33. gemähter Grashalm

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Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass Alia tatsächlich zugesagt hatte. Als ich gestern Abend kurzerhand aus lauter Verzweiflung ins Mythos gegangen war, um sie zu fragen, hatte ich eigentlich schon fest damit gerechnet, bei der Hochzeit meiner Cousine alleine auftauchen zu müssen.

Doch sie hatte ja gesagt. Sie hatte sogar frei bekommen, da ihre Kollegin Mia netterweise ihre Schicht übernahm. Aber sie hatte kein Kleid gefunden und genau deshalb fuhr ich jetzt morgens um fünf Uhr durch einen mir sehr unbekannten Teil Aucklands und versuchte, das Haus zu finden, in dem sie jetzt wohnte.

Zehn Minuten und zwei Anrufe später, hatte ich endlich in die Richtung navigiert und fuhr in die Straße, in der sie wohnte. Ich konnte sie schon von weitem in der ansonsten menschenleeren Straße vor einem großen Mehrfamilienhaus stehen sehen. Sie winkte und ich hielt an.

"Na gut geschlafen?", begrüßte ich sie, nachdem sie zu mir in den Wagen geklettert war.

"Gut ja, aber viel zu kurz", brummte sie etwas unverständlich. Ich grinste nur. Offensichtlich war sie noch nicht richtig wach. Eigentlich kein Wunder, schließlich arbeitete sie bis mitten in die Nacht im Mythos.

Die restliche Fahrt über schwiegen wir und eine gute halbe Stunde später bog ich in eine kleine Seitenstraße am Rand von Auckland ein.
Nachdem ich angehalten hatte, öffnete Alia schläfrig ihre Augen.

"Sind wir schon da", fragte sie mit kratziger Stimme und auf mein "Ja" begann sie, sich zu strecken. Eigentlich ziemlich süß. Ich lächelte sie an und sie gähnte mich im Gegenzug an.

"Sorry", murmelte sie und sah ein wenig peinlich berührt aus.

"Macht nichts", lachte ich laut. "Passiert doch jedem Mal."

Kurz drauf standen wir vor dem großen Wohnkomplex, in dem Amy wohnte. Ich klingelte inzwischen schon zum vierten Mal Sturm, doch sie hatte immer noch nicht geöffnet. Wahrscheinlich schlief sie noch.

"Verdammt. Sie hat gesagt, sie wird wach sein", brummte ich ungeduldig. Wir brauchten Amy. Nachdem Alia mir gestern Nacht noch mitgeteilt hatte, dass das einzig schicke Kleid, dass sie besaß zu klein war, hatte ich Amalia angerufen und sie hatte versprochen ein Kleid zu leihen und sie außerdem zu schminken. Nicht, dass Alia das wirklich nötig gehabt hätte, doch sie schien über dieses Angebot ziemlich erleichtert gewesen zu sein.

"Sie kommt bestimmt gleich. Bei der Uhrzeit würde ich auch verschlafen", versuchte Alia mich zu beruhigen und gähnte passend dazu gleich noch mal kräftig.

"Warum glaub ich dir das nur sofort?", grinste ich. Alia grinste zurück und bevor wir noch mehr sagen konnten, ging die Sprechanlage an.

"Ich brauch noch fünf Minuten. Du hetzt mich", war Amys genervte Stimme zu hören.

"Okay." Erleichtert darüber, dass doch alles glatt zu laufen schien, entspannte ich mich ein wenig. In dem Moment fiel mir ein, dass ich meinen Anzug im Wagen vergessen hatte. Da ich mir sicher war, eine Weile bei Amy zu verbringen, hatte ich ihn noch nicht angezogen und wollte mich bei ihr umziehen, kurz bevor wir gehen würden.
Ich sagte Alia, dass ich ihn schnell holen würde, und sie einfach schon mal mit Amy hoch gehen sollte.

"Okay", antwortete sie langsam. Ihr Blick härtete sich ein wenig und ihre Augen blickten, groß und unsicher umher. Da sie in letzter Zeit verhältnismäßig offen gewesen war, hatte ich irgendwie gar nicht daran gedacht, dass das für sie ein Problem sein könnte. Mist.

"Ich beeil mich", versprach ich daher. Ich erwiderte Alias dankbar aussehendes Lächeln und joggte dann los zu meinem Auto.

Amy redete gerade mit Alia, als ich wieder zurück kam. Sie plapperte fröhlich auf sie ein, während Alia verkrampft daneben stand und einen Gesichtsausdruck hatte, der sehr nach "Ich will hier sofort weg" aussah.

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!