Teil 31

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Teil 31

Es klingelt schon zum dritten mal, aber ich würde sicherlich nicht aufgeben. Schon der dritte Versuch meine Mutter zu erreichen, doch sie geht einfach nicht dran. Damian hielt aufmunternd meine Hand, doch achtete darauf sie nicht zu fest zu drücken. Wie ich es hasste, wenn ich mich so schwach und zerbrechlich fühlte. Die Wunden hatten sich gebessert, auch wenn ich einen Tag lang nur schmerzen hatte, dass ich nichtmal schlafen konnte. Das ganze Wochenende lang, hatte Damian an unserem Projekt gearbeitet. Er saß meistens auf dem Boden und hat an dem Modell rumgebastelt oder weitere Informationen recherchiert. Vom Bett aus teilte ich ihm mit wo welches Teil hingeklebt werden musste. Mittags verschwand Damian immer kurz und brachte uns essen, das seine Mutter gekocht hatte mit. Lorena glaubte ich sei krank und deswegen richtete sie mir immer gute Besserung aus. Ich war froh, dass alle Beteiligten geschworen hatten mit niemanden über das zu reden was passiert war. Damian war seit dem Vorfall noch ruhiger und zurückweisender geworden und ich wüsste zu gern was ihm durch den Kopf ging. Jedesmal wenn ich ihn ansah, fiel mein Blick zu seinen aufgeschürften Fingerknöcheln.

„Ever?" hörte ich die Stimme meiner Mutter sagen. Meine Finger zitterten noch heftiger als ohnehin schon.

„Ist er zuhause?"

Sie schwieg einen Moment und holte tief Luft.

„Ja, ja das ist er."

Ich hörte wie sie das Zimmer verließ und konnte mir gut vorstellen, dass sie sich im Wandschrank versteckte.

„Was zum Teufel ist mit ihm passiert?!" schnaubte meine Mutter plötzlich und ich war überrascht von ihrem zornigen Ton. Sie war immer neutral zu mir gewesen und hatte es mir nie verübelt, dass ich meinen Vater Abgrund tief hasste, doch mit verteidigt hatte sie auch nie. Geschweige denn sich von diesem Unmensch zu trennen. Ich verstand nicht, wie sie ihn trotz allem so sehr lieben konnte. Vielleicht lag es auch daran, dass sie mir ein klein wenig auch die Schuld an dem Tod meines Zwillingsbruders gab. Ich war mir sogar sehr sicher, dass sie das tat.

Als ich nicht antwortete hörte ich meine Mutter nach Luft schnappen.

„Er hat fast die ganze Einrichtung zerstört, als er nach hause gekommen ist! Du hast keine Ahnung wie außer sich er ist! Was zur Hölle ist vorgefallen?!"

Ich hielt mir das Telefon ein Stück von meinem Ohr weg, als sie begann zu schreien. Damian hatte seine freie Hand zu einer Faust geballt und sah wütend zu meinem Handy.

„Er hat das gemacht, was er schon die letzten Jahre mit mir gemacht hat. Du wusstest ganz genau, dass er kommen würde."

„Ich habe dich angerufen um dich zu warnen!"

„Du hättest es garnicht dazu bringen dürfen, dass er überhaupt kommt!" schrie ich zurück und merkte wie meine Stimme zitterte.

Wieder kehrte eine unangenehm Stille ein.

„Wer hat ihn so hingerichtet?" hakte sie erneuert nach.

„Mein Freund."

„DU hast einen Freund?"

Es klang so, als könnte sie nicht glauben, dass ich je jemanden abbekommen würde.

„Ja habe ich." bestätigte ich augenrollend und hoffte, dass sie keine weiteren Fragen dazu stellte.

„Wenn ich mir so deinen Vater ansehe, hast du einen sehr gewalttätigen Freund."

Mit blieb die Spucke weg. Das konnte doch nicht ihr ernst sein.

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