ashley!«, rief Lena plötzlich meinen Namen als ich in mein Zimmer gehen wollte. Ich zuckte zusammen und drehte mich um. Sie lief eilig auf mich zu und umarmte mich dann.
»Wie war das Training?« Ich freute mich, dass sie fragte, denn in den letzten Tagen lag ich ihr die ganze Zeit damit im Ohr, wie sehr ich mich freute.
»Es war toll!«, schwärmte ich und lächelte ein breites, echtes Lächeln.
»Das freut mich soo sehr! Irgendwelche heißen Typen?«, sie lächelte verschwörerisch. Ich lachte auf: »tatsächlich gibt es da den ein oder anderen Kerl, der wirklich gut aussieht.«
»Na dann, ran da!«, befahl sie mir. Wir lachten beide.

Am Abend fiel ich müde ins Bett. Ich dachte darüber nach, wieviel spaß ich an diesem Tag gehabt hatte. Ich lachte. Hatte Spaß, verausgabte mich zwar, war aber glücklich. Solche Tage brauchte ich, sie motivierten mich. Beim Abendbrot hatte ich das erste Mal seit langem nicht mehr darüber nachgedacht, was ich aß und wieviele Kalorien es hatte.
Grinsend war ich am Tisch gesessen und hatte in mein Brot gegessen. Während die anderen angespannt waren, fiel es mir unglaublich leicht. Vielleicht war Sport wirklich der Schlüssel zu meinem Glück.
Noch während ich darüber nachdachte schlief ich ein.

Ich träumte davon, einen Wettkampf zu bestreiten. Mike stand am Rand und feuerte mich an, während ich rannte und rannte. Ich nahm ihn wahr, lächelte ihm zu. Er hauchte einen Kuss in meine Richtung und ich spürte, wie meine Knie weich wurden und ich drohte hinzufallen, fing mich jedoch wieder. Ich überquerte als erstes die Ziellinie in einer atemberaubenden Zeit. Alle jubelten und plötzlich stand Mike neben mir. Er schlang seine Arme um mich und küsste mich plötzlich. Wild und leidenschaftlich, vor all den anderen. Es war mir nicht unangenehm, im Gegenteil. Ich genoß es. Es war das schönste Gefühl der Welt. Ich wollte mehr. Wollte ihn nie wieder loslassen. Mein Herz überschlug sich beinahe, so sehr raste es, wenn er mich an sich zog.

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