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~ Franklin Sanatorium ~

Reece POV

„Mr. Winchester?", hörte ich eine Frauenstimme hinter mir und drehte mich um.

Am Empfang stand eine kleine, zierliche Frau, die mich lächelnd ansah. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen. Sie mich wahrscheinlich auch nicht, sonst würde sie mich Reece nennen. Mr. Winchester war mein Vater. Allerdings ließ er sich hier sowieso nur ganz selten blicken.

„Nennen Sie mich bitte Reece.", antwortete ich der Frau und sah auf ihr Namensschild. Madilyn.

„Reece", verbesserte sich die junge Pflegerin lächelnd, „hier ist ein Karton für dich. Theresa hat es mir heute Morgen gegeben und meinte, dass ich ihn dir das nächste Mal überreichen solle." Die Frau hievte einen großen braunen Karton auf den Tresen und ich warf schnell einen kurzen Blick hinein. Ein paar Bücher befanden sich in ihm. Etwas Kram sah ich auch irgendwo zwischen ihnen.

„Ist gut. Richten Sie ihr bitte aus, dass ich das nächste Mal neue Bücher mitbringen werde."

„Gerne. Besuchst du sie denn nicht noch?", wollte sie von mir wissen. Irgendwie sah die Pflegerin enttäuscht aus, als ich den Kopf schüttelte. Vielleicht lag es daran, dass sie sie ins Herz geschlossen hatte. Aber ich musste noch den Umschlag bei Dr. Leeson abgeben. Danach brauchte ich erstmal eine Pause von dem Franklin Sanatorium. Ich konnte nicht erklären was es genau war, aber hier herrschte jedes Mal eine bedrückende Stimmung.

„Ich gebe nur schnell die Unterlagen bei Dr. Leeson ab. Dann hole ich die Sachen auf dem Rückweg.", informierte ich die Pflegerin. Sie nickte und wies mir mit einer Handbewegung den Weg. Reine Höflichkeit. Ich kannte das Büro der Psychotherapeutin.

Als ich an der Tür klopfte, dachte ich darüber nach, dass wir beide bald zusammen hier herausgehen könnten. Wenn auch sie nur für einen Tag.

„Herein.", hörte ich die sanfte Stimme der Ärztin und ich drückte die Türklinke herunter.

Im Büro war es wie immer angenehm warm. Dr. Leeson saß auf ihrem Schreibtischstuhl und stand auf, als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte.

„Freut mich dich zu sehen, Reece.", begrüßte sie mich, ehe sie mir ihre warme Hand reichte, die ich kurz ergriff und drückte. „Setz dich doch!", forderte sie mich auf. Routinemäßig nahm ich auf ihrer braunen Ledercoach Platz und fühlte mich manchmal dabei wie ein Patient. Allerdings wusste ich, dass sie hier keine Gespräche mit ihren Patienten führte. Ich warf einen kurzen Blick auf den Schreibtisch. Offenbar schrieb sie gerade etwas in eine Krankenakte.

„Ich wollte Ihnen nur die nötigen Papiere aushändigen.", ergriff ich das Wort und überreichte der Ärztin den weißen Umschlag. Ich hatte nicht hereingesehen, da ich gar nicht wissen wollte, was mein Vater schon wieder alles unterzeichnen musste. Es war besser, wenn ich unwissend blieb.

„Danke.", erwiderte sie und nahm die Papiere entgegen, die sie auf den kleinen Beistelltisch neben eine Blumenvase legte.

„Ich möchte dich gerne etwas fragen.", sagte Dr. Leeson. „Theresa redet in letzter Zeit häufig von Gabriels Baseballschläger. Ich habe mit deinem Vater schon darüber gesprochen, aber er weiß nicht, wo er diesen hingelegt hat."

Ich musste selbst kurz überlegen. Eigentlich hatten wir seit dem Tod meines Bruders sein Zimmer nicht aufgeräumt. Es sah alles noch genauso aus, wie es vor sieben Jahren war. Mein Vater mied das Zimmer. Manchmal erwischte ich ihn dabei, wie er kurz vor der Tür inne hielt, aber dann doch nie hinein ging. Ich für meinen Teil würde es nicht übers Herz bringen dort auszumisten. Manchmal ging ich in das Zimmer meines Bruders, weil ich irgendwie das Gefühl hatte ihn dort zu spüren. Vielleicht sollte ich selbst eine Therapie in Anspruch nehmen.

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