Kapitel 8

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"Thea?" Raunte die leise, schwache und Schmerz erfüllte Stimme von Lucy in das Mikrofon des Handys.
"Lucy? LUCY wo bist du? Was ist passiert? Sag bi..."
"Hol mich ab...M M Mathew!" Dann versank sie wieder, sie war zu schwach um mehr sagen zu können, sie hoffte einfach das Beste.
Lucy lag in den Scherben des zerbrochenen Glastisches, die Arme dicht am Körper anliegend, die Beine weit gespreizt. Sie hatte nur noch das Weiße Hemd von Matthew an, doch keinen Slip, keine Hose, nichts. Ihr Kopf blutete auf den weißen Teppich und verklebte ihre blonden Haare und färbte diese rot. Ihre rechte Hand hatte einen tiefen Schnitt und eine große Scherbe steckte tief in der Mitte der Handfläche. Ihr gesamter Körper war über und über durchbohrt von Splittern und blutete aus allen Öffnungen.

Ein lautes Klopfen an der Tür, dann, nach einiger Zeit des Wartens, ein Splittern von Holz und ein krachendes Geräusch, weckten Lucy so gut es ging auf. Sie blinzelte hinüber zur Tür, diese war aufgebrochen und lag 3 Meter weiter auf dem Fußboden.
"LUUUCCCYYYY!!!!" Schrie Thea und rannte zu ihr.
Hinter ihr war noch Christian, der ebenfalls sogleich auf Lucy zugerannt kam, sie hoch nahm und sie auf die Couch legte. Thea rannte ins Bad und holte eine Pinzette und warmes Wasser plus Lappen, legte den Kopf von Lucy auf ihren Schoß und versuchte so viele Glassplitter wie möglich aus dem, durch und durch, aufgeschlitzten Körper zu holen.
"Was hat er mit dir gemacht" fragte Christian mit einer entsetzten Stimme und schaute mitleidend auf Lucy hinab, während er ihre Backe streichelte.
Lucy lag einfach da. Sie war glücklich darüber, dass ihre Freunde sie gefunden hatten,wie auch immer sie das hinbekommen hatten. Sie wusste nicht wie sie das jemals wieder gut machen könnte.
Lucy wollte schreien, weinen, stöhnen, sich selber zerreißen, aber sie konnte es nicht. Ihr flogen die Worte von Tschaikowski, ihrem Lieblingskomponist aus dem 19 Jahrhundert, wieder und wieder durch den Kopf, der in seiner vorletzten 5. Sinfonie die Worte äußerte "Ach könnte ich doch nur eine Träne weinen".
"LUCY! Bleib wach! Bleib bei uns! Du musst wach bleiben! Bitte" sagte Thea in einem strengen aber mitfühlenden Tonfall und zwang Lucy so, ihre Augen offen zu halten und nicht wieder weg zu nicken.
"Das wird jetzt kurz weh tun" flüsterte Thea erneut und streichelte Lucy durch die Haare. Im selben Moment fühlt Lucy einen alles zerreißenden Schmerz in ihrer rechten Handfläche und schrie vor Schmerz so laut sie konnte, wenigstens war sie dadurch wieder ein Stück wacher geworden.
Thea legte den 15 Zentimeter langen und spitzen Glassplitter in die, mit warmen Wasser gefüllten, Schale.
"Beruhige dich, es wird nicht mehr lange dauern" raunte die besänftigende Stimme von Christian an der Seite von Lucy, der sich daran machte die Glasscherben und den zerbrochenen Tisch zu fotografieren um Beweisfotos für den Notfall zu haben "danach bringen wir dich in ein Krankenhaus und dann wird sich ein Arzt professionell um dich kümmert".
"So! fertig!" Sagte Thea endlich und lächelte zuerst zu Christian dann zu Lucy. Sie küsste Lucy sanft auf die Stirn und befahl Christian sie zu seinem Auto zu tragen.
"Wenn ich dich erwische,dann werde ich dich eigenhändig umbringen!" Knurrte Thea beim Hinausgehen aus der Wohnung und setzte ein mörderisches Gesicht aus Wut, unvergleichlichem Hass und einem leichten Grinsen auf.
Christian mit Lucy auf den Armen rannte die Treppe hinunter mit Thea im Gepäck. Sie rannten zu seinem Auto und stiegen ein. Es war ein großer Jeep, in dem leicht sieben Leute Platz nehmen konnten und fuhren so schnell wie möglich in das nächst gelegene Hospital. Thea riss die Tür auf und rannte an die Rezeption.
"Wir haben einen Notfall! Meine beste Freundin wurde in der Wohnung ihres Freundes schwer verletzt von uns aufgefunden! Sie wurde sehr wahrscheinlich auch vergewaltigt! Ich möchte, dass ihr auf der Stelle geholfen wird! Das Formale werde ich übernehmen!" Schoss Thea sofort mit einer energischen Stimmlage los und fuchtelte gleichzeitig mit ihren Händen umher. Sogleich wurde Lucy auf eine Liege gelegt und in das nächste Zimmer geschoben, wo sich sofort um sie gekümmert wurde.
"Wollen sie beide hier bleiben?" Fragte der Arzt mit nettem Ton und schaute Thea und Christian an.
"Auf jeden Fall!" Entgegneten beide wie aus der Pistole geschossen aus einem Mund.
"Wir werden zuerst die Wunden verarzten und dann Untersuchungen auf eine Vergewaltigung durchnehmen! Ich denke, dass wir in 1-2 Stunden mehr wissen. Bitte machen sie sich keine Sorgen die Wunden sind nicht lebensbedrohlich, das Schlimmere wird die psychische Verfassung ihrer Freundin sein!" Fuhr der Arzt fort und beauftragte seine Helfer Lucy mit zu nehmen und ging hinter ihnen aus dem Zimmer. "Sie können gerne hier oder in der Eingangshalle warten".
"Danke" antwortete Thea in einem dankbaren Ton "Wir werden in der Eingangshalle warten".

Verschieden große Kreise, bunte Flecken überall. Betäubt zu sein fühlte sich gut an, besser als Lucy es sich vorgestellt hatte. Sie fühlte nichts mehr, keinen Schmerz, keine Angst, einfach nichts, aber das Schönste war, dass sie keine Träume hatte, keine Illusionen, keine Vorstellungen, keine Albträume, nur verschieden große Kreise und bunte Flecken überall.

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