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~ Cohesion ~

Mit zitternden Fingern legte ich den Strauß auf den Boden. Es fühlte sich so an, als wäre es gestern gewesen, dass ich hier stand. Tränen sammelten sich in meinen Augen an, aber ich versuchte sie weg zu blinzeln. Schnell warf ich einen prüfenden Blick zum Eingangstor. Der schwarze BMW stand am Straßenrand. Schnell wischte ich mir die Träne weg, die sich aus meinem Augenwinkel gelöst hatte.

„Es tut mir so unendlich leid.", sprach ich flüsternd und räusperte mich, als ich zum nächsten Wort ansetzten wollte.

Jedoch blieb es mir im Hals stecken, als ich die kleine, zierliche Gestalt sah, welche mich wie versteinert ansah.

Mein Herz machte einen Aussetzer, während sie einen weiteren Schritt auf mich zu machte.

Dazu war ich nicht bereit. Es ging zu schnell.

Eine Woche zuvor

Wie betäubt saß ich auf meinem Bett und nahm gar nicht wahr, was alles um mich herum geschah. Erst, als ich hörte, wie die Haustüre ins Schloss fiel, wusste ich, dass die Polizei ihn abgeholt hatte. Ich musste schwer schlucken. Meine Schwester saß wie versteinert im Wohnzimmer. Wir konnten beide den Schock nicht verarbeiten.

Was würde nun geschehen?

„Danke.", hörte ich die leise Stimme meiner Mutter. Sie kam aus dem Flur. Ich bekam keine Antwort mit. Ich hörte Schritte und blickte auf. Reece stand unschlüssig im Türrahmen, ehe er in mein Zimmer trat und die Tür hinter sich schloss.

„Willst du, dass ich gehe?", fragte er mich schließlich, nachdem wir uns eine Zeit lang nur angesehen hatten.

Panik überkam mich, wenn ich nur daran dachte, dass er jetzt ging. Aber die Frage war nicht, ob ich es wollte. Wollte er es? Ich könnte es verstehen, wenn ihm das hier zu viel war. Oder er entsetzt war. Ich würde es ihm nicht übel nehmen.

„Möchtest du es denn?", antwortete ich leise mit einer Gegenfrage. Meine Stimme klang ziemlich dünn. Wahrscheinlich sah ich aus wie ein Häufchen Elend.

„Ich gehe nicht, solange du mich nicht wegschickst." Seine Antwort kam sofort und ließ keinen Zweifel an seiner Aussage zu. Und genau deswegen konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Sie flossen einfach in Strömen mein Gesicht hinab. Jedoch nicht aus Kummer oder Schock. Sondern aus purer Erleichterung. Ich hätte es nicht ertragen können, wenn Reece mich danach nicht mehr mit denselben Augen sehen könnte. Wenn er sich fragen würde, ob mein Vater nicht irgendwie Recht hatte.

Ich versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken, als ich seine Arme erneut um meinen Körper spürte. Jedoch ließ ich es einfach zu. Ich brauchte mich nicht vor ihm zu schämen. Das hatte er mir hundert Mal bewiesen. Durch seine Worte und seine Taten.

Reece sagte nichts. Er hielt mich einfach nur fest und tröstete mich damit, wofür ich ihm unendlich dankbar war.

Erst, nachdem ich mich beruhigt hatte, löste er langsam den Griff um mich und reichte mir ein Taschentuch.

„Wir sind abgehauen. W-wir haben ihm nicht erzählt, dass wir vorhatten auszuwandern.", schniefte ich zur Erklärung. Doch Reece wischte mir nur beruhigend meine Tränen weg, womit er vermutlich ausdrücken wollte, dass er keine Erklärung von mir erwartete. Dass alles okay war. Aber ich wollte es ihm erzählen.

„Meine Mutter hat die Scheidung eingereicht und hat sich gleichzeitig um die ganzen Papiere gekümmert, da sie nicht mehr ertragen konnte, dass mein Vater uns immer wieder aufgesucht hat. Betrunken. Und, weil sie die Blicke nicht mehr auf sich spüren wollte. Sie wollte sie Jo und mir ersparen. Deswegen sind wir in einer Nacht und Nebel Aktion abgehauen."

Erst, als ich aussprach, was passiert war, überkam mich erneute Panik. Was passiert, wenn Mom nun wieder die Koffer packen würde? Was ist, wenn wir wieder umziehen, weil mein Vater uns nicht in Ruhe lässt? Ich konnte nicht einfach wieder gehen. Nicht, wenn ich hier meine ganzen Freunde hatte. Und Reece. Das würde ich nicht nochmal durchstehen wollen. Aber, was, wenn es so kommt?

„Mom?!", schrie ich automatisch, weil ich mich dringend vergewissern musste, dass das nicht geschehen würde. Dass wir nicht wieder einfach abhauen würden.

Kaum hatte ich sie gerufen, wurde auch schon die Tür aufgerissen und meine Mutter stand im Zimmer. Ich hatte keine Ahnung wie sie es schaffte so stark auszusehen. An ihrer Stelle wäre ich schon längst zusammen gebrochen. Es wäre für mich alles zu viel geworden.

„Was hast du, Schätzchen? Ist was passiert?", fragte sie mich mit gehetzter Stimme und besorgtem Blick, der mich fast erneut in Tränen ausbrechen ließ.

„W-wir ziehen doch nicht wieder um, oder? Wir bleiben hier?" Flehend sah ich meiner Mom in die Augen und wusste sofort, dass sie bereits darüber nachgedacht hatte wieder zu verschwinden. So schnell ich konnte rappelte ich mich vom Bett auf und trat ein paar Schritte auf meine Mum zu, die unschlüssig da stand und nicht wusste, was sie darauf antworten sollte.

„Bitte.", hing ich noch hinten dran. Ich würde es nicht schaffen erneut alles aufgeben zu müssen. Ich wusste, dass ich nirgendswo glücklicher sein würde als hier. Hier hatte ich nach ein paar Monaten endlich alles akzeptieren und neu anfangen können. Ich war wieder glücklich gewesen. Mit der Hilfe von meinen Freunden und Reece. Wenn ich ging, würde ich erneut in dieses Loch fallen. Jedoch konnte ich meine Mutter nicht einfach so im Stich lassen. Meine Schwester auch nicht. Sie waren schließlich meine Familie.

In Gedanken sah ich schon alles an mir vorbeiziehen. Ich ließ alles, was ich hier erlebt hatte Revue passieren und drohte umzukippen, wäre ich nicht von der unbändigen Wut auf meinen Erzeuger davon abgehalten worden. Der Zorn, der sich wieder in Kummer und Verzweiflung umwandelte. Deswegen sank ich wieder auf mein Bett und klammerte mich hilfesuchend an Reece fest, welcher mir beruhigende Worte zu murmelte, während ich zu meiner Mutter aufsah. Auf eine Antwort wartend.

Ihr Blick glitt abwechselnd zu Reece und zu mir. Ich hörte, wie sie zittrig die Luft ein- und ausatmete.

„Wir werden nicht noch einmal umziehen, Maddie.", sprach sie den Satz aus, den ich am dringendsten gebraucht hatte zu hören. Tränen der Erleichterung sammelten sich in meinen Augen an und flossen schließlich in Strömen über meine Wangen.

„Egal, was er tut. Egal, wie.", fuhr meine Mutter fort, ehe sie auf mich zutrat und sich neben mich auf das Bett sinken ließ. „Ich verspreche dir, dass wir – ich mich nicht erneut davon unterkriegen werde. Wir werden gegen ihn kämpfen. Zusammen."

Als ich Reece vertraute Hand in meiner spürte, die Wärme, die von ihm ausging, wusste ich, dass er uns helfen würde. Er für uns da sein. Nicht nur für mich. Auch für meine Familie. Und dafür war ich ihm so dankbar.

„Wir schaffen das gemeinsam.", hörte ich die leise, aber entschlossene Stimme meiner kleinen Schwester, welche plötzlich im Türrahmen stand.

Ich war mir sicher. Wir würden das zusammen bewältigen. Irgendwie. 

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