~ Being there for him ~

Maddies POV

Die Zeit schien gar nicht mehr zu vergehen, bis sich endlich die Tür des Verhörraums öffnete und ich in sein Gesicht sehen konnte. Sofort sprang ich auf und hielt den Atem an. Noch nie hatte ich die Winchester Familie so gesehen. Vater und Sohn sahen beide so gebrochen aus, aber etwas, was mir Hoffnung gab, war, dass sie sich gegenseitig Halt zu geben schienen. Keiner von beiden musste das alleine durchstehen. Und das ließ mich wieder aufatmen.

Unschlüssig, ob ich zu ihm rennen oder einfach nichts tun sollte, stand ich da und wartete ab. Er hatte mich noch nicht bemerkt, da er mit seinem Vater und einem weiteren Herren im Anzug sprach. Ich vermutete, dass das sein Anwalt war. Ich warf einen nervösen Blick zu meiner Mom, die mich aufmunternd anlächelte. Wieso war ich auf einmal so unsicher? Vielleicht, weil ich wusste, dass sich etwas verändert hatte? Nicht zwischen Reece und mir, aber zwischen ihm und seiner ganzen Familiensituation. In seinem Inneren hatte sich etwas verändert.

Gerade, als ich mich wieder auf meinen Stuhl sinken lassen wollte, da Reece weiterhin so in das Gespräch mit den zwei anderen Männern vertieft war, huschte sein Blick kurz durch den Raum. Er glitt zu einem bulligen Polizisten, dann zum Kaffeeautomaten und wieder zurück. Suchte er etwas? Ein kleiner Teil in mir hoffte, dass er nach mir Ausschau hielt, aber es war fraglich, ob er überhaupt Nerven hatte an mich zu denken, nachdem, was heute passiert war. Doch, dann fixierten seine wundervollen Augen doch mich und mein Herz machte automatisch einen Satz. Zuerst sah er mich nur an. Reece starrte mich nur ganz eindringlich an, so, als würde er nicht glauben, dass ich hier saß. Ich zwang mich dazu ihn schwach anzulächeln, da es mir merkwürdig vorkam einfach hier zu sitzen und nichts zu tun, als wären wir Fremde.

Ich sah, wie sein Vater ihn am Arm berührte und somit signalisieren wollte, dass sie fertig mit dem waren, was sie besprochen hatten.

Auch bemerkte ich, wie Reece etwas zu seinem Vater sagte ohne den Blick von mir abzuwenden. Und dann geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.

Ein gewaltiger Stein fiel mir vom Herzen, als Reece sich langsam in Bewegung setzte, vorbei an einer Gruppe von Auszubildenden, direkt auf mich zu. Ich wollte den Mund aufklappen, um etwas zu sagen, sobald er nur ein paar Meter von mir entfernt war, aber stattdessen spürte ich nur, wie er mich fast schon etwas unsanft in eine Umarmung zog, die ich erleichtert erwiderte.

Ich fühlte, dass er derjenige war, der diese Umarmung jetzt brauchte und ich war mehr als bereit sie ihm zu geben. Fest schlang ich meine Arme um seinen Körper und drückte ihn so stark an mich, dass er vermutlich erstickt wäre, wenn wir uns nicht nach einiger Zeit voneinander gelöst hätten.

„Du bist hier.", stellte er mit heiserer Stimme fest, was mich traurig lächelnd ließ.

„Natürlich bin ich hier. Was denkst du denn?", antwortete ich ihm leise und sah, meine Mutter, die am Kaffeeautomaten stand und immer wieder verstohlene Blicke zu uns warf. Es war schlecht einzuschätzen, was sie dachte. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie Reece zur Rede wegen dem Maskenball gestellt hätte, würde sie nicht sehen, dass er mit der Welt völlig am Ende war. Es war auch wirklich nicht zu übersehen. Vorsichtig fuhr ich ihm durch die strubbeligen Haare, um sie etwas in Form zu bringen, während ich ihn nachdenklich betrachtete. Ich wollte nicht sagen, dass es mir leid tat, weil ihm das auch nicht weiterhelfen würde und ich aus eigener Erfahrung wusste, dass es jemanden nur noch zusätzlich wütend machte so etwas zu hören. Gleichzeitig wollte ich ihm aber auch irgendwie Trost spenden. Für ihn da sein. Ich wusste nur nicht wie.

„Danke.", meinte Reece schließlich leise, wobei ich nur den Kopf schüttelte. Es war selbstverständlich gewesen, dass ich dablieb. Er hätte das gleiche für mich getan. Dessen war ich mir sicher.

„Nicht nur, dass du dageblieben bist. Auch, dass du mich davor bewahrt hast ihm noch mehr wehzutun. Danke, dass du mich nicht zum Mörder werden hast lassen." Es war komisch wie viel Abschaum und Dankbarkeit gleichzeitig in seinen Worten lag.

„Das warst nicht du. Ich habe dich nur wieder klar denken lassen, Reece.", antwortete ich ihm.

„Es tut mir unendlich leid, dass ich dich geschlagen habe.", fuhr er fort. „Tut es weh?"

Es war merkwürdig. Aber, bevor er es nicht angesprochen hatte, hatte ich den Schmerz in der Nähe meiner Rippen nicht wahrgenommen. Erst, als er es erwähnte, spürte ich das Stechen und den dumpfen Druck.

„Es war meine Entscheidung gewesen. In ein paar Tagen ist es wieder weg.", erwiderte ich, ehe ich einen Blick auf seine rechte Hand warf, an der angetrocknetes Blut klebte. Vorsichtig strich ich mit meinen Finger darüber und wünschte mir es einfach so abwischen zu können. Es passte nicht zu ihm. Er war kein Schläger. Er hatte nur seinen Bruder verteidigt. Er war nur für ihn eingetreten.

„Du weißt gar nicht wie glücklich ich darüber bin, dass ich dich habe, Mad.", sagte Reece plötzlich. Dann zog er mich auch schon wieder in eine Umarmung, bei der ich mich sofort wieder wohl fühlte. Egal in welcher Situation wir waren, bei ihm fühlte ich mich immer geborgen.

Ich bemerkte, wie Reece einen kurzen Blick über die Schulter zu seinem Vater warf, der uns nachdenklich beobachtete. Keine Ahnung, ob es ihm gefiel oder nicht.

„Was passiert jetzt mit dir?", fragte ich ihn ängstlich. Wenn ich nur daran dachte, dass er in eine Zelle gesteckt werden könnte, wurde ich wütend und panisch.

Reece umfasste mit seinen warmen Händen mein Gesicht und sah mir intensiv in die Augen, ehe er das Wort ergriff:
„Mein Vater bezahlt die Kaution. Dann kann ich hier raus. Und...dann sehen wir weiter."

Es war auch dumm von mir zu glauben, dass die Staatsanwaltschaft keine Anklage gegen ihn erheben würde. Aber wenigstens konnte er jetzt hier raus. Ich würde vor tausend Gerichten beschwören, dass Reece nicht so war und, dass er nur aus dem Affekt gehandelt hatte. Hauptsache er würde nicht in den Jugendknast gesteckt werden.

„Hey, ich sehe schon wieder, wie du dir alles Mögliche zusammen spinnst. Mach dir keine Sorgen, Mad. Ich krieg das schon wieder hin.", versuchte er mich zu beruhigen.

„Wir. Wir bekommen das schon wieder hin.", korrigierte ich ihn sofort.

Seine vorher traurigen Augen nahmen plötzlichen einen wieder sanften Ausdruck an, was mir wieder Hoffnung gab. Er war nicht ganz gebrochen. Reece war stark.

„Womit ich dich nur verdient habe, ist mir auch ein Rätsel, Mad.", hörte ich ihn leise lachen, ehe er erneut einen Blick zu seinem Dad warf, der uns allerdings nicht mehr ansah, sondern mit einer Polizistin sprach. Vermutlich wegen der Kaution.

„Geh nur!", forderte ich Reece auf und er sah mich kurz zweifelnd an.

„Deine Familie braucht dich jetzt!", fügte ich noch hinzu und strich ihm dabei mit dem Daumen zögerlich über die Wange. „Ich bin da, wann immer du mich brauchst."

„Mad, ich muss dir was sagen.", erwiderte Reece mit angespannter Miene und ernster Stimme, was mich dazu brachte ihn besorgt anzusehen. Reece holte tief Luft. „Ich-"

Doch bevor er seinen Satz zu Ende formulieren konnte, legte ihm sein Vater eine Hand auf die Schulter.

„Ich glaube, wir sollten nach Hause, mein Sohn.", unterbrach er unser Gespräch.

Am liebsten hätte ich seinen Dad angeschrien uns noch etwas Zeit zu geben, aber Reece konnte mir immer noch einmal sagen, was ihm auf dem Herzen lag. Nun stand seine Familie an erster Stelle.

„Ist schon okay.", wandte ich mich an Reece und lächelte ihn dabei so aufrichtig wie möglich an.

„Ich sag es dir, wenn wir uns das nächste Mal sehen. Ich verspreche es dir, Mad.", antwortete Reece mir, ehe er sich zu mir herüber beugte und mir einen sanften Kuss auf die Wange gab. Erneut wünschte ich mir, ich hätte ihn auf meinen Lippen gespürt.

Dann wandte er sich mit seinem Vater, welcher mir freundlich zunickte, zum Gehen.

Ich sah den beiden noch eine Weile hinterher. Bis meine Mutter mir eine Hand auf das Schulterblatt legte und mich behutsam in Richtung Auto führte.

Hoffentlich würden wir uns bald wiedersehen.


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