~His family~

„Was zur Hölle machst du hier?" , fragte Reece mich fast schon etwas entsetzt. Gerade, als ich zur Antwort ansetzten wollte, blickte er nervös ins Innere des Hauses, ehe er hinaustrat und die Haustüre hinter sich etwas zuzog. Somit war sie nur noch einen kleinen Spalt breit offen.

„Ich wollte dir nur deinen Unterlagen vorbeibringen, aber so krank siehst du ja gar nicht aus." , erwiderte ich und ließ meinen Blick über seinen gesamten Körper schweifen. Reece trug ein einfaches Hemd, dazu eine Jeans und seine braunen Boots. Wollte er noch irgendwo hin?

„Mir geht es auch wieder besser." , meinte er, wobei er viel leiser als sonst sprach.

Als ich im Inneren Stimmen hörte, wusste ich, dass er nicht alleine war. Zuerst sagte eine weibliche Stimme irgendwas auf Französisch, wie es sich anhörte, ehe eine männliche auf Englisch antwortete.

Verwirrt zog ich die Stirn kraus, ehe ich Reece die Unterlagen hinhielt.

„Hier, bitteschön. Habe ich sehr gerne gemacht. Es gibt keinen Grund, dass du dich bei mir bedankst." Sarkastisch lachte ich kurz auf und wollte mich gerade wieder zum Gehen wenden, als Reece mich am Arm packte und aufhielt.

„Sorry, gerade ist es nur etwas ungünstig..." Reece warf nochmals einen Blick zurück ins Haus. „Danke." , murmelte er kaum hörbar und ich wunderte mich, dass er es überhaupt gesagt hat.

„Kein Problem." , brachte ich noch raus. Dann wurde die Haustüre mit einem Ruck aufgerissen und eine ältere Dame strahlte uns beide begeistert an.

„Qui est-ce?" , fragte sie Reece auf Französisch, der sie nur etwas genervt anblickte und dann in der gleichen Sprache, ohne jeglichen Akzent antwortete: „Elle est une copine."

„Ah, ah!" , rief sie freudestrahlend. „Du hältst misch nischt zum Narren, ma chère." Mir fiel sofort ihr französischer Akzent auf, der wirklich ziemlich witzig klang. Liebevoll tätschelte sie Reece Arm, wobei sie mich fröhlich anlächelte.

„Mit so einem wunderschönen Mädschen ist man doch nicht nur befreundet." Die Dame zwinkerte mir verschwörerisch zu, während ich nicht verhindern konnte wegen ihrem Satz rot zu werden.

„Komm doch rein mein Herzchen, wir wollten gerade Kuchen essen!" , schlug sie mir vor, doch ehe ich dankend ablehnen konnte, schob sie mich schon ins Haus. Mich wunderte es, dass Reece noch nichts gesagt hatte. Als ich einen hilflosen Blick über meine Schulter warf, lächelte er mich nur schwach an. Offenbar traute er sich wohl nicht ihr zu widersprechen. Komisch, so kannte ich ihn gar nicht.

„Isch bin Manon, Reece Großmutter." , stellte sie sich vor. Dann zog sie mich weiter durch einen Flur, mit weißen Wänden. Vereinzelt hingen dort ein paar Kunstgemälde, aber nichts, was den Raum irgendwie persönlich gemacht hätte. Keine Familienfotos.

„Matheo, isch habe einen Gast für heute!" , rief sie, als wir das Wohnzimmer betraten. Für einen Moment sah ich mich nur staunend um. Das Zimmer war ziemlich groß. In ihm befanden sich ein Kamin, vier Sessel, ein riesiges Bücherregal und in der Raummitte stand niemand anderes als Mr. Winchester mit einem älteren Herren. Ich nahm an, dass es wohl Reece Opa sein musste.

„Oh, wir kennen uns schon. Madison richtig?" Warm lächelnd kam Reece Vater auf mich zu und ich schüttelte freundlich seine Hand, die er mir hinhielt.

„Bitte nur Maddie." , verbesserte ich ihn und er nickte.

„Ich bin James." , stellte sich der ältere Mann vor und auch er gab mir seine Hand. „Reece Opa."

So wie es aussah, war Manon die einzige, die Französisch als Muttersprache hatte. Sie war es wahrscheinlich, die aus Kanada kam. Reece, der die ganze Zeit über nichts gesagt hatte, stand in der Wand angelehnt und beobachtete mit angespannter Mine das Szenario, das sich ihm bot.

„Isch freue mich ja so, dass Reece nun endlisch mal eine Freundin mit nach Hause bringt." , wandte sich Manon wieder an mich, wobei sie bei dem Wort Freundin wissend lächelte.

Zum Glück hatte es niemand sonst gehört. Es war schon schlimm genug, dass Manon dachte, dass wir mehr als nur Freunde seien. Obwohl ich mir nicht einmal sicher war, ob wir das wirklich waren. Da musste es Mr. Winchester nicht auch noch denken.

„Wollen wir dann essen?" , fragte James in die Runde und wir folgten ihm ins Esszimmer. Dort stand ein riesiger Tisch, an dem sicher zehn Leute Platz haben würden.

Wie konnte ich nur in diese Lage kommen? Wäre ich doch nur zu Hause geblieben.

Etwas unwohl setzte ich mich neben Reece auf einen Stuhl. Gegenüber nahmen James und Manon Platz und am Tischende saß Mr. Winchester.

Als ich einen Seitenblick zu meinem angeblichen Freund wagte, sah ich, dass er mich ebenfalls musterte. Nervös spielte ich unter dem Tisch mit meinen Fingern.

„Also dann..." Geschickt gab Mr. Winchester jedem von uns ein Stück von der ziemlich lecker aussehenden Torte auf. „Guten Appetit." , murmelte jeder und zögerlich probierte ich die Torte vor mir. Sie schmeckte ziemlich gut, sodass ich gleich nochmal einen Bissen nahm.

Allerdings schien Reece so gar keinen Appetit zu habe. Lustlos stocherte er in seinem Essen rum, während sein Blick immer wieder zu Uhr ging. Ich schluckte schwer. Irgendwie kam mir das hier alles so falsch vor. Ich konnte nicht sagen, was es war. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich das Gefühl, dass Mr. Winchester nur gezwungen lächelte und James ihm nur gespielt freundlich auf seine Fragen antwortete. Die einzige, die einigermaßen fröhlich war, war Manon.

„Wann gehen wir denn...los?" , fragte Mr. Wincehster in die Runde, wobei ich sehen konnte, wie Reece sich sofort verspannte und mit einem gequälten Gesichtsausdruck auf seinen Teller starrte.

Ich war hier wirklich total fehl am Platz. Unbehaglich sah ich auf meine Finger.

„In einer Stunde, dachte ich. Kommst du auch mit, Maddie?" , fragte mich Manon. Allerdings merkte ich, dass sie nun auch etwas gezwungen lächelte. Es erreichte ihre Augen nicht mehr.

Obwohl ich nicht einmal wusste wohin, antwortete ich mit nein. Neben mir hörte ich, wie Reece fast schon erleichtert ausatmete. Hatte er die Luft angehalten?

Vergeblich suchte ich nach einem Ausweg hier endlich herauszukommen, aber ich wusste keinen.

„Ist es okay, wenn Maddie und ich hochgehen?" , hörte ich Reece auf einmal fragen.

Das erste Mal, dass er mich Maddie genannt hatte.

„Ehm..." , fing Mr. Winchester an, aber Manon unterbrach ihn grinsend.

„Aber sich, Kinderschen."

Ich warf Reece einen verwirrten Blick zu, als er aufstand und mir seine Hand hinhielt, die ich zögerlich ergriff. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er das nur gesagt hatte, um nicht mehr mit seiner Familie am selben Tisch sitzen zu müssen.

Aber warum?

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Hey, 

Ich hoffe, dass euch dieses Kapitel gefallen hat:) 

Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Feiert nicht zu hart;) 

Wir sehen uns dann in aller Frische in 2016 wieder. 

Was denkt ihr, was stimmt mit Reece Familie nicht? 

Wie findet ihr Manon, James und Mr. Winchester?

Und was denkt ihr, wohin sie später noch fahren werden? 

Freue mich auf eure Vermutungen. :) 

~Liz <3 


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