~ Mr. shy guy? ~

Der nächste Morgen wurde ziemlich stressig. Ich hatte verschlafen und der Fakt, dass Reece mich abholen würde, machte es nicht gerade besser.

„Hast du mein Parfum gesehen?" , fragte ich meine Schwester, während ich mir meine Schuhe anzog und dabei komisch durch die Wohnung hüpfte. Ich warf einen hektischen Blick zur Uhr. Nur noch fünf Minuten.

„Nein." , erwiderte Jo, wobei ich es kaum verstand, da meine Schwester sich gerade ein Müsli hereinschaufelte. Immer wenn man einmal Parfum auflegen wollte, fand man es nicht. Genervt stampfte ich zurück in mein Zimmer und kramte ein Bodyspray heraus, welches ich mir schnell auf meinen Hals sprühte.

Als ich einen Blick aus dem Fenster warf, konnte ich einen dunkelblauen Audi am Straßenrand erkennen. Reece hatte Wort gehalten. Schnell schnappte ich mir meine Schultasche, rief 'Tschüss' und verließ dann die Wohnung. Fast wäre ich mit meiner Nachbarin, einer alten Frau, um die achtzig zusammen gestoßen. Sie kam gerade vom Bäcker. Es fehlte nicht viel und ich hätte sie auf der Treppe umgerannt.

„Tut mir leid, Mrs. Miles!" , entschuldigte ich mich schnell. Sie lachte aber nur und murmelte irgendwas von jugendlichem Elan. Völlig außer Atem kam ich an der Haustüre an. Ich richtete noch schnell meine Haare, die durch das Rennen etwas zerzaust waren. Dann holte ich tief Luft und öffnete die Türe.

Reece lehnte lässig an der Beifahrertür und ich konnte sein breites Grinsen schon aus meterweiter Entfernung sehen. Ich bemühte mich nicht schneller zu laufen und als ich dann schließlich vor ihm stand, wusste ich nicht, was ich tun sollte.

„Bonjour, ma chérie!" , begrüßte mich Reece auf Französisch, wobei ich mich zusammen reißen musste, um nicht leicht zu erröten.

„Morgen." , murmelte ich lächelnd.

Reece trat einen Schritt zurück, um mir die Türe zu öffnen. Es war noch lange nicht keine große Sache für mich, aber es versetzte mich nicht mehr in Todesangst oder Panik, wenn ich daran dachte in sein Auto zu steigen. Zwar zitterten meine Hände etwas, aber ich ließ mich trotzdem auf den Ledersitz fallen.

Als Reece sich neben mich setzte, stellte er die Heizung erst einmal an. Als wir vom Parkplatz fuhren, sah ich meine Schwester. Sie lief gerade zur Haustüre raus, geradewegs auf ein schwarzes Auto zu. Vermutlich gehörte es Jack.

„Gut geschlafen?" , fragte Reece mich, als wir an einer roten Ampel hielten.

„Sehr gut. Und du?" , antwortete ich ihm, woraufhin er mich zur Antwort anlächelte.

„Etwas kurz, aber ich kann mich nicht beklagen."

Ich unterdrückte den Drang zu fragen, warum er keinen langen Schlaf hatte. Es ging mich ja schließlich nichts an. Und als neugieriger Stalker wollte ich wirklich nicht gelten.

„Hey, hast du heute Abend Lust mit feiern zu kommen? In Philadelphia gibt es einen wirklich coolen Club." Ich sah zu Reece, der sich unwohl am Hinterkopf kratzte. War er etwa nervös? Bei dem Gedanken musste ich sofort schmunzeln.

„Unter der Woche? Sind Clubs nicht ab einundzwanzig in Amerika?"

„Hab Spaß, Mad!" Reece parkte sein Auto nahe der Fahrradständer und zwinkerte mir zu. „Jack hat seine Kontakte zum Ladenbesitzer."

Wieso wunderte mich das nicht? Andererseits wieso eigentlich nicht? Ich würde Spaß haben, feiern, tanzen. Einfach mal los lassen. Es würde mir sicher gut tun.

„Na, gut." , willigte ich ein, wobei Reece freudig in die Hände klatschte.

„Parfait. Ich hole dich um acht Uhr ab." Ohne, dass ich darauf etwas erwidern konnte, stieg er schon aus und öffnete keine Sekunde später auch schon meine Tür.

Those who leftLies diese Geschichte KOSTENLOS!