37. gemähter Grashalm

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Wie betrunken von der Musik stolperte ich nach dem Konzert glücklich lachend, halb an Bennet hängend, aus dem Pub an der Queens Wharft. Ich war immer noch in meinem enormen Stimmungshoch, dass ich verspürte, seit wir in der Menge mit getanzt und mitgesungen hatten.
Jesse war noch dort geblieben, um die Band in ihrem Backstagebereich zu besuchen, doch Ben und ich waren gegangen, da ich später noch arbeiten musste.

"Dir hats also gefallen nehme ich an." Bennet sah mich von der Seite an und erwiderte mein breites Grinsen.

"Ja total", gab ich ehrlich zu. "Es war der Wahnsinn."

"Ich habs dir doch gesagt", sagte er grinsend.

Eine Weile liefen wir schweigend nebeneinander her. Nach den zwei Stunden in dem lauten Pub war die Stille zwar nicht unangenehm, aber doch ungewohnt.

"Sollen wir noch was Essen gehen?", fragte Bennet unvermittelt, als wir schon fast an der Haltestelle waren. "Also wenn du noch Zeit hast."

"Hab ich. Meine Schicht fängt erst um acht an."

"Wo sollen wir denn hin?"

"Da wo wir schon mal waren, da hatten sie gutes Fish and Chips", schlug ich vor. Bis nach Hillsborough war es zwar ein Stück, aber das Essen dort war wirklich gut gewesen und außerdem hatte ich nichts dagegen, meinem alten Zuhause mal wieder einen Besuch ab zu statten.

"Find ich 'ne gute Idee", stimmte Bennet mir zu und wenige Minuten später saßen wir in der Straßenbahn, die uns in die richtige Richtung bringen sollte.

"Hast du den MP3-Player dabei?", fragte er unvermittelt. "Dann kann ich dir ein paar Sachen zeigen."

Ich holte das rote Ding aus meiner Tasche und drückte es ihm in die Hand. Er grinste wissend. Es war durchaus verdächtig, dass ich das Teil mit mir herum schleppte, aber solange er nichts dazu sagte, würde ich es garantiert nicht tun.

Ein paar Sekunden später hatte ich einen Stöpsel im Ohr und laute Klänge erfüllten mein Ohr. Nachdem ich ein bisschen zugehört hatte, erkannte ich das Lied.

"Das ist doch die Band, die wir heute angeschaut haben oder?", fragte ich Bennet.

"Ich hatte mich schon gefragt, wann du es endlich erkennst", antworte er grinsend und ich lehnte mich wieder in meinem Sitz zurück und lauschte der Musik.

Diese Band live zu hören, war ein ganz anderes Erlebnis gewesen. Ihre Musik gefiel mir so zwar auch gut, doch diese ganzen Glücksgefühle und die pure Energie, die ich in der Menge gespürt hatte, kamen nicht so richtig rüber.

Die restliche Fahrt über, hörten wir verschieden Lieder der Criminal Highways und sprachen nicht mehr miteinander. Jeder von uns war in seine eigenen Gedanken versunken und es herrschte eine Art friedliche, erschöpfte Stille zwischen uns. Keineswegs unangenehm.

Im Restaurant angekommen, begrüßte Maggy mich ebenfalls wie eine alte Freundin. Obwohl unser letzter Besuch über zwei Monate her war, erinnerte sie sich an mich und erzählte mir, wie wunderschön ich war. Obwohl ich sie mochte, war mir das dann doch ziemlich unangenehm. Ich hielt mich jetzt nicht für hässlich, doch mit Komplimenten konnte ich einfach nicht umgehen. Außerdem fragte mein dämliches Gehirn sich die ganze Zeit, ob Ben das wohl auch fand. Ich musste dringend mit diesen Gedanken aufhören!

Maggy bugsierte uns in eine gemütliche Ecke des Restaurants und drückte uns die Speisekarten in die Hand. Eigentlich sinnlos, ich wusste schon, dass ich wieder Fish and Chips nehmen würde. Bennet blätterte jedoch interessiert in der Speisekarte und erzählte mir zu allen möglichen Gerichten etwas. Wie es aussah, hatte er sich schon mehr oder weniger durch die gesamte Speisekarte probiert.

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!