Kapitel 24

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"Mama! Mama! Mama! Mama! Mama!"

Immer und immer wieder rief die Stimme durch die verlassene Welt. Der Ruf prallt an unsichtbaren Wänden ab und erfüllte die gesamte Luft.

"Mama! Mama! Mama! Mama! Mama!"

Es war eine junge, unschuldige Stimme. Sie fühlte sich an wie ein ruhiges und liebliches Lied. Jedes Mal, wenn die Stimme ertönte, klangen sie wieder und zirkulierten wie ein Strudel durch den Himmel.

"Mama! Mama! Mama! Mama! Mama!"

Lucy hörte einige Male nur zu. Dann spürte sie einen Sog in sich drinnen, der ihr befahl irgendwie zu der Stimme zu gelangen, es um jeden Preis zu versuchen, niemals aufzugeben, und wenn es das letzte war, was sich machen musste. Sie fühle sich mit der Stimme verbunden, mit ihr vereint in Liebe, Trauer, Freude, Zorn, bis in den Tod.

"Ich komme! ICH KOMME!" Rief Lucy und zerrte an den unsichtbaren Fesseln, die sie immer noch zwangen stehen zu bleiben, sie nicht gehen ließen, ihr tief in das Fleisch schnitten und im Stande waren sie jedes Mal, wenn sie sich bewegte, zu töten und sie tiefer in den Abgrund zu ziehen. Doch die Stimme war zu stark. Von ihr ging einen Macht aus, die stärker war, als alles, was Lucy bisher gekannt hatte. Sie zwang sie, sich zu befreien, koste es was es wolle.

"Mama! Mama! Mama! Mama! Mama!"

Jedes einzelne Mal, als die süße Stimme erklang, zerrte es Lucy zu ihr hin, zwang sie zu rennen, nicht stehen zu bleiben, immer zu rennen, ohne Rast und Ruh, immer auf das Licht zu, immer der Freiheit entgegen.
Je näher Lucy dem Licht kam, desto lauter wurde die Stimme.
"Ich muss es schaffen! Ich muss hier raus! Ich will hier raus! Ich will nicht sterben! Ich will leben!" Sagte sich Lucy immer und immer wieder vor sich her, während sie wie von Wölfen gejagt durch die schwarze Festung eilte, sich die Beine an Dornen aufschlitzte, ihren Kopf an Felsen rammte, tausend Messerstiche sich in ihr Herz bohrten, Fangarme sich um sie legte und sie versuchten aufzuhalten.
"LASST MICH IN RUHE! ICH WILL HIER RAUS! LASST MICH GEHEN!" Schrie Lucy nun aus voller Kehle und schlug mit harten Fäusten um sich, doch immer wenn sie kämpfte, war niemand da, den sie hätte treffen können, den sie hätte verletzen können, den sie hätte töten können. Und immer wenn sie weiter laufen wollte, stellten ihr die Mörder die Beine, schlugen sie, vergewaltigten sie, lechzten nach ihrem Blut wie Vampire und zerfleischten sie wie Zombies.
Aus dem Rennen wurde Laufen, aus dem Laufen wurden Krabbeln, aus dem Krabbeln wurde Kriechen, aus dem Kriechen wurde Liegen.
Lucy fühle sich wie ein Neugeborenes, was nichts machen konnte, sich nicht fortbewegen konnte, nur daliegen konnte.
"Ich kann nicht mehr! Ich kann nicht! Ich kann! Ich!"
Lucy's Glieder wurde schwerer und schwerer, wehrten sich gegen jeden Versuch sich zu bewegen. Sie hafteten wie Steine auf dem Boden, schwer und kalt lasteten sie auf der Erde und verwuchsen mit ihm zu einer Einheit. Und wieder versank Lucy in einen tiefen Schlaf! Ein brennender Schlaf! Ein erdrückender Schlaf! Ein Todesschlaf!

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