Teil 27

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Teil 27

Wir verbrachten die Tage bis Silvester damit im Bett zu liegen, uns Pizza zu bestellen und Filme zu schauen. Die Videothek war nur zwei Blocks weiter. Mittlerweile kannte uns der Inhaber schon, da wir täglich bis zu fünf DVD's ausliehen. Entweder schlief ich oder Damian bei dem Film ein, so dass wir nie eine DVD zu ende geschaut hatten. Meistens jedoch lag es daran, dass ein kleiner Kuss in einer wilden Knutscherei endete. Es war verrückt und wunderschön zu gleich. Nur Damian und ich 24 Stunden lang und wir schienen uns nicht auf die nerven zu gehen. Wir hatten seid dem Restaurant nicht mehr über ernstere Themen gesprochen. Wahrscheinlich weil wir beide aus unserem Alltagstrotts flüchten wollten. Ich bekam hin und wieder anrufe von Blake und Tea. Nachrichten aus Michigan blieben aus. Blake erzählte von Pennsylvania und wie kalt es dort war. Er langweilte sich zu Tode doch telefonierte Tag und nacht mit seiner neuen Bekanntschaft Austen. Tea redete nicht viel über Florida, sie berichtete hauptsächlich darüber, dass sie ständig für ihre Familie backen musste. Die beiden fehlten mir. Ich wusste, dass Damian ab und an mit Cole SMS schrieb. Seit der Nacht, in der er den Jungen geschlagen hatte ich mit Damian nicht mehr über Cole gesprochen. Ich war mir sicher, dass Damian die Gründe wusste, doch sie waren nicht für meine Ohren bestimmt. Früher oder später würde Tea es mir sowieso erzählen.

Ich fuhr mit meinen Fingern durch das nasse Haar und betrachtete mich im Spiegel. Vorsichtig ließ ich das Handtuch los und betrachtete meinen Körper, der außer meiner Unterwäsche nackt war. Ich biss die Zähne fest aufeinander und krallte meine Fingernägel in meine Handfläche. Würde ich mich jemals an diesen Anblick gewöhnen können? Die roten, lila und schwarzen Flecken, die nicht so stark wie früher waren, dennoch waren sie da und erinnerten mich jedesmal an die Person die ich wirklich war. Ich war keine Märchenprinzessin die ihren Prinz gefunden hatte. Eigentlich war ich nur ein Mädchen, dass Geheimnisse mit sich herumträgt die so abscheulich sind, dass mir das alles angetan wurde. Ich würde nie verstehen weshalb Damian mich liebte. Er liebte mich. Und ich bin zu feige um seine Gefühle zu erwidern. 

Ich spürte die Kälte der fließen unter meinen Füßen und zog mir schnell eine kurze Shorts und ein T-Shirt über. Ich setzte mich auf die Badewannenkante und sah aus dem Fenster. Es schneite nicht mehr. Der Himmel war dunkelblau und man konnte bereits den Polarstern erkennen. Morgen war der erste Tag des Januars. Das bedeutet nur noch 9 Tage. Ich hatte keine Ahnung wie ich diesen Tag verbringen sollte. Niemand wusste davon, dass ich Geburtstag hatte und das war auch gut so. Ich feiere meine Geburtstag schon lange nicht mehr und das aus gutem Grund. Ich hasse diesen Tag und ich hasse mich besonders an diesem bestimmtem Datum.

„Ever?" hörte ich Damian fragen.

Ich stellte mich auf und suchte in diesem kleinen Badezimmer irgendwo Schutz. 

„Nicht!" erwiderte ich panisch und streckte die Hände aus, als würde ich irgendjemanden wegstoßen wollen. 

Es war zu spät. Damian hatte bereits den Raum betreten.

„Hey." flüsterte er. Mit langsamen Schritten kam er auf mich zu und nahm mein Gesicht in seine Hände. Er musterte länger als üblich meine Arme und Beine. Sein Kiefer begann zu mahlen, während er die Hände von meinem Gesicht entfernte. Er drehte mir den Rücken zu und blieb angespannt stehen ohne einen Mucks von sich zu geben.

Er fand mich hässlich. Genau das wollte ich vermeiden. Ich wollte nicht, dass er mich jemals so zu Gesicht bekommt. 

Mein Puls raste während mein Körper begann zu zittern. 

„Es tut mir so leid." unterbrach ich die erdrückende Stille.

„Was?!" 

Er drehte sich zu mir um und blickte mich zornig an. Noch nie hatte er mich mit solch einem verstörten Gesichtsausdruck angeschaut.

„Ich wollte nicht dass du mich so siehst. Es tut mir leid, dass ich so aussehe." 

Ich zeigte auf meinen Körper und betrachtete mich dabei selber noch einmal. Die Flecken wirkten seid Damian im Raum war größer und deutlicher. 

Er trat direkt vor mich und drückte mir einen hausanften Kuss auf die Stirn. Damian legte seinen Arm unter meine Kniekellen und hob mich ruckartig auf seine Arme. Nach den letzten Tagen, an denen es nur Pizza gab, musste ich mindestens 5 Kilo zugenommen haben. Ich verstand nicht was das sollte oder weshalb er mich zum Bett trug. Er legte mich auf die Matratze ohne sich von mir zu lösen. Seine grüne Augen bohrten sich in meine während er das Gewicht auf seine Arme verlagerte um mich nicht zu erdrücken. Ich fühlte mich als ob ich meinen ersten Kuss nochmal erleben würde.

„Vertraust du mir?" hauchte er, wobei seine Stimme rauer und dunkler als sonst klang. 

Ich nickte vorsichtig ohne zu wissen was gleich geschehen würde.

„Gut." 

Er begann an meinem linken Oberarm jede einzelne Wunde zu küssen, bis er an meinem Handgelenk ankam. Das selbe machte er mit meinem rechten Arm. Jedesmal wenn seine Lippen eine empfindliche Hautstelle berührten, fühlte es sich so an als würde die Wunde verheilen. Ganz langsam und friedlich. Ich schloss die Augen und spürte förmlich wie etwas repariert wurde. Mit jedem einzelnen Kuss auf meiner Haut fügten sich Bruchstücke zusammen und begann eins zu werden. Erst verstand ich nicht was in mir vorging doch nun wusste ich es. 

Damian küsse die letzte Stelle an meinem Bein und im nächsten Moment spürte ich seine Lippen auf meiner Wange. Ich öffnete die Augen und blickte direkt in meine Rettung. Egal wie verrückt es klang, doch Damian hatte gerade mein Herz repariert. Er hatte es repariert und nun gehörte es vollständig ihm, was das endgültige Zeichen war.

„Damian ich liebe dich." 

Wenn man vor dem Zehnmeterbrett steht beschreitet man vorsichtig den Weg bis nach vorne an die Kante. Das Adrenalin berauscht einen und mit jedem Schritt spürt man das es Real ist. Man kann nicht mehr zurück laufen. Man ist so an dieses Brett gebunden und stolz, dass man es überhaupt so weit geschafft hat. Nie hätte man es sich erdenken können hier zu stehen. Irgendwann kommt man am Ende des Brettes an und wartet. Man betrachtet das auf was man sich gleich stürzten wird. Die weite und tiefe. Man schließt die Augen und schüttelt den Kopf. Es ist verrückt es zu tun. Einfach zu springen ohne genau zu wissen was kommen wird. 

Und dann springt man einfach. Es ist leicht, beinahe wie fliegen. Schwerelos, frei und unabhängig von Zeit und Raum. Man fällt und landet. Dieser Moment wenn man kurz Unterwasser ist und es um einen herum nur sprudelt und sonst nichts hört ist der Moment in dem man los lässt. Man lässt die Angst los. Man realisiert, dass man es geschafft hat. 

Ich kam erst wieder in die Realität zurück, als Damian seine weichen Lippen auf meine legte. Dieser Kuss war anders als alle anderen davor. Er war voller Liebe, Leidenschaft und versprechen. So innig und gefühlvoll, das man schwebte wie auf einer Wolke. Ich wurde Wachs unter seinen Händen und nun war alles zu spät. Ich liebte Damian mehr als alles andere auf dieser Welt. Alles was ich bestritten und verachtet hatte, wurde plötzlich mein Schlüssel. Die Liebe zu Damian hatte mein Herz repariert. Er hatte es repariert und nun gehörte es ihm.

„Gott, Ever ich liebe dich so sehr. Ich werde dich für immer lieben. Hast du gehört? Für immer." unterbrach er kurz den Kuss und ließ dann erneuert seine Zunge in meinen Mund gleiten.

„Ich liebe dich." hauchte ich und zog in näher an mich.

„Sag es nochmal." 

„Ich liebe dich." 

„Nochmal." 

„Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich Damian."

Er lachte in den Kuss hinein. Ein warmes Lachen, so wie ich es liebte. Damian ließ kurz von mir ab und blickte mir in die Augen. Seine Lippen waren ganz geschwollen und ich fragte mich ob meine auch so aussahen. Seine Augenfarbe hatte noch nie gestrahlt wie in diesem Moment. 

„Du und ich. Für immer. Ich werde dich niemals verlassen, das schwöre ich dir." sagte er und strich mir eine Haarsträne aus dem Gesicht. 

Hätte ich damals gewusst was noch passieren würde, hätte ich mir sein Versprechen mich niemals zu verlassen schriftlich gegeben.

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