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~ His Mom ~

Reece packte seine Mutter am Arm und wollte sie in Richtung Parkplatz ziehen, aber sie stemmte sich gegen seinen Griff und drehte sich mit einem angsterfüllten Blick zu mir um. Ich stand immer noch in derselben Position und konnte nicht begreifen, was gerade passiert war. Ich verstand es nicht.

„Madison, sie muss mitkommen! Du kannst sie hier nicht alleine lassen!" Mit einem flehenden Blick sah Reece Mutter zu ihm auf, der zuerst sie eingehend betrachtete und dann mich mit einem entschuldigenden Blick ansah. Obwohl mich diese Frau nicht kannte schien es ihr aus irgendeinem Grund wichtig zu sein, dass ich mitkam. Und das berührte mich irgendwie. Trotz des Fakts, dass mir keine Gefahr drohte.

Reece schien immer noch mit sich zu hadern. Er wusste offenbar nicht, was er tun sollte. Seiner Mutter nachgeben und mich bitten mitzukommen oder sie hier einfach wegschleifen. Also nahm ich die Sache in die Hand.

„Ich komme gerne mit, Mrs. Winchester.", ergriff ich das Wort und bewegte mich in ihre Richtung.

Entschlossen griff Reece Mutter nach meinem Arm, den sie so fest umklammerte, dass ich dachte, mir würde die gesamte Blutzufuhr abgeschnürt werden. Doch ich ließ mir nichts anmerken und lächelte sie beruhigend an.

Reece, welcher mich die ganze Zeit ungläubig angesehen hatte, schien sich wieder gefangen zu haben.

„Dann kommt mit!", hörte ich ihn sagen und wir gingen in einem zügigen Schritttempo zu seinem Wagen, welchen er nur ein paar Meter entfernt geparkt hatte. Mir entging dabei nicht, wie Mrs. Winchester immer wieder nervöse Blicke über die Schulter warf.

Ich öffnete ihr, am Parkplatz angekommen die Beifahrertür und setzte mich dann selbst nach hinten.

„Beruhig dich, Mom. Dir passiert nichts. Das verspreche ich dir.", redete Reece behutsam auf sie ein, während er den Motor startete und los fuhr.

Als Mrs. Winchester sich zu mir umdrehte, kaute sie angespannt auf ihren Fingernägeln, weswegen ich versuchte sie mit einem aufrichtigen Lächeln zu beruhigen. Es schien zu meiner Verwunderung etwas zu helfen, denn sie entspannte sich etwas und ließ ihre Hand sinken.

„Du erinnerst mich an meinen Sohn. Ist es nicht so? Er hat auch immer so ein Lächeln, bei dem die Sonne aufgeht.", sagte sie plötzlich, was Reece einen nervösen Blick über die Schulter werfen ließ, aber ich gab ihm mit einem Nicken zu verstehen, dass es schon in Ordnung war. Mir war sofort klar, dass sie von Gabriel sprach.

„Dankeschön, Mrs. Winchester.", meinte ich höflich und sie lächelte mich zum ersten Mal wieder richtig an.

„Nenn mich bitte Theresa.", bat sie mich und ich nickte zögerlich.

Etwas stimmte nicht mit ihr. Die Art wie sie sprach. Oder auch ihre Ticks. Sie fragte öfter einmal nach, ob es nicht stimmen würde und mir schien es so, als meinte sie damit niemanden bestimmten. Auch wirkte sie fast immer etwas verängstig oder nervös.

Dennoch erinnerte sie mich an Reece. Ihre grünen Augen strahlten, wenn sie mich anlächelte genauso wie seine. Sonst hatten Mutter und Sohn äußerlich nicht sehr viel gemeinsam.

„Reece hat mir erzählt, dass du viel liest. Stimmt doch, oder?" Sie legte eine kurze Pause ein, in der ich nickte und sie dann anfing kurz zu kichern. „Ich sage immer: Wenn ich zu viel von der Realität hatte, öffne ich ein Buch."

Die Art zu reden hatte sie auch von ihm. Mit Wörtern umzugehen. Oder er hatte es von ihr.

„Wir sind da, Mom.", meinte Reece auf einmal, als wir vor seinem Haus hielten. Theresa schluckte schwer und sah mich mit traurigen Augen an. Ich konnte mir denken, woran sie gerade dachte. An den vierten Oktober.

„Kommst du?", fragte ich sie und griff vorsichtig nach ihrer kalten Hand. Theresa sah mir für einen Moment nur kurz in die Augen, ehe sie zögerlich nickte und sich dann mit zittrigen Fingern an der Autotür zu schaffen machte. Reece, welcher aufgesprungen war, half seiner Mutter aus dem Auto und ging mit ihr in Richtung Eingangstür. Ich schloss derweil die Autotür und lief etwas unschlüssig, was ich nun tun sollte, einfach hinter den beiden her. Sobald wir an der Türe angekommen waren, wurde sie aufgerissen und Mr. Winchester blickte uns erschrocken entgegen.

„Theresa, ist etwas passiert?", fragte er sie besorgt, ehe er zur Seite trat, sodass wir alle eintreten konnten. Mr. Winchesters Blick streifte mich kurz. Er schien ziemlich überrascht zu sein, sagte aber nichts dazu. Stattdessen half er Theres aus ihren Sachen und führte sie dann einfach in Richtung Esszimmer.

Keine Ahnung, was ich erwartet hatte, aber sich nicht eine Ansammlung von Menschen. Manon, Reece Oma und James, Reee Opa.

Auch eine weitere Person befand sich im Raum. Sie hatte braune Haare und machte einen beruhigenden Eindruck auf mich. Als sie sich von ihrem Stuhl erhob und langsam auf uns zutrat, wusste ich schlagartig, wer sie war.

Dr. Leeson. Die Frau aus dem Sanatorium. Nun machte alles Sinn.

Theresa war Patientin dort. So musste es sein. Aber die Frage war: Warum?

„Kommst du, Theresa? Wir unterhalten uns kurz." Dr. Leeson legte Theresa sanft einen Arm auf das rechte Schulterblatt. Mr. Winchester trat einen Schritt zurück, damit die beiden Frauen an ihm vorbei, in einen anderen Raum gehen, konnten.

Sobald sie den Raum verlassen hatten, kehrte bedrückende Stille ein. Ich hatte das Bedürfnis so schnell wie möglich hier wegzukommen. Es war definitiv nicht für meine Augen bestimmt, was hier ablief. Ich wollte mich nicht einmischen.

„I-ich geh mal schnell auf Toilette.", nuschelte ich verlegen und wollte mich gerade auf den Weg machen, als mir einfiel, dass ich keine Ahnung hatte, wo das Badezimmer war.

„Den Flur entlang, dritte Tür rechts.", erklärte Reece mir schon bevor ich hätte fragen können.

Es gab einen Notfall mit einen meiner Freundinnen. Tut mir leid, dass ich nicht kommen konnte, schrieb ich meiner Mutter also im Bad eine Nachricht und hoffte, dass sie nicht allzu sauer sein würde. Allerdings glaubte ich, dass sie mich verstehen würde. Nachdem ich schon zehn Minuten hier saß, wusste ich, dass ich vermutlich mal wieder herausgehen sollte. Sonst würde es zu auffällig werden. Zögerlich öffnete ich die Türe und trat so leise wie möglich auf den Flur heraus. Hier war es gespenstisch still. Erst, als ich um die Ecke bog, hörte ich Stimmen.

„Hat sie ihre Medikamente nicht genommen? Wie konnte das passieren?", hörte ich Reece leise zischen.

„Ich weiß es nicht. Vielleicht hat sie etwas an damals erinnert, was eine starke Reaktion bei ihr ausgelöst hat. Du kannst von Glück reden, dass sie niemanden angefallen hat, Reece.", antwortete Mr. Winchester ihm, woraufhin ich hörte, wie jemand entsetzt nach Luft schnappte.

„Mom ist nicht gefährlich, okay? Sie ist kein Monster." Die Wut in Reece Stimme konnte man deutlich hören. Also riss ich mich zusammen und bog um die Ecke, bevor alles noch mehr aus dem Ruder lief.

Sobald alle Anwesenden mich entdeckt hatten, verstummte sie und ich gesellte mich automatisch zu Reece, dem ich meine rechte Hand auf den Rücken lag, um ihn so etwas zu besänftigen. Er durchbohrte seinen Vater regelrecht mit seinem Blick, bei dem es mir kalt den Rücken herunter gelaufen wäre.

Reece sah zu mir und etwas Zorn wich aus seinem Gesicht. Dann rückte er von seinem Vater ab und ließ sich mit ein paar Metern Abstand zu ihm auf einen Esszimmerstuhl sinken.

Gerade nochmal gut gegangen.

„Ich denke, dass ich nun besser gehen sollte.", machte ich Anstalten mich zu verabschieden.

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Mr. Winchester zögerlich nickte und Reece warf mir einen merkwürdigen Blick zu. Ich hatte keine Ahnung, was gerade in ihm vorging.

Ich lächelte alle Anwesenden ein letztes Mal schwach an, ehe ich auf dem Absatz kehrt machte und die Haustür aufriss. Sofort atmete ich die frische Luft ein und fühlte mich gleich viel wohler.

Keine Ahnung, ob es die richtige Entscheidung war zu gehen. Aber es fühlte sich richtig an.


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