~Private coaching~

Hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich es hasste von Leuten abhängig zu sein? Nein? Dann wisst ihr es jetzt. Was aber noch viel schlimmer war, als von einer Person abhängig zu sein, war, von einem totalen Idioten abhängig zu sein. Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung.

Was kann man also tun, wenn der verhasste Mathelehrer vor dir steht, während du den Jungen mit Blicken anflehst dir zu helfen, den du eigentlich ignorieren wolltest? Nichts. Nur hoffen.

Verzweifelt bemerkte ich, wie Reece Augen sich nach meiner Lüge kaum merklich weiteten. Allerdings hoben sich seine Mundwinkel kurz danach leicht an.

„Stimmt." , bestätigte er meine Aussage von vorhin und wandte sich mit einem breiten Grinsen an Mr. Court.

„Nun gut, vielleicht ist es auch besser, wenn dir ein Mitschüler versucht den Stoff zu erklären. Ich sperre euch nach Schulschluss das Klassenzimmer auf. Dann könnt ihr in Ruhe üben."

Mr. Court warf uns einen letzten strengen Blick zu, ehe er wieder nach vorne an die Tafel marschierte und mich völlig fassungslos zurück ließ. Es sah so aus, als würde ich doch Nachhilfe bekommen.

„Was bekomm ich jetzt dafür?" , riss mich Reece aus meinen Gedanken. Als ich meinen Kopf langsam zu ihm drehte, sah ich ihn nicht anders als erwartet, amüsiert schmunzeln. Eigentlich hätte ich denken müssen, dass er nicht kommen würde. Schließlich hielt er mich ja auf Abstand. Oder hat es getan. Ich wurde einfach nicht aus ihm schlau.

„Ach, komm schon Reece!" , stöhnte ich flehend. „Kannst du mir nicht diesen kleinen Gefallen tun? Oder willst du dafür Geld?"

„Ich tu dir den Gefallen, aber nur, weil ich darauf stehe, wenn du meinen Namen stöhnst." Mein Banknachbar zwinkerte mir anzüglich zu und zum Glück klingelte es in diesem Moment. Ich war mir zwar sicher, dass er sah, wie sich meine Wangen leicht rosa färbten, aber eine Antwort auf seine Aussage wusste ich trotzdem nicht. Ich war einfach damit überfordert, wie er auf einmal mit mir flirtete und im nächsten Moment wieder wegstieß.

„Bis heute Nachmittag, Mad." Reece grinste mich noch ein letztes Mal an. Dann ging er schnellen Schrittes hinaus auf den Gang.

Schließlich packte ich hastig meine Sachen zusammen und rauschte an Mr. Court, der mich nachdenklich angesehen hatte, vorbei nach draußen.

„Maddie!" , hörte ich jemanden rufen. Verwirrt sah ich mich in der Menschenmenge um und sah schließlich Ronnie am anderen Ende des Flurs mir zu winken. Da ich sowieso in diese Richtung musste, ging ich ihr entgegen. Außerdem war ich neugierig, was sie mir zu sagen hatte.

„Hey, Ronnie!" , begrüßte ich sie, als ich bei ihr angelangt war und zu meiner Überraschung zog sie mich in eine kurze Umarmung, die ich etwas unbeholfen erwiderte.

„Ich möchte dich gerne zu Jacksons Party einladen." Strahlend hielt sie mir einen schwarzen Umschlag hin, den ich überrascht entgegennahm.

„Mich? Warum?" , fragte ich schließlich nach.

„Ich brauche dringend weibliche Unterstützung. Bei uns hängen nicht viele Mädchen rum und ich denke, dass wir uns dort ziemlich amüsieren könnten. Hast du Lust? Sie findet in zwei Wochen statt. Alles andere findest du auf der Einladung."

Eingehend starrte ich auf den schwarzen Umschlag. Ich war seit mehr als einem Jahr zum letzten Mal auf einer Party gewesen. Eigentlich mochte ich Ronnie und würde sie auch gerne besser kennenlernen, aber eine Party bereitete mir Bauchschmerzen. Ich würde mich dort wahrscheinlich alles andere als wohl fühlen. Inzwischen war es im Gang ziemlich leer geworden. Diese Stille machte alles noch schlimmer.

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