Teil 35

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Teil 35


Die nächsten zwei Wochen war ich zu jedem Kurs von gegangen. Mit der Zeit konnte ich mich einigermaßen konzentrieren und schrieb sogar wieder mit. Ich war froh, dass weder Professor Allen noch Jack seinen Namen in den Mund nahm. Jack und ich redeten denn gewöhnlichen Small Talk miteinander, jedoch war nichts großes dabei. Mein Leben gelang wieder in einen Rhythmus, doch es ging mir nicht besser. Obwohl ich nachmittags für die Uni lernte und nicht den ganzen Tag in meinem Bett verbrachte wurde es nicht leichter. Die Träume waren noch immer da und erinnerten mich Tag für Tag, dass ich noch lange nicht über ihn hinweg war. Da einzige positive im Moment war, dass ich das Semester bestehen würde. Wir hatten in unserem Projekt die volle Punktzahl bekommen und waren Kursbeste gewesen. Obwohl wir so viele Punkte hatten, fragte ich mich wie er dieses Semester durchkommen wollte. Er war schon seit drei Wochen krankgemeldet. Nächste Woche würde Tea nicht da sein, da ihre Prüfungen vor der Tür standen. Ich wusste, dass sie hier nicht gut schlief, denn sie musste mich noch immer jede Nacht wecken. Einerseits freute ich mich für sie, dass sie schlaf abbekommen würde, andererseits wäre ich dann wirklich komplett alleine. Blake und ich sprachen zwar wieder miteinander, jedoch hatte ich mich von ihm distanziert. Um genau zu sein hatte ich mich von der ganzen Außenwelt distanziert. Nach der Uni ging ich in mein Zimmer, lernte ein paar Stunden und verkroch mich dann anschließend für den Rest des Abends im Bett. Das Foto von ihm und mir lag unter meinem Kissen. Ich hatte letzte Woche all seine Klamotten in die hinterste Ecke meines Schrankes gestopft, da sein Duft sowieso schon verflogen war und ich sie nicht sehen konnte wenn ich jedesmal meinen Schrank aufmachte. Alles was mich an ihn erinnerte machte die Leere in mir und das Gefühl in meinem Magen nur noch schlimmer.

Heute war Freitag und ich hasste den Freitag. Es bedeutete, dass das Wochenende begann und mal viel Zeit hatte. Zu viel Zeit, die nicht vollständig genutzt werden konnte. Klar würde ich lernen, doch die Hälfte des Tages würde ich an ihn denken oder sogar länger. Ich musste mir meine Zeit sinnvoll einteilen. Heute durfte ich nicht so viel für die Schule machen, sonst hätte ich Samstag und Sonntag nicht genug zu tun. Tea würde heute Abend wahrscheinlich wieder auf irgendeine Party gehen, deswegen würde ich alleine sein. Und wenn ich Abends alleine war ging ich früher ins Bett, doch da begegnet ich jeden Abend dem gleichen Traum. Obwohl ich seit drei Wochen das gleiche Träumte, kam es mir jedesmal anders vor. Ich würde jetzt einfach so lange lernen, bis sie kam. Die Uhr zeigte 15:35 an, was hieß mir blieb noch eine Stunde. Ich begann die Notizen des heutigen Tags raus zu kramen und machte mich dran sie nochmal schön abzuschreiben. Letzte Woche hatte ich mir neue Farbstifte geholt und gestaltete meine Hefteinträge bunter.Beim Kauf musste ich an Nando's Malbücher denken und wie wir gemalt hatten. Dies wiederum erinnerte mich an seinen großen Bruder. Egal was ich tat, irgendwas lenkte meine Gedanken immer zu ihn.

Wenn ich die Hefteinträge bunt gestaltete,verging mehr Zeit und die Tage wurden kürzer. Wenn Tea nächste Woche weg sein würde, hatte ich mir vorgenommen die Notizen der letzten Wochen nochmal abzuschreiben. Gerade als ich die Unterschrift mit der Lila unterstreichen wollte, klopfte es an der Tür. Tea konnte es nicht sein. Blake? Vielleicht wieder Jack? Oder jemand ganz anderes? Jemand ganz anderes stand vor meiner Tür und ich musste mich an der Türklinke festhalten um nicht umzufallen. Er war der letzte Mensch, mit dem ich gerechnet hatte.

„Lorenzo?" fragte ich, da ich meinen Augen nicht trauen konnte. Das schlimme war, dass er seinem älteren Bruder ein wenig ähnlich sah. Seine braunen Augen musterten mich von oben bis unten.

„Du siehst anders aus." erwiderte er. Lorenzo zwang sich zu einem höflichen lächeln, doch das gelang ihm nicht.

„Hm...Willst du reinkommen?"

„Okay." antwortete er unsicher und trat hinein. Ich wusste nicht was ich denken sollte. Die Situation war völlig perplex und wirr. Lorenzo saß sich auf den Stuhl auf dem ich gerade noch hockte. Er sah sich meine Notizen an und runzelte die Stirn.

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