~ False assumptions ~ 

„Oh, schön dich zu sehen, Madison!", begrüßte mich Mr. Winchester immer noch etwas verwirrt. Ich wusste auch nicht Recht mit der Situation umzugehen. Schließlich saß ich hier mit ungekämmten Haaren und im Pyjama vor Reece Vater. Peinliche Situation und peinliche Stille herrschte, nachdem ich ein verlegenes 'Guten Morgen, Mr. Winchester' gemurmelt hatte.

„Wo ist denn Reece?" , wollte er schließlich von mir wissen.

Gerade, als ich zu einer Antwort ansetzen wollte, bog dieser schon nur mit einem Handtuch um den Hüften und mit nassen Haaren um die Ecke. Seinen Vater hatte er offenbar genauso wenig wie ich hier erwartet vorzufinden.

„Was machst du denn hier?" Reece runzelte verärgert die Stirn, während mein Blick an dem weißen Handtuch hängen blieb.

Wenn das jetzt herunter fiel, würde...

Meine schmutzigen Gedanken waren am Morgen definitiv am aktivsten. Wahrscheinlich lag es aber nur an der Situation. Obwohl diese alles andere als erotisch war. Dennoch konnte ich mich an diesen Anblick gewöhnen. Ich musste mein Lächeln verstecken, indem ich schnell etwas trank, sonst hätte es meine Gedanken verraten.

„Ich war auf dem Weg zur Arbeit und wollte dir nur sagen, dass du", Mr. Winchester kramte in seiner schwarzen Aktentasche nach etwas, „das hier bitte heute noch bei Dr. Leeson abgibst. Es sind die Papiere."

Er sah seinem Sohn eindringlich in die Augen, ehe er ihm den großen weißen Umschlag überreichte.

„Wieso kannst du das nicht selbst machen? Du fährst doch sowieso nach Philadelphia.", grummelte Reece schlecht gelaunt. Er legte den Umschlag so auf den Tisch, sodass ich den Empfänger nicht lesen konnte. Dann machte er sich an der Kaffeemaschine zu schaffen.

„Ich habe ein wichtiges Meeting und komme nicht dazu es pünktlich dort abzuliefern. Also, kann ich mich auf dich verlassen?"

Irgendwie fühlte ich mich etwas fehl am Platz. Ich hatte keine Ahnung wovon die beiden da sprachen, aber es schien verdammt wichtig zu sein. Oder Mr. Winchester machte aus einer Mücke einen Elefanten. Jedoch bezweifelte ich das.

„Geht klar. Ich kümmere mich darum.", stimmte Reece etwas genervt zu, ehe er sich wieder zu uns umdrehte und seinen Vater abwartend ansah.

„Ich geh dann mal. War schön dich gesehen zu haben, Madison.", richtete er das Wort wieder an mich. Ich lächelte so freundlich und ungezwungen wie nur möglich. „Bis dann, Reece."

Mr. Winchester nickte seinem Sohn kurz zu. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verließ schnellen Schrittes die Wohnung. Noch bevor er zur Türe draußen war hörte ich ihn sagen: „Carla, sagen Sie den Leuten vom Ausschuss, dass ich mich aufgrund eines Staus verspätet habe. Ich bin in spätestens zwanzig Minuten da."

Dann fiel die Türe ins Schloss.

Mein Blick glitt erneut zu Reece, der kurz mit den Augen rollte. Wahrscheinlich wegen dem Verhalten seines Dads.

„Ich geh mich mal kurz umziehen, Mad.", informierte er mich. Schnell griff er nach dem Umschlag, den sein Vater ihm gegeben hatte und nahm gleichzeitig auch den Brief mit.

„Das musst du nicht tun!", rutschte es mir dummerweise heraus, als er schon fast die Türschwelle passiert hatte. Reece hielt in seiner Bewegung inne und drehte sich langsam zu mir um.

Wie in Zeitlupe zog er grinsend eine Augenbraue hoch.

„Ich meine natürlich, dass du ruhig zuerst frühstücken kannst.", verbesserte ich mich schnell mit hochrotem Kopf.

Those who leftLies diese Geschichte KOSTENLOS!