36. gemähter Grashalm

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Offensichtlich war dem Rest der Schülerschaft mittlerweile auch aufgefallen, dass Alia und ich häufig zusammen steckten. Jack und Tyler wussten es schon länger und hatten sich bisher mit Fragen einigermaßen zurück gehalten, aber da nun alle darüber tratschten, sahen auch sie keinen Grund mehr, mich nicht darüber aus zu fragen.
So musste ich ihnen notgedrungen Rede und Antwort stehen. Die beiden löcherten mich förmlich und vor allem Jack wollte wissen, wie Alia das aufnahm, wie es ihr ging und vieles mehr. Ich verstand ihn. Seit sie Jenna und Sarah so harsch abgewiesen hatte, hatte zwischen ihm und Al ebenfalls Funkstille geherrscht und er hatte sich große Sorgen um sie gemacht.

„Kannst du ihr sagen, dass ich sie vermisse?", fragte Jack mich, nachdem die beiden die Fragestunde beendet hatten. Er klang sehr unsicher, doch in seinen Augen konnte ich Sorge und eine tiefe Freundschaft zu Alia sehen. Sie war ihm wirklich wichtig.

Ich antwortete nicht sofort, da ich mir nicht sicher war, ob ich der Richtige war, diese Nachricht zu überbringen, oder ob ich ihm besser riet, es selbst zu tun.

„Ich kanns ihr natürlich auch selbst sagen, aber irgendwie glaube ich, dass du momentan den besseren Draht zu ihr hast und zu ihr durchdringen kannst. Du musst das echt nicht machen", erklärte er hastig, da er mein Schweigen wohl missdeutete.

„Natürlich mach ichs. Ich hab grade nur überlegt wie", unterbrach ich ihn und grinste ihn an.

„Gut." Er lachte erleichtert auf. Dann sah er mich ernst an. „Du tust ihr wirklich gut, also bitte versau's nicht. Ich glaube, das würde sie endgültig für immer kaputt machen."

Ein undefinierbares Gefühl ergriff mich. Ich konnte nicht sagen was es war. Keine Panik, aber es fühlte sich ein wenig so an. Ich war mir nicht sicher, ob Jack recht hatte. Waren wir wirklich schon so etwas wie ein Paar? Eigentlich nicht. Wir hatten uns noch nicht einmal geküsst, wenn man von meinem kleinen Ausrutscher an der Straßenbahnhaltestelle absah. Und den hatte sie alles andere als gut aufgenommen.

„Ich weiß gar nicht, ob sie das auch so sieht", erklärte ich Jack dann nach langem Schweigen meine Bedenken. „Mit ihr ist alles ein wenig anders als normal."

„Du meinst, dass wüsste ich nicht", lachte Jack. „Hey, ich war auch mal mit ihr zusammen." Er wurde jedoch gleich wieder ernst. „Du tust ihr trotzdem gut, und wenn ihr nur zusammen Musik hört. Irgendwie wirkt sie gesünder, seit ihr das macht.

„Ja sie wirkt nicht mehr so, als würde sie gleich zusammen brechen, wenn man sie auch nur anspricht", pflichtete Tyler bei.

Das Gespräch blieb mir noch einige Tage mit jedem Detail im Kopf. Theoretisch kannten sie Alia viel besser als ich und konnten eher abschätzen, ob sie sich wirklich zum Positiven verändert hatte. Mir war ebenfalls aufgefallen, dass sie sowohl lockerer als auch offener wirkte, doch das konnte täuschen und sofort wieder umschlagen, deshalb hatte ich mich bisher nur vorsichtig getraut zu denken - niemals hätte ich es ausgesprochen - dass sie sich vielleicht langsam veränderte. Vielleicht sogar wieder zu ihrem alten Selbst, das ich allerdings nicht kannte.

Als ich Freitag zu meinem Treffen mit Alia in den Keller ging, fingen mich auf einmal Jenna und Sarah vor der Treppe ab. Sie zerrten mich in ein leeres Klassenzimmer. Sarah schob mich herein und Jenna verschloss die Tür hinter uns.

„He was soll das?", beschwerte ich mich aufgebracht. Ich hatte keine Ahnung, was sie von mir wollten, befürchtete aber das Schlimmste.

„Du musst uns helfen", platzte Sarah heraus. Von den beiden war sie die Impulsivere. Soweit ich sie kannte, war das eine Eigenschaft, die sie schon öfter in Schwierigkeiten gebracht hatte. Jenna war weniger impulsiv, stand dafür aber offensichtlich auf mich, was den Umgang mit ihr viel schwerer machte, auch wenn ich sie so gut leiden konnte.

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