34. gemähter Grashalm

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Mitten in der Nacht, wachte ich heftig atmend auf. Ich hatte wieder geträumt. Zum ersten Mal seit Wochen hatte ich wieder geträumt. Es war zwar nicht der Albtraum gewesen, der mich sonst immer verfolgte, sondern ein anderer, aber allein die Tatsache, dass ich geträumt hatte, schockierte mich.
Als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, realisierte ich, dass um mich herum alles anders war. Zuerst dachte ich, dass wäre, weil mir mein neues Zimmer noch fremd war, doch dann sah ich im Licht der Morgendämmerung - die Nacht war wohl doch schon recht weit fort geschritten - dass dieser Raum auch nicht mein neues Zimmer war.

Ich sah mich suchend in der fremden Umgebung um. Die unvertrauten Gerüche strömten mit voller Wucht auf meine Sinne ein und als ich das zweite Bett und die braunen Haare, die unter der Decke hervorlugten sah, erinnerte ich mich wieder an die Hochzeit gestern. Bennet und ich waren gestern nicht gegangen, sondern hatten in dem Hotel übernachtet. Deshalb war alles so fremd.

Ich versuchte, wieder einzuschlafen, doch alles an diesem Zimmer störte mich und hielt mich wach. Außerdem hatte ich furchtbare Angst, wieder zu träumen. Und diesmal nichts gutes, sondern wieder den Albtraum. Warum hatte ich auch nur meine Schlaftabletten nicht mit genommen? Irgendwann ertrug ich es nicht mehr. Die Müdigkeit zerrte an mir - ich konnte nur ein paar Stunden geschlafen haben - aber gleichzeitig ließ mein Verstand mich nicht einschlafen.
Vorsichtig stand ich auf, um Bennet nicht aufzuwecken und suchte in dem Zimmer nach einem Zettel und Stift. Das Suchen war nicht so leise, wie ich hoffte und so sah ich mich immer wieder panisch zu Ben um. Ich wollte ihn auf keinen Fall wecken, denn ich konnte nicht erklären, was ich tun wollte.

Endlich hatte ich einen Zettel gefunden und kritzelte mit dem Bleistift, der daneben lag eine Nachricht darauf. Musste mal kurz hier raus. Mach dir keine Sorgen, ich komm rechtzeitig wieder. Ich zögerte kurz und unterschrieb dann nur mit Al.

Ich legte den Zettel neben sein Bett auf das kleine Schränkchen und verschwand dann auf Zehenspitzen aus dem Zimmer. Die Tür machte beim Schließen ein viel zu lautes Geräusch und ich drehte mich noch Sekunden danach auf dem Gang um, um zu sehen, ob mir jemand folgte. Fast wie eine Verbrecherin. Fehlte nur noch die Strumpfmaske.

Wenige Minuten später war ich draußen und begann herum zu laufen, bis ich nach einer Weile tatsächlich eine Wiese gefunden hatte. Ich wanderte eine Weile umher, bis ich den richtigen Platz gefunden hatte, wo ich mich dann ins Gras fallen ließ. Sofort schlossen sich meine Finger um die Grashalme und ich zupfte ein paar aus und vergrub meine Nase darin. Genüsslich sog ich den Duft der losen Halme ein.

Langsam kam die Angst in mir zur Ruhe und die Müdigkeit übermannte mich. Obwohl es draußen nur in Schlafanzug und Jacke ziemlich kalt war, fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf der Erschöpfung.

Alia verdammt. Wach auf", weckte mich eine viel zu laute Stimme. Kräftige Hände umfassten meine Schultern und schüttelten mich. Stöhnend öffnete ich die Augen und schloss sie sofort wieder. Die helle Sonne leuchtete mir direkt ins Gesicht und mein Kopf begann schmerzhaft zu pochen. Nach ein paar Sekunden öffnete ich die Augen wieder. Es war mehrmaliges Blinzeln nötig, bis ich erkannte, wer mich geweckt hatte. Bennet.

Verdammt Al, was machst du hier?" Er klang ziemlich aufgewühlt. „Ich dachte dir sei sonst was passiert."

Ich zuckte mit den Schultern und setzte mich vorsichtig auf. Mein Kopf pochte noch immer. Bennet redete währenddessen aufgebracht weiter auf mich ein. Ich bekam kein Wort davon mit. Das Pochen beanspruchte meine Aufmerksamkeit viel zu sehr. Seufzend griff ich mir an die Schläfen und begann sie zu massieren.

Alles okay?", fragte Bennet sofort besorgt nach, als er registrierte, was ich tat. Seine ganze Aufregung war sofort verschwunden.

Naja", brummte ich. „Mein Schädel fühlt sich an, als säßen tausend kleine Männchen drin und würden dagegen Klopfen."

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!