1. Kapitel- Turbulenzen am Morgen

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„Sag mal, hast du Ferien um diese Jahreszeit oder warum bist du hier in diesem kleinen Kaff?", fragte ich ihn. Er seufzte auf und schloss sein Auto auf. Es war ein Toyota mit dunkeln Scheiben, sogar vorne waren sie getönt. „Komm, ich erklär's dir auf der Fahrt." Ich stieg auf dem Beifahrersitz ein und schmiss meine Tasche nach hinten. Auf dem Armaturenbrett des Mietautos klemmte ein Foto von Zayn mit einer blonden Frau, die in die Kamera lachten. Irgendwo hatte ich dieses Foto aber schon mal gesehen... Zayn folgte meinem Blick und sofort fingen seine Augen an zu leuchten. „Das ist meine Verlobte, Perrie!", die Liebe sprühte ihm förmlich aus den Augen. „Sie ist hübsch!", sagte ich bewundernd und strich mir über meine unbändige Lockenmenge. So schön würden meine Haare nie aussehen!

„Ja, das ist sie...", murmelte Zayn und liess den Motor an.

Nach einigen Minuten Fahrt und Schweigen ergriff er das Wort. „Du eine Frage, ich eine?" Zustimmend nickte ich und fing auch gleich an. „Alter?"- „22. Du?"- „20. Wie heisst deine Freundin nochmal?"- „Perrie. Was studierst du?"- „Geographie und Romanistik, also Spanisch. Was bist du von Beruf?"

An dieser Stelle stockte unser Redefluss, denn Zayn gab nicht direkt eine Antwort. „Ich war bis vor kurzem Sänger..." Ich runzelte die Stirn- bis vor kurzem? Wie soll man das jetzt verstehen?

„Bist du vergeben?", wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich schüttelte den Kopf. „Geschwister?"- „Drei Schwestern, und du?"

Ich musste kichern, ich stellte es mir schon förmlich vor- Zayn, drei kleine Mädchen um ihn am herumschwirren, doch dann fiel mir auf, dass er mich etwas gefragt hatte, und sofort stellte ich das Kichern wieder ab. „Ich habe keine Geschwister." Das Thema war ziemlich heikel bei mir und es tat mir immer noch weh.

Wir unterhielten uns die ganze Fahrt durch und wir lachten viel. Er war ein angenehmes Wesen vom Typ her; er hatte einen feinen Sinn für Humor und erzählte mir gerade, wie seine eine kleine Schwester ihm mal etwas ins Gesicht gemalt hatte und er dann so in die Schule gegangen war. „...und natürlich lachte die ganze Schule über mich", schmunzelte er. Ich musste kichern. Inzwischen waren wir schon fast bei der Uni angekommen und ich hatte ihn immer wieder durch Wegweisungen unterbrechen müssen.

Er fuhr jetzt auf den Parkplatz und stellte den Wagen aus. Dann schwiegen wir und starrten aus der Frontscheibe.

„Bleibst du in Bäretswil?", fragte ich ihn scheu. Er drehte den Kopf zu mir und nickte dann. „Möchtest du heute Abend zu mir zu kommen? Also, falls du Lust hast...", fragte ich vorsichtig. Ich mochte ihn und wollte ihn gerne mehr kennenlernen. Ausserdem spürte ich, dass er jemanden zum Reden brauchte.

„Klar, gerne, ich kenne dort eh niemanden... was soll ich mitbringen?"- „N paar Filme wären cool", grinste ich und löste den Sicherheitsgurt. Dann drehte ich mich zu Zayn um und umarmte ihn kurz, was ihn sichtlich überraschte. „Danke fürs Fahren. Ich schreib dir noch kurz meine Adresse auf, hast du n Stift und Papier?", fragte ich. Er reichte mir sein Handy und ich ging dort auf die Notizen. Dort gab ich meinen vollen Namen, meine Handynummer und meine Adresse ein.

„Hier."

Ich gab ihm das Handy zurück und stieg dann aus. Dann knallte ich die Tür zu und ging auf den Haupteingang zu, genauso wie hunderte andere Studenten auch. Seufzend begann ich, mich durch die Menschenmassen zu wühlen und fand schliesslich das Auditorium, wo ich hinsollte. Dort stand auch schon wie jeden Morgen meine beste Freundin Aline, die sich nervös durch die Haare fuhr. „Oh mein Gott, heute sass Mario gegenüber von mir in der Bahn!", kreischte sie mir ins Ohr. Ich grinste und liess sie machen, die Aufregung würde sich gleich legen. „Wo warst du überhaupt? Ich wollte doch mit dir zusammen im Tram fahren!"

Ich musste noch breiter grinsen und erzählte ihr die Geschichte, während wir uns hinsetzten. Der Saal füllte sich langsam und auf beiden Seiten von uns sass schon jemand. „Wow, cool! Aber du hast Recht, Bäretswil ist echt am Arsch der Welt", bestätigte sie mir. Na danke auch.

Leaving (ZM/1D)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!