~ The past ~

Als ich in das bekannte und zu vertraute Gesicht blickte wurde mir schwindelig. Sofort glitt meine Hand zur Tür, um mich dort irgendwie fest zu halten. Doch, als ich in dieses hasserfüllte, verabscheuende Gesicht sah, drohte ich einfach auf der Stelle zusammen zu brechen. Ich wollte nicht glauben, dass das gerade passierte. Ich konnte nicht glauben, dass ich ihn wiedersehen musste.

Jedes einzelne Wort kam wieder hoch. Jeder einzelne Satz. Jede Handlung.

Ich spürte die Hand meiner Mutter erneut auf meiner. Wie sie mit verweinten Augen zu mir sah. Und ich wusste, dass das, was ich ihr sagen musste, ihr das Herz erneut brechen würde. Ich hörte das Piepen der Monitore in meinen Ohren. Die Stimmen der Ärzte und ich sah das Gesicht des Polizisten, welcher versuchte mir Fragen zu stellen.

Und dann sah ich ihn. Wie er mich ansah. Ich hörte, wie er mich anschrie, während ich nichts mehr als ein Häufchen Elend war. Während meine Mutter sich mit letzter Kraft vor mich stellte und mich beschützte. Vor ihm. Meinem eigenen Vater, der mich abgrundtief verabscheute.

Vor meinem inneren Auge blitzte der Moment auf, in dem er uns besucht hatte und wütend ein Bild von uns beiden zertrümmert hatte. Sturz besoffen, aber dennoch meinte er jedes einzelne Wort so.

Während nur ein paar Sekunden vergangen waren, strömten Bilder von Wochen auf mich ein, welche ich verdrängt hatte und nun wieder ans Tageslicht kamen. Mein Körper war zu nichts mehr fähig. Nicht wie ich erwartet hatte, brach ich zusammen oder in Tränen aus. Ich stand einfach nur da und starrte in das Gesicht meines Vaters, was mich an so viel schlimmes erinnerte. Ich wollte gehen, um mich schlagen und schreien, die Türe wieder zuschlagen und weinen, aber ich konnte es nicht.

„Maddie? Was ist denn los?", hörte ich ganz entfernt die verwirrte Stimme meiner Mutter. Meine Ohren rauschten, als ich wahrnahm, wie mein Vater langsam einen Schritt auf mich zumachte. Sein rechter Arm hob sich langsam und für einen Moment glaubte ich, dass er mich schlagen oder sogar umarmen wollte. Aber er griff nur nach der Tür und ließ sich hinter sich ins Schloss fallen. Er hatte keinerlei Emotionen mehr für mich übrig. Ich war ihm egal. So sehr hasste er mich. So sehr, dass es ihm schon wieder gleichgültig war, was mir mit geschah.

Hinter mir hörte ich Schritte.

„Ich möchte sie sehen.", hörte ich zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr die Stimme meines Vaters, was mich schließlich reagieren ließ. Instinktiv wich ich ein paar Schritte zurück und konnte meinen Kopf in Richtung meiner Mutter schnellen lassen, die wie angewurzelt im Wohnzimmer stand und krampfhaft versuchte keine Reaktion zu zeigen. Panik überkam mich. Blanke Panik und Angst.

Ich stürmte auf meine Schwester zu, die mit kalkweißem Gesicht und am ganzen Leibe zitternd am Esstisch saß. Ich wollte nur eins. Sie beschützen. Mir war klar, dass mein Erzeuger nur wegen ihr hier war. Er wollte sie wieder mitnehmen. Und obwohl er kein Recht dazu hatte, verfiel ich in Panik.

Mein Herz wollte gar nicht mehr aufhören zu rasen, während ich immer wieder drohte wegzusacken, hätten mich nicht genau in diesem Moment schützend zwei warme Arme umgeben, in die ich mich vergraben konnte. Das einzige, was ich wahrnahm, war wie Reece Anwesenheit langsam die Betäubung aus mir sog. Der Nebel in meinem Gehirn lichtete sich langsam, während ich wieder bewusst zuhören konnte, was gerade geschah.

„Verschwinde, George! Ich möchte, dass du jetzt sofort gehst!", verlangte meine Mutter in einem ruhigen, aber dennoch bestimmendem Tonfall.

Das verächtliche Lachen meines Vaters ging mir durch Mark und Bein. Es war so, als würde es an den Wänden wiederhallen und mich ersticken wollen. Hilfesuchend klammerte ich mich an Reece, der ohne seinen wachsamen Blick von meinem Vater zu nehmen, seinen Griff um mich erneut verstärkte und mir so Halt gab, den ich dringend benötigte. Ich hatte keine Ahnung, ob er wusste, wer er war. Vielleicht konnte Reece sich es erschließen.

Those who leftLies diese Geschichte KOSTENLOS!