Teil 28

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Teil 28

Wir, beziehungsweise ich hatte Silvester verschlafen. Ich hatte keine Ahnung wann genau ich eingeschlafen war. Damian und ich lagen noch lange wach und hatten einfach über all mögliches geredet. Es war ein unbeschreibliches Gefühl neben dem Menschen einzuschlafen den man über alles liebte und am nächsten morgen neben ihm aufzuwachen. Die ganze Rückfahrt über hatten wir weitergesprochen und ich bemerkte wie ich Damian immer und immer besser kennenlernte. Er zog mich mit Dingen auf über die wir beide lachen konnte und er ließ mich meine Musik hören. Trotz seiner munteren Art, wusste ich dass tief in ihm etwas vor sich ging. Ich wollte es unbedingt wissen. Gott ich würde ihm am liebsten alles Beichten, dass ich das Gespräch mit seiner Mutter mitgehört hatte und dass ich seine Tränen auf meiner Schläfe gespürt habe. Er sollte nicht leiden. Ich will ihm helfen, irgendwas bewirken damit es ihm besser geht.

Als er auf dem Parkplatz meines Wohnheims halt machte, kam es mir so vor, als wäre ich seid Jahren nicht mehr hier gewesen, obwohl die letzte Zeit wie im Flug vergangen ist. Vorallem die Zeit in Toronto kam mir so kurz vor, da wir nichts von der Stadt gesehen und uns nur im Zimmer eingesperrt hatten. Jedoch war das nötig gewesen. Wir hatten beide die Auszeit gebraucht auch wenn aus verschiedenen Gründen. Es war eine fremde Stadt wo uns niemand kannte und wir weit entfernt von unseren Problemen waren. Jetzt befand ich mich wieder hier, vor diesem Gebäude. Damian blickte, vertieft in seine Gedanken aus dem Fenster.

„Wollen wir noch zu deinen Eltern fahren? Ich würde ihnen und deinen Brüdern auch noch gern ein schönes neues Jahr wünschen."

Das erste mal seit wir hier waren schielte er zu mir und umklammerte das Lenkrad mit seinen Händen.

„Ich denke das ist keine gute Idee. Meine Mutter hat mich vorhin angerufen und...Lorenzo hat sich eine Grippe eingefangen oder sowas."

Ich runzelte die Stirn und massierte meine rechte Schläfe. Wieso hatte ich das Gefühl das er log? Seid wir Ohio betreten hatten war er wieder ungemein still geworden. Hatte ich irgendetwas verpasst oder übersah ich irgendwas? Ich musterte Damian's Haut, die so wie meine und Nando's ganz weiß von der Kälte geworden war. Lorenzo war der einzige von den Brüdern, der die Sommerbräune behalten hatte. Durch die blasse Haut wirkten Damian's Augen dunkler und irgendwie versteckt.

„Ich kann auch mitkommen und vielleicht deiner Mum helfen, wenn sie viel stress hat?"

„Nein Ever." zischte Damian augenblicklich.

Ich riss die Augen auf. Mit solch einem Stimmungswandel hätte ich nicht gerechnet. Er biss die Zähne aufeinander und umklammerte das Lenkrad fester. Sein Kiefer zuckte während er seine Augen schloss und tief einatmete.

„Na gut, dann halt nicht. Richte Lorenzo gute Besserung aus und grüß deine Familie von mir. Ach und danke für den Ausflug, er war sehr schön." unterbrach ich die erstickende Stille und öffnete die Tür vom Auto.

Ohne auf seine Reaktion zu warten, stieg ich aus, nahm mir noch schnell meine Reisetasche und lief ohne mich umzudrehen

Ich öffnete die Tür und konnte mich nicht einmal richtig im Zimmer umsehen, denn ich spürte zwei gestalten auf mich zu rennen. Die eine größer und mit viel Parfüm und die andere kleiner als ich und mit einer fülligen Oberweite, die sich gegen mich drückte. Ich grinste in mich hinein und blickte forschend in die Gesichter von Blake und Tea.

„Ich hab euch so vermisst." gestand ich und umarmte sie beide noch einmal.

Tea sah anders aus. Sie hatte dunkle schatten unter ihren Augen und war dünner geworden. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen, dass mir sofort Schuldgefühle gab. Ich hätte sie öfter anrufen müssen und vorallem nach dem Vorfall mit Cole. Sie hatte die ganze Nacht geweint und gar kein Wort geredet. Sie fraß alles in sich hinein, obwohl sie mit irgendjemanden sprechen musste. Als ich Blake ansah, kam es mir wirklich so vor, als wäre ich ein Jahr weggewesen. Er hingegen wirkte wie der glückliche Mensch auf der großen weiten Welt. Seine Augen leuchteten und er hatte etwas fülle angenommen. Er wirkte lebendiger, irgendwie...verliebt?

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