Rechtschaffung

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Hogwarts. Immer wieder fand das Wort Zuflucht in meinem Gedankenfluss und hinterließ tiefe Furchen in meinem bedrückten Gewissen, das mehr Last trug, als man erahnen konnte. Nach dem Sommer würde, ich also mein sechstes Jahr in Hogwarts und nicht in Durmstrang antreten.

Ich ließ mir Badewasser ein und streifte mir mein Top über die Schultern. Erneutes Zittern kontrollierte meinen Körper und der erdrückte Schwall von Hass und Scham brach auf wie ein Damm und die Flut der verstecken Gefühle maß sich vollkommene Berherrschung über meinen Geiste an. Mein Spiegelbild war furchteinflößend und das Gewitter in meinen dunkelgrauen Augen ähnelte mehr einem Orkan als einem Unwetter, der über das stürmische Meer hinwegfegte und alles mit sich riss, das keinen Halt fand.

Und dann ging mein Temperament mit mir durch und offenbarte ein anderes Gesicht. Mein Vater war schuld an der Ambivalenz meines Verhaltens. Er maß sich eine vollkommene Macht über meinen Geist an und verhinderte somit, jene Fähigkeiten zu entwickeln, die mein junges Wesen stark und selbstbewusst formen sollte.

Nur Angst, Zerbrochenheit und Verletzlichkeit waren mir geblieben und ich ließ es zu, dass mein Vater mich umherstieß und mich formte, wie es ihm eben passte. Er wollte ein liebevolles, braves kleines Mädchen? Eine sittsame, wohlerzogene Tochter? So schenkte ich sie ihm. Doch innerlich zerbrach ich daran, ohne dass er es auch nur bemerkte. Ich hasste und liebte mich zur selben Zeit und der innere Konflikt meinerseits wuchs von Tag zu Tag stetig und einnehmend in mir - gefangen zwischen Disziplin und Pflichtgefühl und dem inneres Streben nach Freiheit und Leichtigkeit.

Ich packte eine Strähne meines dichten blonden Haares und wühlte in einer der Schubladen der Mahagonikommode nach einer Schere. Zitternd hielt ich sie in den Händen und betrachtete mein verhetztes Spiegelbild in der Scheibe, welche durch das heiße Wasser der überlaufenden Badewanne im Hintergrund, beschlagen war.

Wer war dieses unschuldige junge Mädchen, das einer Wahnsinnigen glich? Eine Strähne langen blonden Haares segelte langsam auf den strahlend sauberen Boden. Ich packte wieder zu und die Schere teilte eine erneute Strähne gesponnenen Goldes von meinem Scheiltel und fiel zu Boden.

Nach einigen Augenblicken warf ich die Schere ins Waschbecken und stütze mich nach Atem ringend am Waschbeckenrand ab. Das würde Konsequenzen haben, das wusste ich, doch es war mir im Moment egal. Die Haare am Boden ließ ich liegen. Sollten die dreckigen Hauselfen sie doch wegschmeißen. Erneut hob ich den Blick. Aus rotgeränderten Augen starrte ein Mädchen aus dem Spiegel, mit blondem stürmischem Haar, das Länge und Glanz verloren hatte und nur noch gerade so die schmalen Schultern mit den Spitzen streifte.

Ich vernahm ein Poltern, Schritte und schließlich ein Klopfen an der Tür. Ich kauerte mich in einer Ecke zusammen und das heiße Badewasser schwappte über meine nackten Füße hinweg, während die ausladende Badwanne noch immer überlief und ihren Inhalt auf dem mamornen Boden verteilte.

"Alohomora."

Ein Klicken des Schlosses und die Tür wurde aufgerissen. Ich nahm die Gestalten im Türrahmen nur schemenhaft wahr.

Eine große männliche Gestalt im schwarzen Umhang und mit schwarzen Schnallenstiefeln und eine kleinere, zierliche Gestalt, in ein Nachthemd gehüllt, krallte ihre Finger schluchzend in den Umhang des Mannes.

Die Hände des Mannes hoben mich grob hoch und trugen mich aus dem Bad, während ich Sekunden später spürte, wie mein Körper auf etwas Weiches gebettet wurde. Ich kroch unter die hellblauen Laken des Bettes und vergrub mein Gesicht in den schneeweißen Kissen.

„Aber ihre Haare", schluchzte meine Mutter. „Warum?"

„Wer weiß, warum das dumme Ding das getan hat", erwiderte mein Vater barsch. „Ich weiß nur, dass sie morgen Abend nicht so vorzeigbar ist. Bring das in Ordnung, Narzissa."

Isabella Malfoy - You may know my name, but not my story.Lies diese Geschichte KOSTENLOS!