× 1 ❀ »Nach Hause.«

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Mit einem Seufzen wandte ich mich dem nächsten Regal zu und ließ meinen Blick über die Ware schweifen. Schon so einiges war bereits ausverkauft, was um diese Uhrzeit nicht verwunderlich war.
Trotzdem gab ich die Hoffnung nicht auf, nicht doch irgendwo schnell etwas billiges und essbares zu finden, um den bevorstehenden Sonntag zu überstehen.

Nein, nicht die gähnend leeren Regale waren verwunderlich. Nicht der Geruch nach Päckchen- und Dosenware war sonderbar.

Vielmehr war es der andere junge Mann, der mich schon vom Parkplatz auf an bis in den Supermarkt hinein verfolgt hatte.

Eigentlich hatte es mich nicht wirklich gekümmert, doch jetzt wo der Junge am Regal ein paar Meter von mir entfernt stand und immer wieder auffällig von mir zum Regal und wieder zurück starrte, wurde er mir suspekt. Suspekt und vor allem verdächtig.

„Kann ich irgendetwas für Sie tun?", wandte ich mich letztendlich dem Fremden zu. Dieser starrte, auf Distanz stehend schweigend zurück.

„Ist irgendetwas?", verwirrt legte ich den Kopf schief. Mein Gegenüber schien geistig nicht ganz auf der Höhe zu sein, was einiges erklären würde.

„V", antwortete nach längerem Überlegen der Junge und tippte sich energisch mit seinem Zeigefinger auf die eigene Brust.

„Entschuldigung, ich verstehe nicht ganz."

„V!", wiederholte er, diesmal lauter.

Den Kopf schüttelnd wandte ich mich wieder den Waren zu. „Ah, ja. Genau." Vielleicht sollte ich ihn einfach ignorieren. Vielleicht hatte er eine Behinderung oder so etwas. Oder er war auf Drogen. Oder Beides.

Einfach ignorieren, Jungkook, einfach ignorieren. Er geht bestimmt von selbst.

Ohne weiter groß nachzudenken griff ich zu einer der letzten Dosen Ravioli und stapfte den Gang Richtung Kasse. Ignorieren und dann nichts wie weg von hier. So einfach.

Dachte ich zumindest.

Tja, falsch gedacht.

Als ich auf dem dunklen, nur spärlich von einer schwachen Laterne beschienen Parkplatz ankam, hörte ich Schritte hinter mir. Ich brauchte mich gar nicht von meinem Motorrad umdrehen, um zu wissen, wer es war. Meine Vorahnung allein reichte mir schon aus, um das zu wissen.

Schnell schwang ich mich auf das Motorrad, bereit, einfach wegzudüsen, falls der Kerl gefährlich sein sollte. Dann wandte ich mich ihm zu.
Ja, es war er, mein Gefühl hatte mich nicht getrügt.

„V", kam mir der Junge zuvor und tippte sich wieder auf die Brust.

Ich stöhnte. War das alles, was er zu sagen hatte?

Jeder normale Mensch hätte vielleicht Angst. Ich meine, er schien wahnsinnig zu sein, oder?
Aber nicht ich.

Naja, aber ich fuhr auch ohne Helm Motorrad. Und kaufte erst auf den letzten Drücker Essen für den Sonntag. Leben am Limit. Gefahr ist mein zweiter Name.

„Hör auf mit dem Blödsinn, bitte. Dafür habe ich keinen Nerv. Es ist spät, ich will nach Hause", erklärte ich, doch das schien ihn kalt zu lassen.

Plötzlich kam mir ein Gedankenblitz. Hoffentlich würde ich das nicht bereuen.

Tief holte ich noch einmal Luft und raffte mich zusammen. Die Nachtluft war kalt und stach in so einem großen Zug in meinen Lungen.

„Kann ich dich vielleicht irgendwo hin mitnehmen? Ich fahre dich gerne, wenn du willst."

Das Gesicht meines Gegenübers hellte auf. Statt auf seine Brust zu tippen und die ganze Zeit "V" zu wiederholen, nickte er nun.

„Wohin denn, wenn ich fragen darf?"

„Nach Hause."

„Und wo genau ist dein Zuhause, wenn ich fragen darf?"

Ohne zu zögern hob der Junge seinen Zeigefinger von seiner Brust und deutete Richtung Sternenhimmel.

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