Teil 22

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Teil 22

Die Woche war wie im nu vorüber. Durch das ganze lernen für die Prüfung und der alltäglichen Routine, hatte ich kaum die Zeit wahrgenommen. Damian kam jeden morgen zu spät und jeden morgen musste ich an Celly denken. Wie sie ihn anschaut oder wieder mit ihren gemachten Fingernägeln über seine Tattoos fährt. Allein bei dem Gedanken schüttelte es mich.

Mittags gingen Blake, Damian und ich in der selben Pizzeria essen. Machmal waren Cole und Tea auch dabei, die sich unauffällig verliebte Blicke austauschten. Naja, dann wohl doch nicht so unauffällig.

Damian und ich hatten gemeinsam für den Test gelernt. Nachdem wir die Klausur heute rausbekommen hatten und ich wie sich rausstellte Kursbeste war, hatte sich die Beziehung zwischen Professor Allen und mir wieder aufgelockert. Er hatte mir zu der vollen Punktzahl gratuliert und anerkennend genickt, als er mir die Probe überreichte.

Heute fand die große Hausparty bei einem Kerl namens Ryan statt, die die Winterferien einleiten sollte. Cole und Blake hatten am Mittwoch beim Mittagessen darüber geredet. Natürlich kam ich nicht daran vorbei und ließ mich von Blake zu dieser bescheuerten Fete überreden. Ich verstand einfach nicht, wieso er es so liebte zu tanzen. Zu schwitzen, während man auf der Tanzfläche von zig Leuten umgeben ist.

Damian und Cole holten Tea, Blake und mich pünktlich um 21:00Uhr mit Damian's Porsche ab. Blake saß in der Mitte und legte seine Hände jeweils um meine und Tea's Schulter.

„Ach Mädels, wir werden heute Abend zu dritt auf der Tanzfläche abgehen." sagte er begeistert und zog uns beide noch näher an seinen Körper. Ich hatten nichts dagegen, denn mir war kalt und er war warm. Seine feurige Körpertemperatur erhitze meine eiskalte. Den ganzen Tag schon redete er von dieser Party, als würde sie leben verändern.

„Ich werde sicherlich nicht tanzen." stellte ich klar und legte meinen Kopf auf Blake's Schulter.

Cole drehte sich vom Beifahrersitz zu uns um und musterte jeden einzelnen, bis er an Blake's Hand, die auf Tea's Schulter lag stehen blieb.

„Nimm deine Finger von ihr Blake." sagte Cole und blickte wartend auf Blake's Reaktion.

„Ich würde mir eher Sorgen machen, dass ich DICH heute Abend auf der Party anfasse statt Tea." erwiderte Blake, worauf ich mich nicht länger halten konnte und anfing zu kichern.

Cole verzog angewidert das Gesicht und drehte sich kopfschüttelnd nach vorne. Er war eindeutig verstört und traumatisiert von Blake's Antwort. Tea's zuckersüßes kichern vermischte sich mit meinem im weitesten nicht so süßen kichern und erfüllte damit das gesamte Auto.

„Gott Blake du bist ja wirklich schwul. Ich dachte schon, ich müsste mir sorgen machen, weil du Ever immer auf die Wange küsst, aber wie es aussieht doch nicht." mischte sich Damian ein, als wir an einer roten Ampel hielt und drehte sich zu uns um. Sein Hände lagen locker auf dem Lenkrad. Obwohl es schon dunkel war, erkannte man seine grünen Augen immernoch. Der Bartschatten auf seinen Wangen, ließ ihn unglaublich sexy wirken. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ich sowas denken könnte. Er zwinkerte mir kurz zu, ehe er sich wieder der Straße widmete und los fuhr, als die Ampel auf grün umsprang.

„Klar bin ich wirklich schwul." bestätigte Blake noch beiläufig und grinste in sich hinein.

Das Haus war monströs. Das einzigste was ich von Ryan wusste war, dass er in der nähe von der Universität wohnte und, dass seine Eltern irgendwo in der Schweiz unterwegs waren. In der Einfahrt standen haufenweiße Autos. Damian parkte mitten auf der Wiese, wo auch schon andere Autos standen. Die laute Musik hörte man schon vom Auto aus und am liebsten wäre ich wieder nach Hause gefahren, wo ich mich in mein Bett gekuschelt und Coldplay's Stimme gelauscht hätte. Jedoch war es die letzte Gelegenheit Zeit mit meinen Freunden zu verbringen, ehe sie alle in verschieden Bundesstaaten aufbrachen. Tea würde nach Florida gehen, Cole nach Texas und Blake nach Pennsylvania. Nur Damian würde im Ort bleiben, aber auch nicht lange, denn er würde nach Toronto fahren. Cole und er hatten beschlossen sich dort zu treffen und Silvester gemeinsam zu verbringen. Ich log alle weiterhin an und erzählte ihnen, dass meine Familie in Michigan auf mich wartete. Damian war der einzigste, der die Wahrheit wusste und trotzdem widersprach er mir nicht. Weihnachten würde ich damit verbringen Weihnachtsfilme zu schauen und Silvester würde ich einfach verpennen. Ein wenig bereute ich es schon Damian abgesagt zu haben, doch er hatte mich wohlmöglich nur aus Mitleid gefragt, weil er wusste, dass ich alleine sein würde. Ich wollte nicht, dass er wegen mir keine Zeit mit seiner Familie verbringen konnte. Ein brennender Schmerz machte sich in meiner Brust breit, als ich an die bevorstehende Zeit dachte. Die Ferien würden schon schlimm werden, aber dann kam auch noch mein Hassmonat. Der Januar. Seit ich sieben war, war für mich Weihnachten immer ein Zeichen, dass es bald so weit wäre. Mein Geburtstag. Mein Geburtstag, denn ich seit meinem siebten Lebensjahr nicht mehr feierte. Ich durfte heute nicht daran denken. Nur nicht heute. Ich hatte mir vorgenommen Spaß zu haben und an nichts, außer an die Gegenwart zu denken.

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