Kapitel 3

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Es war ein herrlicher Tag.
Er hatte wundervoll angefangen und lief auch genau so weiter. Es war ein herrlicher Herbsttag, die Blätter waren alle in verschiedensten Farben verwelkt, von immer noch grünen, über orangene, bis hin zu knall roten. Der Wind wehte in einer leichten Brise und die Sonne schien an dem, mit wenigen Wolken bedeckten Himmel.
Lucy und Matthew schlenderten die breiten Einkaufsstraßen von New York entlang und redeten ununterbrochen. Es schien als hätte sie die gesamte Welt um sich herum vergessen, sie wundern nur selten für kurze Zeit, von einem hupenden Auto oder einem schrillen Martinshorn, aus ihrer eigenen Welt gerissen, was sie aber nicht weiter störte.
Es war wie ein Traum in dem sich Lucy befand und hoffte, dass sie nie aus diesem Traum erwachen würde.
Um Nachmittag rum, setzten sich die beiden in ein altes, rustikales, aber dennoch sehr gemütlich eingerichtetes, kleines Café. Sie bestellten sich Kaffee und ein paar kleine, süße Leckereien.
Er brach ein kleines Stück der Pflaumentasche ab und reichte sie ihr, sie öffnete ihren Mund und ließ ihn das Stück hinein legen. Ehe er sich mit seinen Fingern wieder zurückziehen konnte, schloss sie ihren Mund und saugte leicht an den Fingerspitzen. Er grinste und zwinkerte sie an.
Es war ein so schönes Lächeln! Seine weißen, perfekten Zähne glitzerten im Sonnenschein, kleine Fältchen neben den Augen machten ihn ein bisschen kindlicher und seine Grübchen neben dem Mund, gaben ihm einen Ausdruck der perfekten Schönheit.
Lucy konnte nicht wegschauen und vergaß in allem Überfluss, dass sie immer noch an seinen Fingern saugte und zog sich, leicht peinlich berührt, zurück.
Er lachte ein wenig lauter los und Lucy musste selber anfangen zu lachen.
"Es wird dunkel" sagte Lucy mit einem leichten Anflug von Traurigkeit, als sie aus dem Fenster schaute.
"Dann sollten wir langsam machen, dass wir nach Hause kommen" antwortete er mit einem besänftigenden Ausdruck, der Lucy sofort das Gefühl vermittelte, ihn wieder sehen zu dürfen.
Sie bezahlten und machten sich auf den Weg.
Sie frierte leicht und begann langsam an zu zittern.
Es entging ihm nicht und er öffnete seinen langen, schwarzen Mantel und legte ihn um sie. Sie schmiegte sich so gut sie konnte an ihn und sogleich wurde ihr wunderbar warm. Ihr ganzer Körper schien immer noch kalt zu sein aber aus einem komischen und unwiderstehlichen Grund, spürte sie eine wohlige Wärme, sich um ihr Herz aufzubauen, welche ein leichtes Kribbeln auf ihrer ganzen Haut erzeugte.
Nach einer halben Stunde standen sie wieder vor seiner Tür.
"Ich muss jetzt nach Hause gehen" sagte Lucy mit bestürztem Gesichtsausdruck "werden wir uns wieder sehen?" .
"Ja, werden wir ganz sicher!" Antwortete Matthew mit einer netten und freudigen Stimme "Ruf mich an!".
Zum Abschied drückte er seine Lippen noch ein letztes Mal ganz sanft und wunderbar lange auf ihre Lippen. Wie bei dem erstem Mal, fühlten sie sich wohlig warm an, auch wenn es draußen kalt war.
Lucy brachte nur noch ein leises, stöhnendes "Machs gut" heraus ehe er die Tür aufschloss und hinter ihr verschwand.
Sie blieb noch einige Zeit an der verschlossen Tür stehen, dann machte sie langsam einen Schritt nach hinten und drehte sich um.
Draußen wurde es immer kälter, langsam setzte auch der Wind sein Kräftemessen fort und zwang einen, langsam und kauernd, Schritt für Schritt zu gehen. 
Lucy wartet an der Bushaltestelle und packte sich tiefer in ihren dunkelbraunen Wintermantel ein. Die Autos fuhren lärmend vorbei. Sogleich bildete sich ein Stau, der immer länger wurde und die Stadt mit einem Hupkonzert erfüllte.
Lucy zitterte am ganzen Leib und brauchte eine warme Heizung, oder irgend etwas, was windgeschützt war. Sie überlegte nicht lange und rief sich ein Taxi heran.
Nach kurzer Zeit fing es auch noch an zu regnen. Starke dicke Tropfen prasselten auf das Auto und machten zusätzlich Lärm.
Jetzt war die Stadt nicht mehr so schön wie vor ein paar Stunden mit Matthew zusammen. Sie wirkte kalt und grausam. All die schönen Läden und Cafés waren zugeschlossen und verriegelt und die Bäume waren in ein düsteres Schwarz getaucht. Sie wirkte beinahe leblos obwohl noch immer ein riesiges Getümmel auf dem Bürgersteig herrschte und die Straßen über und über mit Autos besetzt waren. Nur die Straßenlaternen lieferten einen leicht gelblich, warmen Schein, spendeten aber auch keinen Trost.
Lucy wünschte sich sie wäre nie gegangen, hätte ihn nie losgelassen, hätte nie aufgehört ihn zu küssen, wäre erst garnicht aus seinem wundervollen Bett aufgestanden. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit, raubte Lucy den letzten Nerv. Sie kannte das nicht, sie hatte noch nie so empfunden, noch nie geliebt, noch nie wirklich geküsst. Sie stockte. Ja, es ist war, "ich liebe ihn!" Dachte Lucy still bei sich und ertappte sich dabei wie eine kleine Träne über ihre Wange glitt und auf ihren Schoß tropfte. "Ich liebe ihn!, wie ist das möglich? Ich kenne ihn doch gerade einmal zwei Tage? Wie kann das sein?".
Lucy schaute aus dem Fenster.
Das Unwetter toste weiter durch die Straßen der übermächtigen Stadt und kämpfte erbarmungslos gegen sie an.
Endlich hielt das Taxi an und ließ sie bei ihrer Wohnung aussteigen.
Lucy lief schnell die Stufen hoch, zu der alten hölzernen Haustür und trat ein. Nach weiteren zwei Stockwerken öffnete sie die Tür ihres Apartments.
Es war schmucklos und unedel eingerichtet. Es wirkte wie eine Coladose zum wegwerfen gegenüber dem lichten und luxuriösen Loft von Matthew.
Lucy schmiss ihren Mantel in die Eckte der Garderobe und ließ sich in ihrem Wohnzimmer auf ihren alten Stoffsessel von ihrer Mutter fallen, vergrub ihren Kopf in ihren Händen und fing leise an zu weinen. Sie wusste nicht warum sie weinte. Sie hatte einen wunderschönen Tag mit ihm verbracht genau so wie eine wunderschöne Nacht, aber vielleicht war genau das der Grund, warum ihr die Tränen mittlerweile wie ein Wasserfall über das Gesicht liefen.
Alles was sie wollte, war bei ihm sein, nichts anderes. Sie wollte seine Wärme spüren, seine Lippen auf ihren, seinen Duft riechen, ihn anfassen.
Sie glaubte immer noch nicht, dass die letzten Ereignisse real waren, aber das mussten sie, ansonsten würde sie nicht so fühlen.
Plötzlich klingelte es an der Tür.
Lucy schreckte aus ihren Gedanken hervor und erschrak sich so sehr, dass sie einen spitzen Schrei von sich gab.
Sie stand auf und rannte zu Tür.
"Hallo?" Sprach sie leise hinein und versuchte so gut es ging zu verbergen, dass sie geweint hatte.
"Lucy?, Na endlich bist du wieder daheim, ich hab mir unfassbare Sorgen gemacht, ich dachte es wäre was passiert, ich habe dir mindestens fünfhundert Nachrichten geschrieben und mehrmals angerufen.!" Schrie eine aufgeweckte und starke Stimme in den Hörer.
"Stimmt! Das Handy hatte ich ja vollkommen vergessen" überlegte Lucy ganz kurz, bevor sie sagte "Ja, aber komm doch rauf".
Ein paar Sekunden später sprintete eine dünne, sportliche, junge Frau um die 25 die Treppe hinauf und fiel Lucy mit einer Wucht, die Lucy sofort taumeln ließ, in die Arme.
"Wo warst du?, Was hast du gemacht? und warum gehst du nicht an dein blödes Handy! Ich hab's dir extra dafür gekauft und nicht dafür, dass du es vergisst oder ausschaltest!!".
Es war Thea, wie sie leibt und lebte.
Ein wunderschönes Mädchen mit brauen, leicht gelockten und natürlich zu einer perfekten Frisur gemachten Haaren. Ein schmales Gesicht und große, dunkelbraune Augen. Sie hatte kein Problem damit Männer kennen zu lernen, im Gegenteil, sie könnte jeden blaublütigen Jungen haben, den sie wollte.
Sie war groß und unfassbar sportlich. Leichtathletik sowie Krafttraining und Schwimmen standen praktisch auf ihrem Tagesablauf.
"Hi Thea, wie geht's dir?" Sagte Lucy sichtlich überfordert von den ganzen Fragen und Anschuldigungen, die ihr gerade an ihren Kopf geworfen wurden.
"Wie's mir geht? Ist das dein Ernst?, Nein nein wir fangen mit dir an! Hinsetzten!!" Sprudelte Thea mit ihrer starken Stimme und zeigte mit ihrem Finger auf das Wohnzimmer.
Ohne zu zögern, machte sich Lucy sofort daran, sich auf ihren Sessel zurück zu setzten, sie wollte sich nicht mit ihr duellieren, denn dabei, wäre sie zu hundert Prozent im Nachteil.
"Also, wo warst du und was hast du gemacht?" Sprudelte Thea sofort los, nachdem sie auf die Couch gesprungen war. 
"Ich war bei Matthew" sagt Lucy schüchtern als wäre ihr irgend etwas peinlich.
"Wer ist Matthew?" Fragte Thea verdutzt.
"Ein Typ den ich in einer Bar kennen gelernt hab" sagte Lucy.
"Ohhh" grinste Thea und schaute Lucy mit einem sarkastischen Blick an.
"Was ist?" Fragte Lucy mit einem leicht genervten Blick, "ich werde mich ja wohl mit Männern treffen dürfen!"
"Jaja, sicher, aber DU triffst dich mit Männern?, ich hatte schon fast aufgegeben daran zu glauben" lachte Thea mit einem ironischen Ton.
"Ha ha ha" sagte Lucy nur noch mehr  genervt zurück.
"Und wie war es?, ich meine was habt ihr gemacht und wie ist er so?" Quatschte Thea weiter.
"Er ist..." Lucy stockte, sie konnte es nicht sagen, sie würde nur wieder losheulen, ihr schossen ja jetzt schon die Tränen in die Augen, wo sie nur an ihn dachte.
"Los sag schon!" Drängte Thea weiter, doch Lucy brachte kein einziges Wort heraus.
"Lucy?" Fragte Thea jetzt in einem sehr mitfühlenden Ton und schaute Lucy mit einem mitleidenden Blick an. "Was hast du?".
"Ich kann nicht" schluchzte Lucy.
"Aber warum? Komm schon, mir kannst du es sagen!" Sagte Thea freundlich.
"Es ist ER!" Sagte Lucy leise.
Thea sprang auf "hat er dir etwas angetan?, hat er dich geschlagen oder irgend etwas?, wenn er dir was angetan hat, dann schwöre ich, werde ich ihn eigenhändig umbringen!" Schrie Thea nun in einem spitzen, lauten Ton.
"Nein, er hat mir nichts angetan, ganz im Gegenteil, er war einfach wundervoll." Sagte Lucy immer noch weinend " er war perfekt, mehr als perfekt, zu perfekt! Alles an ihm und um ihn herum war perfekt".
"Aber wo liegt dann das Problem?" Fragte Thea leicht verwirrt.
"Ich will zu ihm! Ich will bei ihm sein! Ich will nur bei ihm sein! Verstehst du?" Schrie nun Lucy so laut sie konnte.
"Ohh, jaja, ich verstehe schon. Du hast Liebeskummer!" Sagte Thea nun fröhlich und leicht freudig aufgebracht.
"Ich habe keinen Liebeskummer!" Sagte Lucy verärgert, "ich kann ihn doch nicht nach einem Tag und einer Nacht lieben!" Wissend, dass sie sich mit diesem Satz nur selber belogen hatte.
"Heißt das..du bist...ich meine...habt ihr...du weist schon" fragte Thea jetzt sehr erwartungsvoll und angespannt.
"Ja" sagte Lucy. Mehr brachte sie gerade nicht hervor.
"OH MEIN GOTT" schrie Thea und sprang auf, "wirklich?, du verarscht mich doch nicht? Oder?".
"Nein" antwortet Lucy.
"Das ist ja mal ne unglaublich geile Nachricht!" Rief Thea und tanzte im ganzen Zimmer herum, "das muss gefeiert werden!" Schrie sie, "hast du Sekt oder irgendeinen Alkohol hier?".
"Ich glaube schon?, schau doch mal im Kühlschrank oder in dem Schrank darüber nach" sagte Lucy nun leicht erholt.
Thea rannte in die Küche, riss den Kühlschrank auf und holte eine noch nicht angebrochene Sektflasche heraus. Mit zwei Gläsern und der Flasche Sekt, kam sie zurück ins Zimmer gesprintet. Mit einem lauten "Flop"  sprang der Korken quer durch das gesamte Zimmer und Thea goss die zwei Gläser voll ein.
"Also jetzt hör auf zu weinen und nehm das Glas" sagte Thea mit immer noch demselben aufgeregte Ton.
Lucy tat wie ihr geheißen und nahm das Glas in die Hand.
"Danke Thea" sagte sie nun in einem netten und dankbaren Ton, "dafür, dass du mir immer hilfst wenn es mir schlecht geht".
"Kein Problem, aber jetzt schieß los, wie war es denn?" Sagte Thea schnell.
"Ich kann es nicht beschreiben, e e es war unglaublich" sagte Lucy stockend, mit den Gedanken schon wieder in Matthew's Schlafzimmer.
"Ok, wie sieht er aus? Hast du ein Bild von ihm?" Löcherte Thea Lucy weiter.
"Nein, wir haben kein Foto gemacht" sagte Lucy überlegend, warum sie kein Foto gemacht hatten. "Er ist auf jeden Fall sehr hübsch, unglaublich hübsch, zu hübsch."
"Das klingt super!, wann kann ich ihn kennen lernen?"
"Weis ich nicht, ich denke nicht so früh, ich weis es nicht" antwortete Lucy immer noch in Gedanken versunken.
"Du bist ja komplett woanders?, hallo Lucy?" Sagte Thea halb lachen halb besorgt.
"W w was?" Lucy schreckte aus ihren Gedanken hervor.
"Ok, ich werde dich jetzt besser in Ruhe lassen, aber ruf mich an und halte mich auf dem Laufenden!" Gab Thea endlich auf und ging zur Tür.
"Ich hab dich lieb" konnte Lucy nur noch sagen da war Thea schon über alle Berge.
Lucy, das Sektglas immer noch in der Hand, saß wie versteinert auf ihrem Sessel. Plötzlich packte sie ein Gedanke. Nackte Haut, ein Finger glitt über ihren Schweißperlen besetzten Körper, jemand hielt sie fest, liebkoste sie, küsste sie, fickte sie.
Schlagartig riss es Lucy wieder aus ihren Gedanken, sie schaute auf die Uhr, "so spät?, wie kann das sein" erschrak Lucy, sie musste Stunden in ihrer Taumwelt verbracht haben, es war 03:30 Uhr in der Früh.
Unter Schmerzen ihrer aufwachenden Beine, stand sie auf und zog sich aus, sie zog ihr XL Shirt zum schlafen an und stieg in ihr Bett. Sie zog ihre Decke bis an ihre Nasenspitze und machte ihre Augen zu.
Leise, in ihren Träumen versunken, hörte sie die Stimme von Matthew.
"Schlaf schön Lucy".

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