~ What I want ~

 Ich wollte gerade zu einem Satz ansetzten, als Ronnie die Tür schloss und mich sofort unterbrach.

„Hör zu, ich weiß, dass du mich verdammt nochmal nicht sehen willst. Ich weiß auch, dass ich eine schlechte Freundin bin. Und mir ist durchaus bewusst, dass du mich hasst, aber ich muss einfach das loswerden, was mir schon seit gestern Abend durch den Kopf geht."

Meine Freundin, ich wusste nicht mal, ob ich sie noch so nennen sollte oder wollte, kam ein paar Schritte auf mich zu und sah mir eindringlich in die Augen.

„Okay..." Zittrig holte sie Luft. „Hör zu, Reece und ich, wir fühlen nichts füreinander. Wir lieben uns nicht. Wir haben nie miteinander geschlafen. Das Einzige, was wir wollten, war, unsere Eltern nicht zu enttäuschen. Du hast keine Ahnung, wie oft wir es dir sagen wollten, aber wir hatten einfach Angst. Ich hatte Angst, dich als Freundin zu verlieren, wenn ich dir das Geheimnis verrate."

Ihre Stimme bebte kur, ehe Ronnie sich wieder fing und weiter erzählte: „Ich erwarte nicht, dass du mir sofort verzeihst, aber ich will, dass du weißt, dass du Reece verdammt viel bedeutest. Du hast keine Ahnung, wie glücklich er in der letzten Zeit war. Du hast ihn glücklich gemacht. Er hat es verdient und du auch. Ich werde mit meinem Vater reden und sagen, dass wir nicht mehr mitspielen."

Ronnie sah mich traurig an und fügte noch hinzu: „Es tut mir so verdammt leid, Maddie."

Nun konnte ich einen Schluchzer nicht mehr unterdrücken. Und auch Ronnie konnte die Tränen nicht mehr zurück halten. Es tat so weh, wenn man einer Person blind vertraut hat und sie dich gelehrt hat, dass du wirklich blind warst.

„Ich will, dass du jetzt gehst, Ronnie.", sagte ich leise, aber bestimmend. Ich konnte ihr einfach nicht länger in die Augen sehen. Ich brauchte Abstand. Ein Glück waren nun Ferien. Zwar hatte ich mir mein Weihnachten anders vorgestellt, aber so war es jetzt nun einmal. Ich konnte es nicht mehr ändern. Ich hatte auch kein Bedürfnis danach sie anzuschreien. Was würde das bringen? Ich wollte einfach nur, dass sie verschwand. Damit ich mir über meine Gefühle klar werden konnte.

„Er ist wirklich in dich verliebt.", hörte ich sie noch sagen, ehe sie die Tür hinter sich schloss und ich nun vollkommen in Tränen ausbrach.

Ich vermisste ihn. Und, wenn ich sagte, dass ich ihn vermisste, meinte ich damit seine Witze, die Art, wie er mich immer neckte, sein Lächeln, seine Küsse, seine Umarmungen. Vor allem seine Sicht auf die Dinge. Noch nie hatte ich jemanden getroffen, der so geheimnisvoll und undurchschaubar war. Noch nie jemanden, der genauso gerne las wie ich. Ich vermisste seine Sprüche. Seine Art mit Worten umzugehen. Das alles vermisste ich, wenn ich sagte, dass ich ihn vermisste.

Und ich vermisste Ronnie. Ihre anzüglichen Kommentare, ihren kindlichen Trotz, ihre Art mich immer zum Lachen bringen zu können. Ich vermisste meine Freundin.

Zielstrebig griff ich nach meinem Handy.

Ich: Finde heraus, was du willst.

Ich wollte den Teil von Reece, den er immer noch verborgen hielt und sich weigerte jemanden zu zeigen. Ich glaubte, dass er selbst nicht einmal wusste, dass es noch einen Teil gab.

Reece: Du fehlst mir.

Du mir auch, dachte ich, aber bevor ich es noch wirklich schreiben würde, legte ich mein Handy wieder weg und widmete mich stattdessen daran meiner Mutter beim Weihnachtsbaum schmücken zu helfen.

Reece POV

Mad: Finde heraus, was du willst.

Ihre Nachricht erleichterte mich mehr als alles andere. Ich hatte kaum geschlafen und mein Vater würde wahrscheinlich jeden Moment in mein Zimmer platzen und mir eine Standpauke halten. Aber das war mir egal. Das einzige, was zählte, war diese Nachricht.

Ich: Du fehlst mir.

Das tat sie wirklich. Ich sehnte mich nach ihr, aber ich wusste, was sie damit meinte. Ich musste meine Familienverhältnisse irgendwie unter Kontrolle bringen. Angefangen bei meinem Vater bis hin zu Gabriel. Ich musste endlich alles hinter mir lassen können, um neu starten zu können. Und der erste Schritt dahin war ein klärendes Gespräch mit meinem Vater. Ich wollte ihn nicht enttäuschen, aber ich wollte glücklich werden. Ich wollte auch, dass er endlich wieder glücklich wurde, aber in seinem Blick lag etwas, was mir zeigte, dass irgendwas in ihm mit Mom gestorben war. Er sagte immer, dass sie noch dieselbe wäre, aber er machte sowohl mir, als auch sich selbst etwas vor. Sie war nicht mehr die Mum, die sie einst war. Wir waren alle nicht mehr die Personen, die wir einmal waren.

Die, die gegangen sind, haben immer noch einen Einfluss auf unser Leben. Sie lenken unser Handeln, unsere Entscheidungen. Und das, obwohl sie nicht mehr da waren.

„Wieso bist du gestern einfach so abgehauen, Reece?" Mein Vater stand in meiner Zimmertür und runzelte verwirrt die Stirn, als er mein Gesicht sah. Dann trat er weiter in mein Zimmer hinein und sah mich auf eine Erklärung wartend an.

„Ich möchte das nicht mehr, Dad. Ich will wieder echt sein können.", erklärte ich ihm, wobei ich weiterhin an die Decke starrte.

„Wovon redest du da bitte?", fragte er mich völlig überrumpelt, ehe er sich auf meiner Bettkante niederließ und ich einen Blick zu ihm wagte.

„Denkst du, dass ich nicht merke, was du schon die ganze Zeit versuchst? Aber, weißt du was, Dad? Du beschützt dein Herz nicht, wenn du so tust, als hättest du keins." Die Worte kamen einfach so aus meinem Mund. Ohne, dass ich darüber nachdachte, hatte ich ihm das gesagt, was mir schon so lange auf dem Herzen lag. Ich hörte, wie mein Vater geräuschvoll schluckte und mich dann mit wässrigen Augen ansah.

Oh Gott, bitte weine nicht.

„Was ist geschehen, Reece?", fragte er mich schlicht.

„Ich habe jemanden weggestoßen, weil ich Angst hatte. Jemanden, dem ich vertraue. Aber ich konnte nicht zwischen der Person und meiner Familie wählen."

Vorsichtig sah ich ihn an und wartete gespannt seine Reaktion ab. Hoffentlich rastete er nicht total aus. Aber, anders, als eine Standpauke, atmete mein Vater nur einmal tief aus.

„Es geht um diese Madison, oder?", schlussfolgerte er richtig und ich nickte. „Du hast dich in sie verliebt.", stellte er fest und wieder nickte ich nur.

„Ich kann sie nicht vergessen, falls du mir das jetzt vorschlagen solltest. Es ist hart jemanden zu vergessen, der dir so viel gibt, woran du dich erinnerst.", wandte ich sofort ein, da ich gar nicht erst in diese Diskussion kommen wollte. Es war einfach so. Ich würde sie nicht vergessen können.

Mein Vater lächelte mich traurig an.

„Ich weiß. Ich habe zu viel von dir und Ronnie erwartet. Ich war auf diesen Deal fokussiert.", gestand er mir überraschenderweise sofort.
„Hör zu, ich habe deinen Bruder und deine Mutter verloren. Ich will nicht auch noch dich verlieren, nur, weil du wegen mir nicht deinem Herzen folgen kannst. Ich weiß, dass sie dich glücklich macht. Das merke ich. Ich merke es, weil wir gerade miteinander reden ohne uns an die Gurgel zu gehen."

Mein Vater griff nach meiner Schulter und drückte sie leicht.

„Also, bist du nicht sauer?", fragte ich verwundert nach.

„Nein. Ich habe erkannt, dass du deine eigenen Entscheidungen treffen musst. Ich will, dass du glücklich bist. Genauso wie deine Mutter. Beweis ihr, dass du es ernst mit ihr meinst. Ich scheiße auf diesen Deal. Ich will ihn nicht mehr. Nicht, wenn ich dadurch meinen Sohn aufgeben muss."

Mit Tränen in den Augen blickte ich zu meinem Vater. Und in diesem Moment war ich mir sicher meinen alten Dad wiederzuerkennen.

Es war wirklich so. Die, die gegangen sind, verlassen uns nie.  

// Ich habe jetzt so viele Kapitel wie möglich heraus gehauen, da unter der Woche ja nie etwas kommt. Ich hoffe, dass euch die Kapitel gefallen haben. //

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