35. gemähter Grashalm

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Montag ging ich bepackt mit meinem IPod, zwei Paar Kopfhörern und einer ellenlangen Liste im Kopf in die Schule. Ich hatte den halben Sonntag damit verbracht, welche Lieder ich ihr am besten zeigen könnte. Sie schien die Basics zu kennen, die hatten sie jedoch nie dazu gebracht, Musik zu mögen. Deshalb hatte ich irgendwann beschlossen, einfach zu allen Genres repräsentative Listen zu machen, die ich ihr nach und nach vor spielen würde. Ich hatte sogar einen alten MP3-Player gefunden, auf den ich all diese Lieder überspielt hatte.
Ab jetzt war ich ein Mann mit einer Mission und das fühlte sich irgendwie verdammt gut an, so bescheuert es sich auch anhörte, wenn man es zu jemandem sagte. Jesse hatte sich gestern halb kaputt gelacht, als ich ihm nach der Bandprobe davon erzählt hatte.

In Maori schaffte ich es nicht, mit Alia zu reden. Die restlichen Referate mussten noch gehalten werden und in der Pause wurde ich von Jack beschlagnahmt. Ich wollte jedoch unbedingt noch mit ihr klären, wo wir uns in der Mittagspause treffen sollten, denn ich hatte den Verdacht, sie könnte sich sonst verdrücken.

Sie verschwand wie immer ziemlich schnell nach der Stunde aus dem Klassenzimmer. Also wimmelte ich Jack ab und eilte ihr hinterher. Ich erwischte sie, kurz vor ihrem Spind.

„Warte doch mal", sagte ich leicht außer Atem. „Wo treffen wir uns heute Mittag dann?"

Sie sah mich überrascht an, doch wenige Sekunden später, konnte ich beobachten, wie die Erkenntnis über ihr Gesicht glitt.

„Achso wegen dem Musikding?" Ich nickte. „Hm kennst du den Theaterkeller?", überlegte sie vorsichtig.

„Nein."

„Okay. Dann äh treffen wir uns irgendwo und gehen da hin? Da ist meistens niemand", schlug sie vor.

„Und wo sollen wir uns treffen?", wollte ich wissen und fragte mich gleichzeitig, ob das der Ort war, an dem sie immer ihre Mittagspausen verbracht hatte, seit sie nicht mehr mit Jenna und Sarah redete.

„An der Cafeteria?", schlug sie vor.

„Okay", stimmte ich zu. Dann fiel mir nichts mehr ein, was ich noch sagen konnte und so schloss ich etwas dämlich. „Bis nachher dann."

Den restlichen Schultag verbrachte ich ungeduldig auf meinem Stuhl hin und her rutschend. Ich konnte mich kaum konzentrieren, meine ganzen Gedanken galten der Mittagspause und dem Treffen mit Alia. Theoretisch konnte sie immer noch kneifen. Klar, wir hatten einen Deal, doch ich war ja nur Bennet, irgendein Typ aus der Schule, der ihr absolut nichts zu sagen hatte.

„Sag mal Bennet was ist denn mit dir los?", fragte Tyler, mein Nebensitzer in Spanisch irgendwann genervt. „Hast du übers Wochenende ADHS bekommen oder wie?"

„Ne ich bin bloß nervös", brummte ich und versuchte, wenigstens für ein paar Sekunden nicht herum zu rutschen oder zu kippeln.

„Und wieso? Wir schreiben doch noch lange keine Abschlussprüfungen."

„Naja es ist wegen nem Mädchen", murmelte ich leise und so schnell wie möglich, in der Hoffnung, er würde den Wink verstehen und das Thema fallen lassen.

Natürlich verstand er es nicht und fragte weiter.

„Wer ist es denn? Kenn ich sie?"

„Vermutlich. Aber ich will ehrlich gesagt nicht drüber reden. Sonst werd ich wahnsinnig."

„Ach so." Endlich schien Tyler verstanden zu haben. Er klappte seinen Mund kurz auf, als wolle er noch etwas sagen, ließ es dann aber.

Den Rest des Vormittags versuchte ich, einfach irgendwie nicht mit meiner Hibbeligkeit auf zu fallen, was mir mehr oder weniger gut gelang. Menschen in meiner Schule, die mich ein wenig besser kannten, bemerkten natürlich sofort, dass ich anders war. Ich antwortete ihnen allerdings nur ausweichend. Jesse war die einzige Person dieser Welt, die von meinem Plan wusste, Alia mit Musik dazu zu bringen, sich mir zu öffnen, und das sollte auch so bleiben.

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!