Teil 10

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Teil 10

Schweißgebadet setzte ich mich kerzengerade auf und atmete tief ein, als wäre ich kurz vor dem Ertrinken gewesen. Ich blickte mich im Raum um und erkannte, dass Tea noch schlief. Mein Wecker zeigte, dass es 7:30 Uhr morgens war. Ich fuhr mit meinen Händen über mein Gesicht und ließ meine Beine über der Bettkante taumeln.

Es war nur ein Traum, wie jede Nacht, nur ein Traum.

Ich schlich ins Badezimmer und schloss die Tür hinter mir. Die Albträume mussten doch irgendwann mal ein Ende nehmen, oder nicht? Es konnte nicht so weiter gehen, dass ich jede Nacht Angst hatte einzuschlafen.

Ich duschte länger als nötig, weil ich das Gefühl hatte schichtenweise Dreck auf meiner Haut zu haben. Nachdem ich meine Haare geföhnt und mir eine Schicht Mascara aufgetragen hatte, um nicht all zu sehr wie ein Zombie auszusehen, zog ich mir eine graue Jeans und einen cremefarbenen Pullover an. Ich legte mir meine Kette mit dem Schriftzug „Ever" um und musste an die Nacht im Flur denken, als Damian mich nach meinen Namen gefragt hatte. Schnell schüttelte ich diesen Gedanken ab und zog mir meine Stiefel an. Gerade als ich meine Winterjacke anzog klopfte es an der Tür. Ich nahm die Tüte mit den Sachen aus dem Baummarkt in meine Hand und klemmte das große rechteckige Holzbrett unter meinen Arm. Ich öffnete die Tür und erblickte Jack, der angelehnt am Türrahmen stand und mich anlächelte.

„Guten morgen." begrüßte er mich und nahm mir die Tüte und das Holzbrett ab.

„Ich glaub es nicht, dass du wirklich gekommen bist, nur um mir mit dem Zeug zu helfen. Es hat schon gereicht, als du gestern mit mir im Baumarkt die Materialien besorgt hast." sagte ich und lief mit ihm zum Aufzug. Meine Gesichtsmuskeln taten schon von meinem Dauergrinsen weh, doch ich konnte es nicht fassen, dass er tatsächlich so früh für mich aufgestanden ist, um mir mit dem schweren Zeug zu helfen.

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich morgen mit meinem Auto abhole, um dir mit den Sachen zu helfen."

Er drückte den Knopf, der uns zum Erdgeschoss fuhr.

„Das ist wirklich unglaublich nett von dir." bedankte ich mich und war froh, dass ich nur meine braune Umhängetasche tragen musste.

Wir liefen zu seinem BMW, der direkt vor unserem Wohngebäude geparkt war. Er verstaute das Zeug im Kofferraum und hielt mir dann die Tür zum Beifahrersitz auf. Ich lächelte dankbar und setzte mich ins Auto. Er kam ebenfalls in den Wagen und schaltete den Motor an.

Der Weg ins Wohnheim verlief still. Ich beobachtete den Nebel, der über dem Feld schwebte. Es war seltsam mich von Jack abholen zu lassen um mich zu Damian zu bringen. Ich sah zu Jack hinüber und musterte ihn von der Seite. Je mehr die Zeit verging, desto mehr verblassten jegliche spuren von Jack's und Damian's körperlichen Auseinandersetzung. Jack's Riss an seiner Lippe war nur noch minimal zu sehen. Er sah mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an und zog die Lippen zu einem Strich zusammen. Erst jetzt bemerkte ich, dass das Auto stand und wir uns auf dem Parkplatz befanden. Ich drehte mich zur Tür um sie zu öffnen. Meine Wangen färbten sich knallrot. Na toll, jetzt hatte Jack bemerkt wie ich ihn angestarrt habe. Ich stieg aus und wartete, bis er die Sachen aus dem Kofferraum geladen hatte. Er begleitete mich bis zu Damian's Tür. Ich klopfte an dem dunkelblauen Rechteck und wartete. Die Stille war so erdrückend und unangenehm. Jack stand gegenüber von mir mit den Sachen in der Hand. Ich war mir ziemlich sicher, dass er nur wartete um Damian unter die Augen zu treten. Erneuert schlug ich mit meiner Faust gegen die Tür und verlagerte mein Gewicht auf einen Fuß. Hatte er etwa vergessen, dass ich heute vorbeikam? Schritte waren von der Wohnung zu hören. Damian öffnete gähnend die Tür, während er mit der anderen Hand seine Augen rieb. Seine Miene veränderte sich schlagartig, als er Jack neben mir stehen sah.

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