Gebot

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Das lautstark angetrunkene Grölen der hohen Gesellschaft hallte im riesigen Festsaal wider und mit ihrem Gelächter ermutigten sie den mageren Mann nur noch schneller das Schwert in seinen Schlund zu schieben, bis zum Haft. Unter den Schaustellern waren nicht nur Schwertschlucker, ebenfalls Messerwerfer, Feuerspucker und Spielmänner mit Bodhrans, Lauten, Drehleiern und Schalmeis. Einer der edlen Männer hob die verschwitzte Hand und winkte. Sofort eilte ich zu ihm, mit einem großen Krug Met in meinen rauen Arbeiterhänden und schenkte ihm großzügig ein. Er nickte und schickte mich wieder weg. Ich stellte mich zurück auf meinen Platz, wo ich den ganzen Saal gut im Blick hatte. Der enge Stoff um meinen Beinen juckte und ich musste dem Gedanken widerstehen den Krug abzusetzen und mich wie wahnsinnig zu kratzen. Und wieder klatschten die Männer in den beeindruckend bunten Kleidern. Rüstungen abgelegt, stattdessen gegen Tunika und samtenem Mantel getauscht. Jedoch noch immer das Wappen des Landes tragend. Beifall signalisierte mir das nun der nächste Schausteller an der Reihe war die Herren zu erheitern und vom Geschehen der grauen Welt da draußen abzulenken. Vergessen war die eigentliche Aufmerksamkeit gegenüber den Grenzen des Landes, vergessen war der fortbestehende Kampf um Land und Reichtum. Das dramatische Schlagen auf den Bodhrans erklang und der stämmige Mann mit dem nackten Oberkörper spuckte heiße Flammen empor in die flimmernde Luft. Sofort waren sie begeistert und lachten schallend, auch wenn sie kaum noch etwas mitbekamen durch den stätig fließenden Fluss an Wein. Eine Bewegung war die Erlösung für mich aus diesem Trauerspiel. Er stand von seinem Sitz auf, verabschiedete sich von seinen Kameraden und winkte mich zu sich. Endlich konnte ich den schweren Krug Wein einem anderen überlassen und folgte dem breitschultrigen Mann hinaus an die frische Luft, hinaus aus dem stickigen Saal wo der beißende Geruch von Met und Wein meine Sinne benebelt hatte. Die Kälte der noch jungen Wüsten Nacht kam mir da nur sehr gelegen. Draußen fielen alle Anspannungen des Abends von uns und er drehte sich zu mir um. Mit seiner tiefen eindrucksvollen Stimme sprach er hemmungslos wie eh und je ,, Dieses ganze Gezetere verdirbt mir den Appetit auf ein saftiges Keulchen. Heuchler! Alle Drachenritter die dort in dem prunkvollen Saal schmausen und aufgesetzt gackern sind nichts als Heuchler! " Er machte eine Pause und für einen Moment schien er kurz Geistes abwesend, ob es nun wegen dem vielen Met stammte oder eben davon wie er eben war, konnte ich nicht deuten. Sein Blick wurde leer und er stapfte einfach weiter in Richtung der Baracken. Schweigend folgte ich ihm. Hätte ich auch nur ein kleines Wort über meine Lippen gebracht um meiner Meinung ebenfalls lautstark Kund zu tun, so wäre ich gegen die nächstgelegenste Mauer gedrückt worden. Ich lerne schnell aus meinen Fehler und rieb bei dieser, erst kürzlich geschehenden Erfahrung meine rechte Schulter. Mynos Kultur war im Vergleich zu der hier herrschende Kultur so harmlos und unschuldig wie ein Neugeborenes Riyuba. Hier herrschte ein Gebot. Es heißt wenn man nach diesem Gebot lebt, so wird man früher oder später ein machtvoller Mann. Nur das Leben allein einen härter macht. Man soll nur sich selbst lieben und vertrauen. Dieser Mann vor mir, der ein Dutzend Krüge mit Met getrunken hatte, danach noch aufrecht stand und noch immer den gleichen einschüchternden Eindruck bei einem hinterlässt, hatte mir in den letzten Tagen dieses Gebot ins Gedächtnis eingebrannt. Mit großen Schritten versuchte ich mit ihm Schritt zu halten. Ehrfürchtig hielt ich dennoch respektvoll Abstand. Angekommen an den Barracken begab er sich auf sein Abteil und befahl mir harsch mir mich ebenso zur Ruhe zu legen. Ich hatte eine Tür weiter ein kleines, dunkles Zimmer ohne Fenster. Ich zog mir die engen Stoffe von meinem Körper und fühlte mich Augenblicklich befreit. Auf solchen Feiern musste man sich immer fein anziehen und das bedeutete nicht gleich das die Kleidung dann angenehm zu tragen ist. Ich tastete im dunklen Raum nach meiner dünnen Decke aus zusammen geflickten Leinen und legte mich auf die dünne, staubige Stroh Matratze. Ich legte mich auf die Seite und starrte auf die Wand, direkt vor meinem Gesicht. Ich strich sanft gegen die aus Holz bestehende, splitternde Wand, worauf eine leicht verwischte Zeichnung, die mit Kohle gezeichnet worden war, abgebildet ist. Meine Mundwinkel zuckten leicht als ich mit dem Zeigefinger über das Gesicht von einen der beiden abgebildeten Figur strich. ,,Keine Sorge Vater. Wir werden uns bald Wiedersehen. Aber noch nicht. Erst muss ich mein Versprechen einlösen..."  Ich drehte mich auf den Rücken. Ich halte schließlich meine Versprechen... Aber erst muss ihm, mein Blick wanderte Richtung Tür, beweisen das ich bereit bin. Wie lange war ich ihm eigentlich nun zugewiesen ? Ich vermute es waren bereits ganze drei Tage. Über Sir Djemal konnte ich bisher nicht viel erfahren. Er hatte fettiges, langes dunkles Haar bis zu den Schultern, graue Augen und wie jeder der in Ephistus lebte hatte er olivfarbene Haut. Auch wie alle anderen Drachenritter in Ragnorr lebte er in den Baracken und ließ es sich gut gehen, bis man ihn irgendwo brauchte. Was aber nur selten war. Seit dem letzten Angriff ist es hier ruhig geworden. Es kann gut sein das die Angreifer bereits auf dem Vormarsch zur Stadt sind, doch selbst kleinere Drachen die als Späher fungierten konnten nichts in den Wüsten ringsum Ragnorr erspähen. So nahe Tag für Tag bei einem Drachenritter zu leben hatte so seine Vorteile z.b bekam ich immer mit was im Land und auch in anderen Ländern vor sich ging, da Sir Djemal immer auf den neuesten Stand der Dinge gebracht wird .Die Drachen der Drachenritter hatte ich noch immer nicht zu Gesicht bekommen und es schien auch nicht so, als würde Sir Djemal seinen je besuchen, was mir ein ziemliches Rätsel war. Vielleicht wurden die Drachen wirklich erst rausgeholt wenn sie gebraucht werden. Das empfand ich als ziemlich Eigennützig, da die Drachen unsere Verbündeten und Freunde waren und keine Gefangene. Aber es lag sicherlich eher an der rauen Art der Ephistus Bewohner. Man liebte es zu kämpfen und das Blut seines Gegenübers ins Gesicht zu bekommen. Wie ein Blutrausch oder so Ähnlichem. Sir Djemal hatte davon mit enthusiastischer Stimme einmal gesprochen. Ich kniff meine Augen zu und versuchte zu schlafen. Durch die dünne Wand hörte ich noch deutlich die Geräusche von unruhig auf und ab gehenden Schritten, ehe ich einschlief. 

Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!