„Hat er dich geschlagen?" riss Damian's Stimme mich plötzlich wieder in die Realität zurück. Meine Wangen begannen zu glühen. Es gab zwei Fragen von denen ich mich fürchtete. Das war eine davon gewesen. Ich antwortete nichts, sondern sah weiter aus dem Fenster und versuchte mich mit irgendwas abzulenken. Es musste doch etwas geben, dass mich nicht an ihn denken lässt. Irgendwas.

Dann spürte ich seine Hand plötzlich auf meiner Wange. Seine zarte Berührung löste etwas in mir aus und ließ mich in seine hellen grünen Augen blicken. Ich weiß noch, als ich Anfangs dachte, das wären Kontaktlinsen, doch sie waren echt. Echt wunderschön. 

Sein Gesicht verzog sich, als hätte mein inneres sich auf mein äußeres übertragen. Seine Lippen öffneten sich, wohl weil er die Antwort an meinem Schweigen und an meinem Gesichtsausdruck erkannte.

„Und du dachtest ich wäre wir er. Du hast gesehen wie ich diesen Kerl verhauen habe und was für ein aggressiver Bastard ich bin.." sagte er so leise, dass man es kaum verstand.

Er schüttelte den Kopf und zog an seinem dunkelbraunen Haar. 

„Hey Damian, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben." beruhigte ich ihn und legte meine Hand auf seine.

Er schluckte schwer und schien kurz vor einem Herzstillstand. Sein Gesicht war blass wie Kreide.

„Ever du musst wissen, dass ich nicht wie Er bin, nicht im geringsten. Ich würde dir niemals was antun, niemals!" 

„Ich weiß Damian." 

Er fuhr sich mit den Händen über sein Gesicht und atmete tief ein.

„Ach du scheiße." fluchte er, stand auf und lief im Zimmer auf und ab.

„Ever ich würde jeden zusammenschlagen, falls er dir irgendwas antun würde, aber ich würde dir niemals was antun. Klar bin ich aggressiv und gewalttätig, aber nur wenn man Menschen verletzt die mir wichtig sind." erklärte er mir und ballte die Hände wieder zu Fäusten, was er immer machte wenn er wütend war.
"Und du bist mir nunmal wichtig."

Ich schwieg und setzte mich in einen Schneidersitz. Mit dem Blick auf die weiße Bettwäsche gerichtet, ließ ich einige Minuten vorbeiziehen. Damian wusste nur so einen geringen Bruchteil von dem was eigentlich gewesen war, beziehungsweise was noch ist.

„Gott ich könnte ihn umbringen. Es tut mir leid Ever, aber Ihn würde ich wohlmöglich wirklich töten wenn ich ihn sehen würde." fuhr Damian fort und starrte auf die Wand, als wäre sie Er. 

„Ich kann es nicht fassen, dass Er dir etwas angetan hat, dass du es als „Unvorstellbar" bezeichnest. Wie lange hat Er dich misshandelt?"

Damian setzte sich wieder zu mir auf die Bettkante. Sein Blick war nervös und eiskalt zugleich. Ich hatte einen Menschen noch nie so außer sich gesehen. 

„12 Jahre." flüsterte ich, weil ich mir wünschte, dass er es nicht hörte. Ich wollte sie nicht hören. Als ich diese Zahl aussprach musste ich schlucken, da ich sie das erste mal richtig wahrnahm. 12 Jahre. 12.

„12 Jahre." wiederholte Damian ebenfalls, als könnte er es nicht glauben. Seine Kinnlade viel nach unten. Er stütze seine Ellenbogen auf seine Knie.

„Oh Gott, ich bin kurz davor seine Adresse rauszusuchen und ihn eigenhändig umzubringen." 

Damian schien vor Wut beinahe auszuflippen. Sein Gesicht war nicht mehr blass sondern knallrot und die adern an seinen Armen traten stärker als sonst hervor. Die Knöchel an seinen Fingern waren ebenfalls zu sehen.

Ich war so überwältigt, dass ich mich in dieser Situation befand, dass ich kein Wort rausbekam.

„Bist du deshalb nach Ohio gekommen?" fragte Damian mit einem sanften Ton und blickte zur Seite, wo ich saß.

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