Kapitel 1

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P.O.V Julien

Es ist dunkel. Selbst als ich meine Augen öffne, kann ich nichts erkennen. Ich hebe wie hypnotisiert den Arm um nach meinem Handy zu tasten. 'Wo ist dieses verdammte Ding denn jetzt schon wieder?!' Nach einigen Sekunden finde ich es unter meinem Kopfkissen und entsperre den Bildschirm. Das Licht, das vom Screen ausgeht, blendet mich, so dass ich meine Augen zukneifen und mich zunächst etwas an die Helligkeit gewöhnen muss. Seit Tagen, achwas, seit Wochen habe ich kein Tageslicht mehr gesehen. 24/7 liege ich hier im Bett und lebe vor mich hin. Wenn man das überhaupt noch "leben" nennen kann.

Mein Handy-Display zeigt an, dass es bereits 14:27 Uhr ist. Normalerweise würde ich schon lange am Computer sitzen und mein neues Video schneiden aber ich habe die Lust daran verloren. Ich hab keine Ahnung wann ich mein letztes Video auf YouTube hochgeladen habe, aber es ist auf jeden Fall schon lange her.

Ich öffne Whatsapp, nur um zu sehen, ob irgendjemand meine Inaktivität auf YouTube und den anderen Social Media Plattformen bemerkt hat. Und tatsächlich häufen sich die Nachrichten nur so. Eine Nachricht von Viktor, fünf (?!) von Rob, eine von Stephan, eine von Joon (wir wohnen in derselben Wohnung! Warum kommt der Pisser nicht einfach rüber, wenn er was will?) und drei von Cheng. Der Rest sind Gruppenbenachrichtigungen, die mich sowieso nicht interessieren. Eigentlich habe ich wenig Lust auf alles zu antworten aber die anderen haben es nicht verdient ignoriert zu werden. Schnell tippe ich ein paar Ausreden in mein Handy und verschicke sie, um meine Freunde etwas zu beruhigen. Cheng, der gefragt hat warum keine Videos mehr kommen und warum ich mich nicht mehr melde, schreibe ich, dass ich nur eine ziemlich heftige Grippe erwischt hab und deshalb nichts auf die Reihe bekomme. Wird er mir zwar sowieso nicht glauben, weil er mich einfach zu gut kennt aber wenn er wissen will was los ist, wird er schon vorbei kommen. Aber Moment... Was würde ich ihm sagen? Warum hab ich mich denn so verändert? Seit Monaten fühl ich mich schon so komisch.. So leer. Ich kenne das Gefühl und ich weiß auch was es zu bedeuten hat, aber ich kann und will es nicht wahrhaben.

Rückblick
Mit starrem Blick saß ich auf meinem Bett. Tief im Inneren wusste ich, dass es stimmte, was mein bester Freund gerade gesagt hatte. Aber ich wollte das nicht! Ich war nicht krank!
"Ju, du hast Depressionen! Bitte, lass dir helfen! Ich will nicht, dass du dir noch was antust." Cheng war wirklich besorgt. Ich wollte ihn trösten, ihm sagen, dass es mir gut ging aber ich konnte es nicht. Ich war innerlich kaputt. Ich hatte keine Kontrolle mehr.
Rückblick Ende

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich wieder in eine Depression verfallen könnte, doch anscheinend hab ich mich getäuscht. Eigentlich müsste ich jetzt kämpfen, so wie damals. Aber ich habe keine Kraft. Diesmal weiß ich ja noch nichtmal gegen was ich kämpfen müsste.. Als es mir vor einigen Jahren so schlecht ging, hatte ich wenigstens Gründe. Aber jetzt? Soviel ich auch darüber nachdenke, ich finde keinen Grund für dieses plötzliche Down.

Ich habe keine Zeit mehr mir den Kopf zu zerbrechen, da mein Handy vibriert. "Cheng ruft an" steht auf dem Display. 'Wer hätte das gedacht?'. Auch wenn ich wenig Lust habe, mit jemandem zu reden, nehme ich ab...

Broken (Ju x Cheng ff)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!