~ Trust ~

Ich wälzte mich in meinem Bett hin- und her. Zum Teufel mit Reece und seiner Art. Wieso konnte ich nicht schlafen? Tausend Gedanken schwirrten mir durch den Kopf, aber ich blieb immer bei einer Person hängen. Ihm. Er machte mich verrückt.

Schnell warf ich einen Blick zur Anzeige meines Weckers. Es war genau ein Uhr. Ich wechselte gerade zu einem anderen Song in meinem Handy, als plötzlich eine Nachricht auf dem Bildschirm auftauchte. Sofort setzte mein Herzschlag kurz aus und ich musste breit lächeln.

Reece: Schläfst du schon?

Ich: Nein.

Reece: Weißt du, ich liege in meinem Bett. Du liegst in deinem Bett. Einer von uns ist am falschen Ort.

Ich: Ich vermisse dich auch, Reece.

Reece: Ich liege nur ein paar Türen entfernt. Komm rüber. Dann können wir dem ein Ende setzen.

Ich: Ich bin mir nicht sicher, ob Freunde das machen, Reece.

Reece: Wir sind eben besondere Freunde.

Mit einem dümmlichen Grinsen sah ich auf mein Handy. Er lag wirklich nur ein paar Wohnung weiter in seinem Bett. Und er wollte wirklich, dass ich rüber kam. Es war seine Art mir so zu sagen, dass er mir bereit war mehr zu zeigen. Ohne noch groß darüber nachzudenken stand ich auf, schnappte mir meine Hausschlüssel und zog mir schnell Wollsocken über. Bevor ich auf Zehenspitzen die Wohnung verließ, richtete ich meine Haare noch schnell.

Ich: Mach deine Tür auf.

Mit einem breiten Grinsen stand ich im Schlafanzug also mitten im Flur und wartete darauf, dass mir Reece die Wohnungstüre aufmachte. Zum Glück trug ich keinen peinlichen Pyjama. Daran hatte ich nämlich gar nicht mehr gedacht. Er war zwar übergroß, aber wenigstens hatte er kein Kindermuster oder sonstiges.

Als mit einem Mal die Türe aufgerissen wurde, zuckte ich kurz zusammen, sah dann aber wieder lächelnd in Reece verblüfftes Gesicht.

„Du stehst wirklich hier.", begrüßte er mich überrascht.

„Hätte ich es sonst geschrieben?", antwortete ich mit einer rhetorischen Frage, ehe ich mich an ihm vorbei in die warme Wohnung drängelte. Draußen im Flur fing ich nämlich schon langsam an zu frösteln.

Ich bemühte mich nicht auf seinen nackten Oberkörper zu starren, als er mich sichtlich glücklich durch seine gesamte Wohnung führte. Zu dem Zimmer, welches ich als einziges noch nicht gesehen hatte. Sein Schlafzimmer.

Keine Ahnung, was ich erwartet hätte, aber ganz sicher kein Regal voller Kinderbücher und Fotos. Familienfotos. Fotos mit Freunden oder einfach nur von Landschaften. Dieses Zimmer ähnelte kein bisschen dem Zimmer, welches er im Haus seines Vaters hatte. Es war persönlich und zum ersten Mal, sah ich seinen Bruder im Teenageralter.

Zögerlich ging ich, nachdem ich einen vorsichtigen Blick über die Schulter geworfen hatte, um mir Reece stumme Erlaubnis zu holen, näher an die Bilder heran.

Als ich Gabriel auf den Fotos glücklich lächeln sah, konnte ich mir nicht vorstellen, dass derselbe Junge mit vierzehn Jahren Selbstmord begangen haben soll. Er sah genauso aus wie Reece. Vielleicht war seine Nase etwas kleiner und seine Augen etwas heller, aber sonst war er seinem kleinen Bruder wie aus dem Gesicht geschnitten. Ich stellte keine Fragen, weil ich genau wusste, dass es Reece schon viel Mut gekostet haben musste mich hier herein zu lassen. Ohne, dass ich mit ihm sprach, war mir klar, dass er in diesem Raum vermutlich am verletzbarsten war. Ich schätzte es sehr, dass er mir so viel Vertrauen schenkte.

Those who leftLies diese Geschichte KOSTENLOS!