~ Help ~

Planlos lief ich durch die Gänge, bis ich die Mädchentoilettentür aufstieß und mich in einer Kabine einschloss. Ich versuchte meinen schnellen Atem unter Kontrolle zu bekommen, konnte aber gleichzeitig nicht verhindern, dass sich die angesammelten Tränen aus meinem Augenwinkel lösten. Wieso war ich nur so schwach? Jedes Mal, wenn ich mit Kate, Emma oder meinem verlogenem Vater konfrontiert wurde, verlor ich die Nerven.

Als ich hörte, wie die Türe aufging, erstarb mein ersticktes Schniefen und ich hielt den Atem an.

„Mad, ich weiß, dass du hier drin bist." , vernahm ich die Stimme, die im am allerletzten vermutete auf dem Mädchenklo zu hören.

„Reece, das hier ist die Mädchentoilette. Du hast hier nichts zu verloren!" , erwiderte ich und machte keinerlei Anstalten irgendwie rauszukommen. Erst, wenn er ging, würde ich die Türe aufmachen. Sonst würde er mich ein zweites Mal so neben der Rolle sehen.

„Mach die Tür auf, bitte." , antwortete Reece ohne auf meinen Satz einzugehen.

„Nein." Trotzig verschränkte ich die Arme vor der Brust, obwohl er es ja nicht sehen konnte.

„Entweder kommst du da jetzt raus, oder ich klettere eben über die Trennwand. Das ist mir egal." , drohte Reece mir und ich konnte sein entschlossenes Gesicht praktisch vor meinem inneren Auge sehen. Eine Weile herrschte Stille, da ich nicht wusste, was ich antworten sollte. Dann hörte ich ihn leise seufzen.

„Wie du willst, dann komm ich jetzt eben rüber." , warnte er mich und ich wollte gerade den Mund aufmachen, um zu widersprechen, da hörte ich ihn schon springen und keine Sekunde später tauchte sein Gesicht über der Trennwand auf. Mit beiden Armen drückte er sich hoch, ehe er schließlich ein Bein über die Wand schlug.

Schnell wischte ich mir über meine Augen, wohlwissend, dass meine Wimperntusche wahrscheinlich an meinen Wangen klebte.

„Ich hab dich gewarnt.", meinte Reece, ehe er sich fallen ließ und neben mir auf dem Boden aufkam. Kurz sah er sich in der viel zu kleinen Kabine um.

„Viel sauberer, als bei uns." , stellte er fest, ehe er sich gegenüber von mir an die Wand lehnte. „Was ist los?" , frage er mich schließlich, aber ich schüttelte nur den Kopf.

„Ich weiß, dass ich nicht die Person bin, der du deine Probleme anvertraust, aber vielleicht solltest du dir jemanden dafür suchen." , fuhr Reece fort, als ich nicht antwortete.

„Ach ja? Sprichst du denn mit jemanden über Gabriel?" , zischte ich schärfer als beabsichtigt, aber die Tatsache, dass er mich wütend gemacht hatte, indem er meinte zu wissen, was gut für mich war, ließ mich einfach etwas sagen, was ich eigentlich niemals von mir geben wollte.

Reece sah mich für einen kurzen Moment nur geschockt an und klappte den Mund auf, aber kein Ton kam heraus. Sofort bereute ich es.

„Es tut mir leid. Das war nicht so gemeint, ich..." , fing ich an mich zu entschuldigen, aber Reece ließ mich nicht aussprechen.

„Es war mir schon klar, dass dir das nicht lange verborgen bleiben würde, Mad." Reece lächelte mich traurig an und ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis ihn in den Arm zu nehmen. So komisch das auch klingen mochte.

„Aber, nein, das tue ich nicht. Das heißt aber nicht, dass du es nicht tuen solltest."

Wieder schüttelte ich nur den Kopf.

„Wovor hast du Angst, Madison?" , fragte er mich, während er mir unverwandt in die Augen sah.

„Vielleicht mir einzugestehen, dass ich wirklich Probleme habe. Oder verurteilt zu werden." , antwortete ich ihm, wobei ich Reece dabei nicht in die Augen sah, aus Angst in Tränen auszubrechen. „Was tust du dagegen?" , fragte ich ihn und sah wieder zu ihm.

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