2 - Mein neuer Bruder

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Ich wurde durch ein Geklopfe an meiner Tür geweckt. "Aufstehen, das Frühstück ist fertig.", rief mein Vater mit einer mir unbekannten, freundlichen Stimme.

Genervt stand ich auf und öffnete die Tür. Mein Vater schaute mich, mit einem Lächeln auf den Lippen, freundlich an.
Augenverdrehend lief ich an ihm vorbei, die Treppe hinunter ins Esszimmer.

Ich setzte mich an den großen Tisch und starrte vor mich hin. "Guten Morgen.", hörte ich Lilly hinter mir sagen. "Ja genau. So ein guter Morgen...", nuschelte ich vor mich hin. Sie setzten sich beide gegenüber von mir hin. Ich hatte zwar keine Lust darauf hier zu wohnen, aber ich wartete dennoch bis sie beide saßen, Manieren hatte ich allerdings.

Ich wollte mir gerade etwas nehmen, als ich weitere Schritte hörte.
Jemand setzte sich neben mich. Ich schaute zu diesem jemand hinüber und sah einen Jungen in meinem Alter.

"Sabrina, das ist Liam, dein neuer Bruder." "Hey", sagte dieser lächelnd. "Hey...", gab ich von mir und wendete mich von ihm ab um zu frühstücken.

"Morgen wirst du auf deine neue Schule gehen. Hast du schon gepackt?", fragte Lilly nach dem Frühstück. "Packen? Wieso?" "Du wirst auf ein Internat gehen. Hat dir das dein Vater nicht gesagt?" "Nein!"

Ich stampfte zu dem Büro meines Vaters und trat ein, ohne zu fragen geschweige denn zu klopfen.

"Was gibt's?", fragte er mich unschuldig. "Was es gibt? Es ist ja nicht schlimm genug, dass ich bei dir wohnen muss, nein dann schiebst du mich auch noch ab, in ein verficktes Internat!", ich schrie so laut, dass sich eine Tür hinter mir im Gang öffnete und Schritte in unsere Richtung kamen.

"Wir schieben dich nicht ab." Wie konnte er so ruhig reden? "Nein? Und wie nennst du es dann?" Ich schrie noch immer. "Liam ist auch auf diesem Internat. Es ist besser als die Schule hier." Ich drehte mich um und entdeckte Liam.
"Was?", schrie ich auch ihn an, da er ein Grinsen im Gesicht hatte das ich ihm heraus prügeln könnte. "Ihr könnt mich alle mal...", zischte ich. Ich stampfte an Liam vorbei, in mein Zimmer und schlug die Tür zu.

Ich rief meiner besten Freundin an, Lio. Nach kurzem nahm sie ab.
"Hey! Wie ist es bei deinem Vater?"
"So schlimm. Ich bin nicht mal ein Tag hier und werde schon in ein Internat abgeschoben. Ist das zu fassen?"
Ich hätte gedacht, dass sie genauso geschickt wäre wie ich.
"Sie es doch mal so. Du willst deinen Vater nicht sehen und wenn du im Internat bist, musst du ihn auch nicht sehen."
"Stimmt auch wieder... Aber da wäre noch Liam." "Wer ist Liam?" "Liam ist mein neuer Bruder oder so was in der Art." "Sieht er gut aus?"
Ich konnte mir vorstellen, wie sie jetzt vor sich hin grinste.
"Ja also schlecht sieht er nicht aus."
Es klopfte an der Tür. "Ich muss aufhören. Sag den anderen, dass ich sie vermisse. Bye." "Mach ich. Bye. Viel Spaß noch." Ich legte auf und warf mein Handy auf mein Bett.

Anschließend ging ich auf die Tür zu, um diese zu öffnen. Vor mir stand kein anderer als Liam. Er grinste immer noch wie ein Idiot.

"Was?!", zischte ich ihn genervt an. "Dad meint, ich soll dich mit zu meinen Freunden nehmen." "Nein danke. Ich verzichte liebend gerne."
Hatte er ihn gerade DAD genannt?
"Auch gut."
Damit verschwand er.

Nachdem ich die Tür wieder geschlossen hatte lief ich hinüber zu der Fensterwand. Ich zog den Vorhang beiseite und sah einen Balkon, den ich gestern noch nicht bemerkt hatte. Ich legte mich auf die Liege, die darauf stand und sonnte mich.

In Miami war es wirklich warm.

Ich hörte gerade Musik, als ich ein pfeifen vernahm. Schnell setzte ich mich auf und schaute um mich. Ein paar Meter weiter war ebenfalls ein Balkon. Der von Liam. Auf ihm standen drei mir unbekannte Typen. "Ey Liam, ist das deine Schwester? Die ist heiß.", rief der Blonde Junge in das Zimmer.

Liam kam nun ebenfalls auf den Balkon.
Ich stand auf und lief an das Geländer meines Balkons und presste mich dagegen, sodass ich näher an ihnen war und nicht so schreien musste, was ich so oder so getan hätte. Die Balkone waren vielleicht 50cm von einander entfernt. Mir war es egal, dass ich nur im Bikini vor ihnen stand.

"Ist das dein Scheiss Ernst? Du sagtest, dass du zu denen gehst und nicht, dass deine dummen Freunde herkommen!" "Die sind ja bei mir und nicht bei dir, also beruhig dich wieder, Püppchen.", lachte er. "Fick dich Liam."

Damit verschwand ich von meinem Balkon, zog mich wieder an und verschwand aus dem Haus.

Ja ich gehe eigentlich nur aus diesem Haus, aber was soll ich machen? Ich will nichts mit meinen Vater und seiner neuen Familie zutun haben.

Ich lief in einen Park, den ich gestern gesehen habe, und setzt mich auf eine Bank. Ich holte mein Handy und meine Kopfhörer heraus und hörte Musik. Die Musik durchströmte meinen Körper und ich starrte einfach nur gerade aus.

Ich war so in der Musik vertieft, dass ich erst nicht mitbekommen hatte, wie sich jemand neben mich setzte. Ich schaute auf und sah einen älteren Mann, der neben mir eine gedrehte Kippe rauchte. Halt, das war keine Kippe, es war ein Joint.

Ich lief angewidert weg und setzte mich irgendwo hin, wo es gemütlich aussah und telefonierte wieder mit Lio.

Ich wurde müde und lief zu meinen Vater. Dort angekommen lief ich in mein Zimmer.
Auf halben Weg wurde ich allerdings von meinem Vater aufgehalten. "Wo warst du?" "Draußen." "Weißt du eigentlich wie spät es ist?" "Ist das gerade dein Ernst? Ich hab dich die letzten paar Jahre nicht interessiert aber jetzt plötzlich interessiert es dich, wo ich war? Das kannst du deiner dummen neuen Familie verklickern, aber nicht mir.", keifte ich ihn an. "Rede nicht in diesem Ton mit mir." "Ich rede so mit dir wie ich es will. Du hast mir schon lange nichts mehr zu sagen!" Und damit ließ ich ihn alleine.

In meinem Zimmer angekommen stellte ich die Musik ganz laut.
Mir war es egal ob ich meine tolle Stiefmutter oder Liam oder die Nachbarn weckte. Meine Tür hatte ich abgeschlossen.

Ich nahm meine Koffer und packte meine Klamotten wieder ein.
In den einen Koffer packte ich nur Klamotten, Unterwäsche und Bikinis an, könnte ja sein, dass es dort einen See oder noch besser ein Meer gab. In den zweiten Koffer packte ich meine Schuhe, Schminksachen, Shampoo usw. ein. Was man eben noch alles benötigte.

Als ich nach kurzer Zeit fertig war zog ich mich um und ging schlafen. Morgen musste ich ja schon ins Internat. Aber wenigstens musste ich dann meinen Vater nicht mehr sehen.

Die Neue & die Wette #Wattys2016 #Wattys2017Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt