EINS: Das Spiel beginnt

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Es waren Semesterferien und Jeremias saß in seinem Zimmer vor seiner Konsole und spielte. Seit sein Mitbewohner und gleichzeitig bester Freund verreist war und sich sonst sein sozialer Umgang eher in Grenzen hielt, verbrachte er seine gesamte freie Zeit vor dem Bildschirm. Außer er schlief, aber selbst dies tat er nur wenige Stunden. Heute sollte ein neues Spiel auf den Markt kommen und er hatte es sich in dem Gamershop, in den er immer ging, bereits vorbestellt. Seit Wochen fieberte er dem Erscheinungsdatum entgegen. Es war ein Fantasy-RPG, also ein fantastisches Rollenspiel und er würde vermutlich die gesamten Sommerferien damit verbringen, dieses Spiel bis zum letzten Moment auszukosten und das höchste Level darin zu erreichen. Natürlich ging es ihm auch um den Spaß, aber er hatte einige Strategien, mit denen er effizient vorankam und dies hatte bisher bei jedem Spiel einwandfrei funktioniert. Der Laden würde zwar erst in zwei Stunden öffnen, er beschloss dennoch, sich schon einmal auf den Weg zu machen. Es gab noch mehr Gamefreaks wie ihn, und auch wenn er regelmäßig in dem Laden einkaufte. Das Spiel sogar vorbestellt hatte, konnte er nicht mit Sicherheit sagen ob sie es nicht doch einem anderen Kunden verkauften, der früher da war als er.

Mit der Straßenbahn fuhr er in die Innenstadt und ging zielstrebig den ihm bekannten Weg. Lediglich den Weg von der Uni nach Hause kannte er noch besser. Vor dem Laden hatten sich bereits ein paar Menschen versammelt, die er erkannte. Er hatte sie schon öfter auf Gamermessen und Events gesehen, auf die er ebenfalls ging, auch wenn ihm nicht der Sinn nach sozialen Kontakten war. Er wollte lediglich die neusten Spiele testen und die Präsentationen der noch kommenden sehen.

Er nickte manchen im Vorbeigehen zu und sie erwiderten seinen Gruß, schließlich reihte er sich hinten ein und nun hieß es, sich die Beine in den Bauch zu stehen. Die Zeit verstrich quälend langsam, so als würde man auf den Bildschirm schauen und man nahm an, der Ladebildschirm hätte sich aufgehängt und dann bewegte er sich doch einen Prozent weiter.

Endlich wurden die Pforten der heiligen Halle geöffnet und die Vordersten stürmten regelrecht den Laden. Als Jeremias ihn betrat, standen die Ersten bereits an der Kasse. Sie hielten das Spiel in der Hand, weswegen er ebenfalls hier war. Er ging zu Kevin, einem Mitarbeiter, der ihn bereits erkannte und wissend lächelte. Mit einer Geste gab er Jeremias zu verstehen, dass er kurz warten sollte und gleich zurück sein würde. Jeremias nickte um ihm zu signalisieren, dass er verstanden hatte und blieb vor der Theke stehen, währenddessen war Kevin im Lagerraum verschwunden. Als dieser zurückkam, hatte er ebenfalls besagtes Spiel in Händen. Er reichte es Jeremias und meinte: »Hier, ich wünsche dir viel Spaß damit, sag mir dann, wie es gewesen ist.«

»Sicher, wie immer.« Jeremias hatte schon öfter Berichte, Reviews und auch Gameplays gemacht, indem er die neuen Games auf Herz und Nieren prüfte. Er stellte sich mit seiner Errungenschaft ebenfalls an der Schlange an und musste an Snake denken, ein Spiel, das es früher fast auf jedem Handy gegeben hat. Heute war es nur noch ein vergessenes Relikt, beinahe antik. Manchmal, wenn ihm langweilig war, dann suchte er nach alten Spielen, den Grundbausteinen des Gamingzeitalters, den Klassikern eben. Er war noch in nostalgischen Gedanken versunken, als er bereits dem Kassierer gegenüber stand und dieser genervt die Augen verdrehte, weil er Jeremias zum wiederholten Male aufforderte, ihm das Spiel zu geben. Schnell gab ihm Jeremias die kleine Box und zog einen Hunderter aus seinem Geldbeutel. Er nahm das Wechselgeld entgegen, ebenso das Spiel, welches in eine Tüte samt Rechnung gesteckt worden war und machte sich auf den Heimweg.

Unterwegs war er noch schnell in einen kleinen Supermarkt gegangen und nun hatte er alles, damit er für die kommenden Tage, die Wohnung nicht verlassen musste. Er würde die nächsten Tage und Nächte sowieso nur vor dem Bildschirm verbringen, das war schließlich Zockerehre.

Er machte es sich gemütlich und fast andächtig holte er das Spiel aus der Tüte und packte es vorsichtig aus. Die Box war dicker, als die von seinen bisherigen Spielen und er fragte sich, wie lange wohl das Booklet war, das darin lag. Eigentlich las er keine Spielanleitungen, er überflog sie höchstens, allerdings konnte er bisher auch noch nicht sagen, wie umfangreich die Story des Spiels war. Mit einem erwartungsvollen Kribbeln in der Magengegend öffnete er die Box wie den Deckel der Pandorabüchse.

Adventure Arx - Held der FinsternisLies diese Geschichte KOSTENLOS!