Kapitel 1 - Hipster-Hades

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Hades, Gott des Todes

und Herrscher der Unterwelt,

die ebenfalls Hades genannt wird.

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Was kann es schöneres geben, als an einem Montagmorgen aufzustehen und fröhlich singend aus seinem Bett zu springen um sich für die geliebte Schule fertig zu machen? Richtig, so ziemlich alles, was brennende Haut und Schwefel in den Augen beinhaltete. Müde, mürrisch und mäßig begeistert war ich aus dem Bett gefallen, hatte meine Schulsachen zusammengesammelt und war ins Badezimmer gestolpert. Ich würde untertreiben, wenn ich sagen würde, ich hätte keine Lust auf die Schule. Die Schule war so ziemlich der schrecklichste Ort der Welt - selbst die Unterwelt soll schöner sein. Ich möchte nicht sagen, dass ich mein Leben nicht mag oder gerne sterben würde, aber genauso war es. Mein Leben war der reinste Scherbenhaufen - nein, besser noch. Ein Boden voller Legoteile, über die ich mit nackten, aufgeschlitzten Füßen laufen musste. Es war die Hölle, nur dass die Hölle bessere Rezensionen bekam.

Mit meinen Kopfhörern in den Ohren und den Schultaschen geschultert hatte ich mit leichter Verspätung das Haus verlassen. Unser Hund hatte mir ein liebevolles Geschenk in den Schuhen hinterlassen, sodass ich jetzt die viel zu kleinen Latschen mit den kaputten Schnürsenkeln tragen musste. Ich wusste, es war ein Fehler, meine Spotify-Playlist zu hören. So hatte ich - aufgrund der überlauten Werbung, die mir die Trommelfelle wegfetzte - auch den hupenden Bus nicht gehört, der mich dann liebevoll mit seinen Reifen überrollte.

Das nächste, was ich wusste war, dass ich in einem sterilen Krankenzimmer aufgewacht bin. Eine voluminöse Krankenschwester hatte mir dann herzlich eine Nadel in den Arm gerammt und dabei dreimal die Ader verfehlt, bevor sie es endlich hinbekommen hatte. Etliche meiner Knochen waren gebrochen und ich hatte wirklich starke Schmerzen, trotzdem schalteten sie mir noch den Fernseher an und zappten um auf RTL. Als wäre mein Hirn nicht schon genug angematscht durch die Busreifen.

Irgendwann war ich dann durch die Hirnverblödung wohl eingeschlafen, denn ich wachte mitten in der Nacht auf, als mich jemand an der ausgekugelten Schulter antippte.

„Yo", sagte ein Typ mit verwaschenem Achselshirt, der neben meinen Bett stand. Vor Schreck wäre ich beinahe aus dem Bett gefallen, wäre ich nicht mit irgendwelchen Bändern daran gefesselt gewesen, damit meine gebrochenen Gliedmaßen in Stellung gehalten wurden. Mein erster Eindruck von dem Typen war - HIPSTER! Er sah einfach so verboten aus wie ein Hipster. Achselshirt um die nicht vorhandenen Armmuskeln zu präsentieren, dunkle Haare, die nach dem neusten, von einem D-Promi geklauten Frisurentipp, gestylt waren, eine zerrissene Jeans, die auch schon mal bessere Tage erlebt hatte, schneeweiße Convers-Sneaker und seine Arme waren zugekleistert mit Festivalbändchen und Clubstempeln. Er roch nach einer widerlichen Mischung aus Schweiß und kaltem, abgestandenen Rauch und blickte mich recht interessiert an.

„Na, Kleiner", sagte er und lehnte sich betont lässig gegen den Bettpfosten. „Was geht?" Ich blickte ihn verwundert an. „Wer bist du?", fragte ich und überlegte, wie ich die Bullen rufen konnte, ohne meinen gebrochenen Arm zu bewegen. „Mein Name ist Hades."

„Hades? Wie der Totengott aus der griechischen Mythologie?", fragte ich und musste ein Lachen unterdrücken. Nagut, ich sollte wohl eher nicht lachen, immerhin haben meine Eltern mich Kollin genannt. Ja, mit K und Doppel-L, sie wollten, dass ich exotisch und mysteriös bin. Am Ende bin ich sarkastisch und bekloppt geworden.

„Nicht nur wie der Totengott. Ich bin Hades, der Totengott." Ich starrte den Typen entgeistert an. Dann fing ich an zu lachen. „Ja, bestimmt. Und ich bin ein Dämon, der geschickt wurde, um die Menschheit auszulöschen." 'Hades' machte einen verwunderten Gesichtsausdruck. „Oh, das wusstest du bereits? Nun, dann muss ich weniger erklären."

Rachedämon wider WillenLies diese Geschichte KOSTENLOS!