~ Let us talk ~

„Wie geht es jetzt weiter...mit uns?" , stellte ich die entscheidende Frage, nachdem wir uns eine ganze Weile nur stumm angesehen hatten. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich Reece und mich in seiner kleinen Wohnung einschließen. Dann würde es keinerlei Probleme mit der Familie, Freunden oder, was uns beide mehr als alles andere belastete, der Vergangenheit geben. Nur leider entsprach das nicht der Realität.

Reece räusperte sich. Dann stellte er das dampfende Getränk auf einem kleinen Beistelltisch ab und sah mir nachdenklich in die Augen. Je länger er nichts sagte, desto mehr beschlich sich in mir das Gefühl, dass er gar nichts mehr dazu sagen würde. Dass er einfach so tun wollen würde, als wäre nichts geschehen. Doch, als er zögerlich zu einem Satz ansetzte, wusste ich, dass er nur nach den richtigen Worten gesucht hatte.

„Hör zu, Mad. Ich habe keine Ahnung, wie es weiter gehen soll. Ich bin mir aber dennoch in zwei Sachen ganz sicher." Mein Herz klopfte wie verrückt und mir stockte der Atem, als Reece eine kleine Pause einlegte, ehe er fortfuhr: „Erstens: Ich mag dich. Ich mag dich sogar sehr, aber das dürfte wohl kein unausgesprochenes Geheimnis mehr sein."

Ein glückliches Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, obwohl er es vorhin schon einmal gesagt hatte. Trotzdem fühlte es sich gut an es erneut zu hören.

„Zweitens: Ich weiß, dass ich kein Typ für eine wirklich gute Beziehung bin. Dafür bin ich noch nicht bereit. Und ich glaube, dass du es auch noch nicht bist."

Mein Glücksgefühl verschwand so schnell, wie es gekommen war. Aber was hatte ich bitte erwartet? Vor mir saß Reece Winchester. Dass er keine Beziehung wollte war sonnenklar. Und ich blöde Kuh war ihm auch noch um den Hals gefallen. Trotz der Warnung, die er mir zuvor gegeben hatte. Am liebsten würde ich vor Scham im Boden versinken. Und vor allem sollte Reece nicht merken, dass es mir peinlich war von ihm zurück gewiesen zu werden.

„Hör zu, ich..." , setzte Reece erneut an, als er bemerkte, dass ich seinem Blick auswich und zu Boden sah.

„Nein, ich verstehe schon. Du willst keine Beziehung. Das ist okay." Okay war es ganz und gar nicht, aber es war ja wohl altbekannt, dass Frauen nicht immer das sagten, was sie wirklich dachten. Besonders nicht bei dem Satz 'es ist okay'.

„Du verstehst mich völlig falsch. Es ist nicht so, dass ich nicht will. Ich kann es einfach noch nicht. Das heißt, ich könnte es mit dem Wissen, dass es scheitern würde, probieren. Aber das wäre nicht fair für beide Parteien." Ich spürte seine Hand auf meinem Knie und hätte es am liebsten so kindisch, wie ich manchmal war, weggezogen und beleidigt vor mich hin geschmollt. Dennoch sah ich es ein. Vermutlich waren wir beide noch nicht bereit dafür. Aber wieso wollte ich es dann so sehr?

„Was möchtest du denn dann? Wieso bin ich dann hier, Reece?", fragte ich ihn mit einer Mischung aus Verwirrung und Wut in meinem Bauch. Noch immer mied ich Blickkontakt mit ihm und sah deshalb auf seine Hand, die immer noch auf meinem Bein lag.

„Merkst du denn nicht, was ich die ganze Zeit versuche?", hörte ich ihn aufgebracht schnauben und blickte schließlich doch etwas unsicher auf. Reece war aufgesprungen und tigerte aufgebracht in seinem Wohnzimmer hin- und her. Ich schaute ihm einfach schweigend dabei zu, weil ich nicht wusste, was ich sagen sollte.

Nachdem er stehen geblieben war und sich einmal ratlos durch die Haare fuhr, entschloss er sich wieder neben mir auf dem Sofa Platz zu nehmen.

„Okay." Reece atmete tief durch, griff dann nach meiner rechten Hand, um sie mit seiner warmen zu verschränken. „Ich versuche mich dir zu öffnen. Das ist das Problem, was ich dir begreiflich machen will. Ich möchte keine Beziehung mit jemandem führen zu dem ich nicht zu hundert Prozent ehrlich sein kann. Genauso wenig möchte ich, dass du mich anlügst. Wir wissen beide, dass wir einander Sachen verbergen."

Er machte eine kurze Pause, denn er redete so schnell, dass ich fast dachte er würde vergessen zu atmen und sich überschlagen.

„Und deshalb" , fuhr er langsamer fort, „sollten wir einander erst einmal richtig kennenlernen. Lernen zu vertrauen, ehe wir eine wirkliche Beziehung eingehen."

Überrascht von seinen Worten, musste ich das Ganze erst einmal sacken lassen. Reece hatte Recht. Wir hatten so viele Geheimnisse voreinander und jetzt, wo ich allmählich wirklich erkannte, dass er sich jede Menge Mühe damit gab, mich in sein Inneres zu lassen, verflog die anfängliche Wut und Enttäuschung wieder.

„Also werden wir es trotzdem versuchen?" , schlussfolgerte ich und sah Reece fragend in die Augen.

„Ja, wir werden es versuchen." , bestätigte er und ich sah auf unsere ineinander verschränkten Hände.

„Als Freunde." , fügte ich noch hinzu.

„Wir waren nie nur Freunde, Mad." , meinte Reece leicht lächelnd. „Aber vorerst als 'Freunde' und dann sehen wir weiter."

Ich nickte langsam. Kichernd fragte ich ihn: „Seit wann halten Freunde Händchen?"

„Du hast Recht. Eigentlich machen Freunde das nicht." , entgegnete Reece grinsend. Wie in Zeitlupe ließ er meine Hand los, aber nur um sie an meine Wange zu legen.

„Ab morgen sind wir nur Freunde." , hörte ich ihn noch murmeln, ehe meine geflüsterte Antwort auch schon in unserem Kuss unter ging.

~

Als ich am nächsten Morgen auf mein Handy sah, erkannte ich den Bildschirm voller Nachrichten fast nicht. Gestern Abend, oder eher Nacht, hatte ich mich schweren Herzen zurück auf den Weg zu meiner Wohnung gemacht. Als ich dann in meinem Zimmer stand, wäre ich vor Erschöpfung fast in mein Bett gefallen. Die Nacht saß mir immer noch tief in den Knochen, weswegen ich ausnahmsweise Kaffee trank. Eigentlich mochte ich das Zeug nicht sonderlich, aber ich hatte einen Koffein-Kick dringend nötig. Vor allem, weil wir heute Sport hatten und ich keine Ahnung hatte, wie ich das überleben sollte.

20 Anrufe und 60 Nachrichten in Abwesenheit zeigte mein Handy an, als ich es gegen sieben Uhr einschaltete.

Die meisten waren von Ronnie. Sie bestanden aus Sätzen wie: Wo steckst du? Seid ihr zusammen weg? Ich mache mir Sorgen. Ignorier mich nicht oder ich verbreite das Gerücht, dass ihr beide gerade süße Kinder macht!!!

Grinsend las ich die unzähligen ähnlich klingenden Nachrichten von Ronnie durch. Jack hatte es ganze dreimal bei mir versucht, genauso wie Nate. Der Rest ging definitiv auf Ronnies Kappe. Es würde interessant werden sie heute zu sehen.

Etwas energiegeladener packte ich meine Tasche und schleppte mich dann in voller Montur nach draußen. Die Luft war eisig. Doch ich hatte Reece gestern gesagt, ich würde wieder Fahrrad fahren. Zwar bereitete es mir keine Todesangst mehr mit ihm zu fahren, aber die Straßen wurden langsam glatter und eigentlich mochte ich es etwas für meine Fitness zu tun. Außerdem würde mich der kalte Wind zusätzlich nochmal aufpeppen.

Als ich gerade, bibbernd vor Kälte, an der Schule ankam, wurde mir bewusst, dass heute unser letzter 'Beziehungstag' sein würde. Dann war die Wette um. Es war irgendwie komisch daran zu denken, obwohl ich vor ein paar Tagen noch dachte, dass ich wahrscheinlich die Tage zählen würde bis es endlich vorbei sein würde. Da hatte ich mich wohl oder übel etwas getäuscht.

Du!" , hörte ich jemanden rufen, sobald ich den Flur betrat. Diese Stimme kannte ich nur zu gut und am liebsten wäre ich wieder weggerannt. Aber zu spät: Ich sah Ronnie schon theatralisch auf mich zu stürmen, sodass sich die gesamte Schülerschaft nach ihr umdrehte.

Jacks schadenfrohes Grinsen erkannte ich schon aus meterweiter Entfernung.

Ich würde mich auf tausend Fragen einstellen müssen.


// Wenn es gut läuft kommt heute Abend noch ein Kapitel.
     Könnt ihr die Entscheidung der beiden verstehen? //

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