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~ Madilyn? ~

Reece POV

Völlig ausgelaugt ließ ich mich zu Hause auf mein Bett fallen. Gestern Nacht hatte ich nicht geschlafen. Das schlechte Gewissen das Tagebuch meines Bruders zu lesen angefangen zu haben, plagte mich. Aber ich wollte endlich damit abschließen. Ich redete mir ein, dass es so gewollt war, dass es mir in die Hände gespielt wurde. Aber das, was mich noch viel mehr quälte war, dass mein Bruder ein riesen Geheimnis mit sich herumtrug und ich nicht wusste, was es war. Nicht einmal seinem Tagebuch vertraute er es an.

Ich wollte den Mund auf machen, aber nichts kam heraus. Es war, als würde mir jemand die Kehle zuschnüren und, als würde mich dieses beklemmende Gefühl ersticken. Ich bekam kaum Luft.
So hatte er es beschrieben, als er unserer Mutter davon erzählen wollte. Wenn er es uns anvertraut hätte, würde er dann noch leben? Ich war gerade erst einmal bei dem dritten Eintrag und es belastete mich schon ungemein. Hatte meine Mutter es auch gelesen und wollte, dass ich es nun bekomme? War das ihr Plan gewesen? Oder rechnete ich ihr zu viel an? Vermutlich war ihr nicht einmal bewusst gewesen, was sie mir in die Hände gespielt hatte. Wahrscheinlich war es ein Versehen. Dennoch hatte ich es nun. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte. Ich wollte meinem Dad davon erzählen, aber irgendwie wollte ich ihn nicht damit belasten. Ich wollte keine alten Wunden aufreißen und, wenn Gabriel dem Tagebuch nie anvertraut hatte, was ihn so gequält hat, würde er uns wieder im Ungewissen zurück lassen. Das wollte ich meinem Vater nicht zumuten. Es reichte, wenn ich damit zu kämpfen hatte.

Meine Gedanken schweiften zu dem Brief, den mein Bruder mir geschrieben hatte, aber ich weigerte mich immer noch ihn zu lesen. Es war mit Sicherheit sein Abschiedsbrief und das wollte ich mir nicht antun. Keine Ahnung, ob das schlau oder kindisch war. Es war mir auch egal. Ich würde ihn niemals lesen.

Alles wurde mir in letzter Zeit zu viel. Ich wollte Mad zurück. Ich vermisste sie unendlich. Ich wollte ihr sagen, was mich belastete, aber ich musste erst einmal selbst darüber klar werden. Das war das, was sie von mir verlangte. Und ich würde mein Bestes geben, um es zu erfüllen.

Maddies POV

Es dauerte eine Zeit lang bis ich wieder uneingeschränkt gehen konnte. Der Arzt, zu dem mich meine Mutter geschleift hatte, bestätigte, dass ich ihn mir nur verstaucht hatte. Als ich mich am Freitagnachmittag auf den Weg zu dem Geschäft meiner Mutter machte, um dort zu jobben, nahm ich einen anderen Weg. Ich ging durch den kleinen Park in Harmony, da ich keine Lust hatte an der Straße entlang zu gehen.

Gerade, als ich an einem kleinen See, welcher zugefroren war, vorbeiging, sah ich Reece in der Nähe einer Bank stehen. Zuerst machte mein Herz einen kurzen Satz und ich blieb vor Überraschung ihn hier anzutreffen erst einmal stehen. Er wirkte etwas nervös, da er ständig von einem Bein auf das andere trat. Oder ihm war einfach nur kalt. Reece schien mit irgendjemanden zu reden, der allerdings hinter einem Baum stand, sodass ich diejenige Person nicht erkennen konnte. Als ich langsam nähert trat, bemerkte ich auch seine Miene, die ziemlich angespannt aber gleichzeitig auch irgendwie...glücklich wirkte. Es war schwer zu beschreiben. Es wirkte so, als hätte er gerade erfahren, dass er gerade eine Prüfung bestanden hatte, aber die schwerste noch vor sich hatte.

Ich war neugierig, also schielte ich unauffällig herüber und musste mich zusammen reißen, um nicht abrupt stehen zu bleiben, als ich sah, mit wem er sich zu unterhalten schien.

Es war eine Frau. Sie hatte braune Haare, die ihr etwas über die Schultern fielen. Sie sah etwas verängstigt aus, aber gleichzeitig wirkte sie erleichtert. Ein nervöses Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie zu Reece aufsah. Sie war klein. Sehr klein. Und sie wirkte erschöpft.

„Madilyn!", hörte ich auf einmal jemanden rufen. Es war eine Frauenstimme. Ich lief einfach weiter. „Madilyn bleib stehen!", rief die Stimme erneut und aus Neugier, wen sie meinte, hielt ich an, um mich umzusehen.

Die kleine, braunhaarige Frau lief auf mich zu. Reece, welcher wie erstarrt an derselben Stelle stand, blickte mich nur völlig geschockt und mit weit aufgerissenen Augen an. Ich selbst war auch ziemlich perplex. Ich kannte diese Frau nicht. Sie dürfte mich auch nicht kennen. Noch dazu sprach sie mich mit dem falschen Namen an.

„Ich freue mich dich kennenzulernen, Madilyn.", meinte die Frau, als sie schließlich vor mir stand. Sie strahlte richtig. Wer war sie? Irgendwie kam sie mir bekannt vor. Ich hatte sie schon einmal irgendwo gesehen.

„Äh...ich...freu mich auch...", stammelte ich überfordert.

Ich warf einen schnellen Blick zu Reece, der sich schließlich aus seiner Starre gelöst hatte und zu uns rüber gerannt kam.

„Sie heißt Madison. Madilyn ist die nette Empfangsdame.", korrigierte Reece die Frau, die mich mit großen Augen ansah. Als wäre ich nicht real.

„Oh...da hab ich wohl was verwechselt. Aber du bist doch Reece Freundin, oder?", fragte sie mich mit einem so hoffnungsvollen Blick, der mir im Herzen wehtat, obwohl ich nicht einmal wusste warum. „Ist es nicht so, Reece? Du hast mir von ihr erzählt."

Er hatte von mir erzählt? Irgendwie freute mich das. Es freute mich sogar sehr.

Und als ich in ihre Augen sah, wusste ich auf einmal wer sie war. Also rang ich mir ein Lächeln ab und sagte: „Ja, so ist es."

Reece Kopf schnellte überrascht zu mir und ich meinte in seinem Gesichtsausdruck tiefe Dankbarkeit lesen zu können. Ich lächelte auch ihn sanft an.

Gerade, als die Frau zu einem Satz ansetzten wollte, stürmte eine Horde Teenager lachend an uns vorbei. Gefolgt von Kindern, die hinterherschrien, dass sie stehen bleiben sollten. Plötzlich veränderte sich der Gesichtsausdruck der Frau. Ihre Gesichtszüge entglitten ihr, während sie sich hilfesuchend bei Reece abstützte, der sofort besorgt einen Arm um ihre Taille schlang.

„Reece?" Sie rang verzweifelt nach Atem, während ich daneben stand und nicht wusste, was geschah. Ich sah sie einfach nur geschockt an und blickte erschrocken zu Reece, der mir einen verzweifelten Blick zu warf.

„Bring mich hier...bring mich hier weg! S-sie haben mich gefunden. Hörst du? Bring uns beide hier weg!", kreischte sie schon fast, völlig aufgelöst, was mich entsetzt zurückweichen ließ. Irgendwas lief hier gewaltig aus dem Ruder. Was war passiert? Überfordert sah ich erneut zu Reece, der fassungslos seine Augen schloss, ehe er sie wieder öffnete und entschlossen nickte.

„Ich bring dich hier weg, Mom." 

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