Kapitel 11

8.7K 106 3

Das Kampfsport Training begann.
"So meine Lieben ich möchte ein bisschen was sehen! Stellt euch zu zweit zusammen! Junge Mädchen! Hop hop!" Rief der Trainer in die Runde.
Lucy stellte sich zu einem Jungen der etwas größer als sie, dennoch aber unfassbar stark wirkte, hin.
"Jo ich bin Simon" sagte der Junge mit freundlicher Stimme zu Lucy, die sich ihm mit einem Lächeln zugewandt hatte.
"Hi! Ich bin Lucy" antwortete sie ihm nett und lächelte ihn an. "Willst du mich verprügeln oder soll ich mein Glück versuchen" sagte Lucy schelmisch und lachte ihn leicht an.
"Na dann zeig mal was du drauf hast!" Antwortete Simon herausfordernd und stellte sich in Startposition.
"Auf los geht's los" schrie der Lehrer und schaute jedes Paar kurz an. "Looooss" rief er und pustete in seine helle Trillerpfeife.
Lucy schnellte nach vorne und hob ihr Bein. Simon parierte gut, packte ihr Bein und schwang sie einmal herum. Lucy landete sehr elegant und schoss erneut auf ihn los, diesmal mit schnellen Handgriffen und Drehungen, welche Simon zu Fall brachten und ihn ziemlich in die Ecke legten. Er stand auf und rannte auf Lucy zu, packte sie und hob sie einmal mit starken Armen hoch und ließ sie dann auf die Matte herunter plumpsen, doch Lucy schwang ihr rechtes Bein und trat Simon in die Kniekehlen, was ihn auf der Stelle zusammenknicken ließ.
"Leute! Macht mal halblang! Das sieht zwar toll aus aber ihr sollt noch am Leben bleiben! Ok?" Schrie Lucas der Trainer und stellte sich zwischen die beiden, die sich nur nett anlächelten, sich die Hand gaben und sich einmal kurz umarmten.
"Gut gekämpft" sagte Simon "wie lange machst du das schon?"
"Danke du auch" entgegnete Lucy "seit knapp 2 Jahren jetzt schon"
"Ah deswegen ich nämlich erst sein 1 1/2 Jahren" lächelte er und bleckte die Zunge nach außen.
"Ja Lucy ist unsere beste im Kurs! Sie übt sehr hart und macht unglaublich schnell Fortschritte" erwähnte Lucas kurz und lächelt sie ebenfalls an.
"Na dann werde ich mal mehr üben müssen, wenn ich dich unterkriegen will" lachte Simon, packte sein weißes Handtuch und lief eine Matte weiter.

Nach dem Training joggte Lucy nach Hause. Sie rannte durch die Großstadt und nahm extra Umwege zu ihrer Wohnung.
Lucy hatte sich ein neues Apartment in New York zugelegt, hatte sich eine Arbeit gesucht und neue Freunde gefunden. Was ihr anderes Leben betraf, wollte sie nichts mehr wissen, sie schaut nach vorne und blickte nicht zurück!
Sie joggte in das Haus, in dem ihre Wohnung lag hinein und nahm die Treppen in den zwölften Stock hinauf. Es gab auch einen Aufzug doch dieser interessierte Lucy im Moment herzlich wenig.
Oben angekommen sperrte sie die Tür auf. Zum Vorschein kam ein großer Raum mit hübschen Möbeln, einer großen Couch, einem Holztisch davor und zwei Sesseln, ein großer Fernseher mit einer schönen Stereoanlage schmückte die eine Wand, schöne Bilder und Familienfotos die andere. Ein großer Kronleuchter hängte von der erhöhten Decke herab und durchflutete das gesamte Zimmer mit einem warmen gelblichen Licht. Hinter einer großen Schiebetür war das Schlafzimmer mit einem schönen Bett mit weißem Bettbezug und einem Bücherregal an der Wand dahinter. Gleich anschließend an der rechten Wand war ein kleiner, hübscher begehbarer Kleiderschrank und ebenfalls dahinter das Badezimmer mit Dusche, Badewanne, einem großen Spiegel und einem hübschen großen Waschbecken davor. Diese Wohnung war genau das Gegenteil zu der kleinen, schäbigen Bruchbude, in der Lucy früher hauste.
Lucy zog sich aus und hüpfte in die Glasdusche.
Danach zog sie sich eine bequeme Boxershort an und ein großes XL Shirt, ging in die Küche und machte sich eine Obstschale mit Jogurt. Dann setzt sie sich auf einen Sessel nahm sich die Fließdecke die immer auf der Couch bereit lag und schaltete den Fernseher ein. "Guten Tag New York! Jetzt kommen die neusten News live hier bei uns! Es ist 19.00 Uhr, ich bin Danny Melton und das sind unsere heutigen Themen" sprudelte der Mann im Monitor keine Sekunde später auch schon los. Lucy schaute sich die Nachrichten an und danach ihre Lieblingsserie "Dexter".
Um 22.00 ging sie zeitig ihr Zähne putzen und in ihr Bett, da sie morgen früh wieder arbeiten musste. Sie deckte sich zu und schloss Ihre Auge. Wieder nur schwarz, kein Gefühl, kein Traum, keine Vorstellung.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker pünktlich um 7:30 Uhr mit seinem stetig ekelhaften Gerassel und jagte Lucy aus ihrem Bett. Sie stand auf, ging ins Badezimmer und machte sich frisch, dann zog sie ihre Arbeitskleidung an, packte sich etwas zu essen ein und verließ pünktlich 8.20 Uhr die Wohnung.
Lucy arbeitete in einer renommierten Kanzlei als Anwaltsassistentin.
Auf dem Tagesprogramm stand ein Fall, in den sie auf Befehl von ihrem Chef hingehen und ihn sich anschauen sollte. Lucy freute sich unglaublich auf den Fall, sie wusste weder worum es ging noch wer der Angeklagte war, sie ging voller Vorfreude in den Anhörungssaal und setzte sich in die erste Reihe zu den Zuschauern. Der Staatsanwalt sowie der Staatssekretär saß vor dem Richter links bereits auf seinem Stuhl und warteten ab.
Der Staatsanwalt und der Angeklagte saßen rechts vor dem Richter.
Alle warteten bis der Staatsanwalt den Richter hereinbat.
Lucy holte einen Block und einen Kugelschreiber aus ihrer Handtasche und machte sich für die Anhörung bereit.
Der Richter kam mit festen, schnellen Schritten herein und eilte auf sein Podest zu.
"Die Anhörung ist hiermit eröffnet" sagte er in lauter, ernster Stimme und sogleich ging es los.
"Der Angeklagte, Todd Harvey, wird wegen Vergewaltigung und Mordes vor Gericht angeklagt, er ist 50 Jahre alt, wohnt in Brooklyn, geboren am 5.7.1966 in Wisconsin, ist das richtig?" Fuhr der Richter mit seiner strengen Stimme fort.
Der Angeklagte war normal groß, sportlich aber nicht stark, er hatte einen leichten Bart und schäbige Klamotten an, sein Gesicht war eingefallen und voller Hass, er spielte mit seiner Zunge, klemmte sie zwischen seine Zähne und drehte sie, seine Augen durchzuckten den Raum und als sie Lucy erreichten, zwinkerte er sie dreckig, grauenhaft, und mörderisch an. Seine Haaren waren ausgewaschen blond und fettig, sie hingen ihm herunter wie Greifarme einer Krake.
Er wurde links neben des Richter in den Zeugenstand gerufen und der Polizist stand neben ihm.
"Alles komplett richtig" sagte der Angeklagte mit genau so starker und unbarmherziger Stimme zurück, man sah ihm keinen einzigen Anfall von Angst oder Beunruhigung an, er saß ganz gelassen auf seinem Stuhl und wippte mit seinem Bein.
"Möchten Sie etwas zu diesem Fall sagen? Ein Geständnis ablegen, oder verweigern?" Sagte der Richter und schaute Mr. Harvey mit scharfen Blick an.
"Ich streite jeden Anklagepunkt ab" sagte Mr. Harvey mit herausfordernder Stimme und lächelte den Richter spielerisch an.
"Die Anklage hat das Wort!" Entgegnete der Richter und schaute Zu Harvey herüber.
"Mord! An 14 unschuldigen Mädchen" tönte die Stimme des Staatsanwaltes durch den Raum "14 weibliche Personen, deren leben kurz davor war erst richtig anzufangen!"
Lucy hielt den Atem an. "14 Mädchen?" Lucy wusste nicht ob sie richtig gehört hatte, sie hoffte nur, dass sie sich verhört hatte. Sie schaute hinüber zu Harvey, der immer noch, ohne eine Miene zu verziehen auf seinem Stuhl saß und der nervtötenden Stimme des Anwaltes lauschte.
"Kennen Sie die?" Sagte der Anwalt herausfordernd zu Harvey und legte ihm 14 DIN A4 Papierfotos auf den Tisch.
"Nein!" Antwortete Harvey gelassen, "Die hab ich noch nie gesehen" schaute auf die Fotos und verzog leicht seine Miene als würde er sich vor dem Anblick ekeln, den die Bilder preisgaben.
"Das sind ihre Opfer!" Sagte der Anwalt mit bebender Stimme und musterte Harvey von oben bis unten, "diese Frauen haben sie umgebracht!"
"Nein! Ich habe niemanden umgebracht! Ich habe keinen Grund dazu!" Sagte Harvey mit beruhigter Stimme und lächelte den Anwalt mit einem abscheulichen Grinsen an.
Lucy saß einfach nur da und versuchte so viel wie möglich zu schreiben und im Verlauf des Verfahrens so viel wie möglich zu verstehen, da es immer verzwickter wurde, alle Seiten stritten sich, waren in Höchstleistungen angelangt und versuchten immer schnellere, immer schlagfertigere Beweise und Tatsachen vorzutragen, welche Harvey's Schuld oder Unschuld beweisen sollten.
Langsam verschwammen die Stimmen des Gerichtssaals und Lucy tauchte ein in eine andere Welt, eine Welt aus ihren Gedanken, die alle wie in einem Bienenschwarm um sie her flogen.
"Erklären Sie mich für schuldig, werden sie nach geraumer Zeit den wahren Verantwortlichen für die geschändeten Mädchen zu fassen bekommen und ich werde sie verklagen können! Werde sie selber hinter Gitter bringen können!" Peitschte plötzlich die starke und mörderische Stimme von Harvey Lucy wieder aus ihren Träumen. "Er ist schuldig! Er musste schuldig sein! Das musste er einfach!" Dachte Lucy, obwohl sie seit gefühlten Stunden nichts mehr mitbekommen hatte, sie wusste es einfach, sie fühlte es, dass er der Verantwortliche war. Es dauerte nicht lange, und schon versank Lucy erneut in Träume und der Gerichtssaal löste sich in Rauch auf.
Wieder wurde Lucy nach kurzer Zeit aus ihrem Nachdenken geweckt, als der Richter plötzlich das unvorstellbare sagte.
"Der Angeklagte wird von allen Punkten freigesprochen!"
"Das konnte nicht sein!? Das war unmöglich! Warum? Alle Beweise sprachen deutlich gegen ihn!"
Der Richter verließ den Gerichtssaal, der Staatsanwalt setzte sich erschöpft und geschlagen auf seinen Stuhl zurück und Harvey wurden die Handschellen abgenommen. Er stand auf und ging durch den Mittelgang auf die Tür zu, seiner Freiheit entgegen. Er schweifte noch einmal durch den Saal und blieb wiederum bei Lucy mit seinem Blick stehen, Lucy lief es eiskalt den Rücken hinunter, ehe sie sich umdrehte und wegschaute.
Sie griff ihre Tasche und eilte mit schnellen Schritten aus dem Gebäude, hinaus an die frische Luft, einfach raus, einfach weg, weit weg, zum nachdenken.

Adore me! (Fertiggestellt!) Lies diese Geschichte KOSTENLOS!