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Pen Your Pride

„Jasmin, aufstehen!"

Ich stöhnte auf und zog mir das Kopfkissen über den Kopf. Ich hatte keinen Bock auf Schule. Da waren alle eh nur Idioten.

„Jasmin!! Auf der Stelle!"

Ich rappelte mich auf und streckte mich. Während ich ins Bad schlurfte, murmelte ich: „Sind wir hier beim Militär oder was..." Blöderweise hörte mein Vater das.

„Reiß dich zusammen, junge Dame!" Er funkelte mich aus seinen strahlend blauen Augen an. Ich war mein Leben lang traurig darüber gewesen, dass ich nicht seine Augenfarbe hatte. Stattdessen hatte ich Mamas Braungrün geerbt. Seit einem halben Jahr war ich nicht mehr traurig darüber, seit...

Ich schluckte und wischte meine Gedanken beiseite.

„Jetzt mach! Du kommst noch zu spät!"

„Wäre auch nur ungefähr das siebzehnte Mal in diesem Monat...", murmelte ich.

Ich wollte nämlich einen neuen Rekord aufstellen. Ich musste James schlagen, er hielt momentan den Zu-spät-komm-Rekord.

Wieso ich mich so scheiße verhielt? Ganz einfach.

Ich wollte von der Schule fliegen.

Damit ich zu James auf die Schule konnte. James war mein bester Freund. Das Gymnasium, auf das er ging, lag am anderen Ende der Stadt und hatte nicht nur einen viel besseren Ruf als unsere Schule, sie war erstens auch nicht so ein Gefängnisgebäude und zweitens war dort der Schnitt von allen Abiturienten immer mindestens um 0,4 besser als bei uns.

Find ich einfach nur krass.

Ja, und auf diese Schule wollte ich gehen. Doch Papa war dagegen. Was hatte ich getobt, geschrien, gebettelt und geweint, dass ich Schule wechseln durfte. Aber nichts hatte etwas genützt. Also ging ich immer noch in diesen Assischuppen. Aber nicht mehr lange. Irgendwann mussten die ja die Schnauze voll von mir haben.

Wenn ich ehrlich bin, ging es mir eigentlich gar nicht mehr um den Schulwechsel. Ich rebellierte und baute Scheiße, weil mir danach war.

Weil ich auf die schiefe Bahn gekommen war.

Meine Rebellion war mein eigenes Mittel, gegen meinen Schmerz anzukämpfen, der seit einem halben Jahr in meiner Brust saß und mich von innen langsam, aber sicher und sehr qualvoll auffraß.

*

[P. S.: Bei meinen Büchern gibt es keine Autorenkommentare an den Kapitel-Enden. Wundert euch nicht darüber. Ich möchte einfach, dass meine Bücher wie „echte Bücher" sind, und da gibt es ja auch keine Autorenkommentare mitten im Buch. :)]

Riptide [Band 1]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!